Christian Scott: Yesterday You Said Tomorrow
Dass aufgeschlossene junge Musiker vom Bebop über Fusion bis zu HipHop und Indie-Pop alle Stile zu mischen verstehen, ist noch nichts Außergewöhnliches, aber lange nicht allen gelingt es, diese musikalischen Einflüsse so organisch zu verbinden und daraus einen homogenen, eigenständigen Sound zu entwickeln, wie dies Christian Scott schon auf seinen Grammy-nominierten Vorgängeralben demonstrierte und nun auf „Yesterday You Said Tomorrow“ perfektionert. Wobei in seinem Fall in der Perfektion die notwendigen Ecken und Kanten durchaus inkludiert sind. Auf der Trompete kann Scott so ziemlich alles, er hat einen wunderschönen Balladenton, beherrscht den Umgang mit den Dämpfern perfekt, kann aber auch extrem Gas geben und das Horn überblasen, dass es Funken sprüht. Der Vergleich mit Miles Davis ist in seinem Fall nicht nur vom Musikalischen, sondern auch vom wachen politischen Bewusstsein her durchaus angebracht. So möchte Christian Scott mit seinen Songtiteln auch politische Wirkung erzielen. Zum Beispiel „K.K.P.D.“ ist ein Kürzel für „Ku Klux Police Department“ und soll auf rassistische Tendenzen in der Polizei seiner Heimatstadt hinweisen, oder „American’t“ ist eine ironische Widmung für die konservativen Verhinderungstaktiker unter den Obama-Gegnern. Unterstützt wird Christian Scott von einer fulminanten, hoch motiviert agierenden Band, in der er neben seinem Langzeitpartner Matthew Stevens an der Gitarre lauter junge, unverbrauchte und hochtalentierte Persönlichkeiten versammelt hat. (Concord Jazz/Vertrieb: Universal)

