Hank Roberts: Everything Is Alive
Mit dabei war damals auch schon der vielseitige Bassist und Gitarrist Jerome Harris, und der originelle Drummer und Perkussionist Kenny Wollesen zählt auch schon seit zig Jahren zu den engsten Weggefährten. Hank Roberts, längst so etwas wie der „Winter & Winter“-Hauscellist, hat sich für sein ambitioniertes Projekt „Everything Is Alive“, das von Stefan Winter im Live-To-Analog-Two-Track-Verfahren ohne jegliche Overdubs, digitale Effekte oder Korrekturmöglichkeiten produziert wurde, also kongeniale Partner gesucht, die seinen musikalischen Intentionen im Blindflug folgen können. Mit zehn Kompositionen erforscht Roberts die amerikanischen Popularmusik im weiten Spannungsfeld zwischen Country, Rock, Jazz, Blues, Americana und zeitgenössischer Improvisationsmusik. Ein höchst vergnügliches Unterfangen, zumal er auch allen Akteuren genügend Raum zur Entfaltung ihrer ganz speziellen Fähigkeiten bietet. Der äußerst wendige und unorthodox aufspielende Wollesen sorgt gemeinsam mit Jerome Harris für einen inspirierenden rhythmischen Teppich, Bill Frisell lässt seine Gitarre auf höchstem Niveau singen und fühlt sich in diesen Stücken, die zum Teil seiner eigenen musikalischen Auffassung durchaus sehr nahe kommen, hörbar wohl. Hank Roberts demonstriert auf wohltuend uneitle Weise seine spieltechnische Perfektion und sein enormes kompositorisches Talent, das es ihm ermöglicht, die Grundessenzen der verschiedenartigen Musikstile herauszudestillieren und zu einem genreübergreifenden, entsprechend farbenfrohen und abwechslungsreichen Klangerlebnis neu zusammenzumischen. Das groovt und rockt, schillert in irisierenden Farbtönen, bezaubert mit idyllischen Balladen, lädt zu schrägen Tänzchen ein, begeistert mit frischen Improvisationen und überrascht von Zeit zu Zeit mit einer wohltuenden Prise Witz. Ein Meisterwerk vom ersten bis zum letzten Ton.
(Winter & Winter)
