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25.06.2010 |  Peter Füssl

Dhafer Youssef: Abu Nawas Rhapsody

Der Traum, die Ekstase, die spirituelle Lust, die Schönheit als einfaches, reales und sinnliches Konzept, das sei es, was er suche, meint der aus Tunesien stammende, lange in Wien und mittlerweile in Paris lebende Oud-Spieler und Sänger Dhafer Youssef. All diese Ingredienzien gibt es auf seiner neuesten CD zuhauf, und er teilt diese Vorlieben sicherlich auch mit dem legendären arabisch-persischen Dichter Abu Nawas, der vor 1200 Jahren für den oftmals beißenden Spott seiner Wein-, Jagd- und homoerotisch gefärbten Liebeslieder mit dem Leben bezahlen musste. Dass die Lebenslust auch in dieser Kultur zu Hause ist und nicht nur der heute alles übertönende Fundamentalismus, ist eine wichtige, wenn auch unausgesprochene Botschaft.

Dhafer Youssef ist von allen Oud-Virtuosen der experimentierfreudigste und er war immer schon offen für alle Arten an musikalischen Einflüssen. Nachdem er in den letzten Jahren vorwiegend mit elektronisch orientierten, nordischen Nu-Jazzern wie Eivind Aarset, Bugge Wesseltoft oder Jan Bang zusammengearbeitet hatte und auch mal mit dem Wiener Koehne Streichquartett oder dem indischen Tablavirtuosen Jatinder Thakur auf Tournee gegangen war, formierte er vor zwei Jahren ein neues, akustisches Quartett. Der New Yorker Drummer Mark Guiliana und der in Paris lebende, kanadische Kontrabassist Chris Jennings spielen sich mühelos durch die ungeraden Rhythmen und heizen das musikalische Geschehen mitunter auch mal mit treibenden Beats ordentlich an. Im 21-jährigen armenischen Pianisten Tigran Hamasyan hat Dhafer Youssef einen kongenialen Partner gefunden. Sowohl für seine instrumentalen Dialoge als auch als stimmungsvollen Begleiter für seine unglaublichen vokalistischen Exkursionen über mehrere Oktaven, die im Lauf der Jahre nichts von ihrem Gänsehaut auslösenden Effekt verloren haben und in Richtung Trance führen. Abu Nawas hätte sich über Dhafer Youssefs Adaptionen seiner Lyrik sicherlich gefreut und einen liebevollen Spottgesang auf den tunesischstämmigen Weltbürger angestimmt.

(Jazzland/Vertrieb: Universal)
 

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