Eine harmonische Symphonie aus Holz: Vorarlberger Architekten dominieren den erstmals ausgeschriebenen Liechtensteiner Architekturpreis „Konstruktiv“. Siegerscheck für Johannes Kaufmann
Die Liechtensteiner Regierung lobte den mit 50.000 Euro dotierten, erstmals ausgeschriebenen Preis im vorigen Jahr aus. Vor kurzem nun wurden die Preisträger ermittelt. Zur Einreichung zugelassen waren alle Länder des Alpenraumes: Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Monaco, Österreich, die Schweiz und Slowenien.
Starke Vorarlberger Architektur
Wie stark Vorarlbergs Architekten sind, ist schon allein daraus ersichtlich, dass unter den aus den insgesamt 200 Einreichungen ausgewählten 25 Nominierungen für den Preis 15 Projekte aus Vorarlberg stammen. Außerdem gefielen der Jury, bestehend aus Göbi Gantenbein, dem Chefredakteur der Schweizer Architekturzeitschrift Hochparterre, sowie den Architekturschaffenden Dominique Gauzin-Müller (Frankreich), Helmut Dietrich (Vorarlberg) und Gian-Carlo Allen (Italien), noch vier Projekte aus der Schweiz, zwei aus Liechtenstein, zwei aus Italien und je eines aus Deutschland und Frankreich, sodass sie den Sprung in die zweite Bewertungsrunde schafften.
In Anbetracht der qualitativen Fülle ist es letztlich nicht verwunderlich, dass die Plätze eins und zwei der drei letztlich prämierten Bauten von Vorarlberger Architekturbüros gewonnen wurden. Den Siegerscheck sicherte sich Johannes Kaufmann mit seinem Gemeindehaus für Raggal. Dabei handelt es sich wahrlich um eine „Symphonie in Holz“, die sich eindrucksvoll an den Hang der Großwalsertaler Gemeinde anschmiegt. Dieses neue Raggaler Verwaltungszentrum, in dem auch das Tourismusbüro untergebracht ist, verfügt nur über ein Erdgeschoss und ein Untergeschoss. Es fügt sich in seiner Schlichtheit und dezenten Gestaltung unaufdringlich in die Ortschaft ein. Unter dem Hauptgeschoss schieben sich die Technik- und Archivräume in den dafür abgetragenen Hang hinein.
Platz zwei ging an das Dornbirner Büro von Bernardo Bader. Ausgezeichnet wurde Baders Um- und Erweiterungsbau „Gasthof Krone“ in Hittisau. Die Krone existiert bereits seit 170 Jahren und wurde schon des öfteren umgebaut. Zuletzt in den 1970er Jahren. Damals allerdings formal und gestalterisch wenig überzeugend. Bader lässt mit seinem Entwurf die unselige „Modernisierung“ in den 1970er Jahren vergessen. Zusammen mit 29 Handwerksbetrieben aus der Region, sämtlich Mitglieder des „Werkraums Bregenzerwald“, hauchte er dem altehrwürdigen Gebäude neues Leben ein und führte die traditionell-alpine Formensprache des ursprünglichen Hauses in eine „wälderische Moderne“ über, wie es die Architekturzeitschrift Hochparterre formulierte.
Den dritten Preis erhielt die vom Zürcher Architekten Dietrich Schwarz geplante „Wohnanlage im Bächli“ in Teufen im schweizerischen Appenzell.
Verantwortungsvolles Bauen fördern
Diese Siegerprojekte wie auch die anderen nominierten Wohnhäuser, Kommunalbauten oder Gewerbe- und Industriebauten werden im Landhaus-Foyer anhand von Plakattafeln mit Plänen, Fotos und Details präsentiert. Von einzelnen Projekten sind auch Modelle aufgestellt. Ziel des Liechtensteiner Architekturpreises ist es den Auguren zufolge unter anderem, das Bewusstsein der Bauenden für ein verantwortungsvolles und zukunftsfähiges Bauen im gemeinsamen Lebensraum Alpen zu schärfen und zu fördern. „Die ökologischen, ökonomischen sowie sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit der gebauten Umwelt sollen durch die Auszeichnung und Publikation von Beispielen mit Vorbildwirkung konkret vorangetrieben werden,“ heißt es wörtlich.
„Konstruktiv"
Landhaus Bregenz, Eingangshalle
Noch bis 9. September 2011
Montag bis Freitag 8.00 bis 18.00 Uhr
