Neil Young with Crazy Horse: Americana
Ersteres müssen wir unbeantwortet lassen, aber dass diese teils uralten Folk- und Country-Gassenhauer funktionieren ist nach eineinhalb Minuten des Openers „Oh Susanna“ klar, wenn Young in gewohnter Lässigkeit „with my B-A-N-J-O on my knee“ deklamiert. Mit seinen alten Kollegen von Crazy Horse präsentiert er diese ursprünglichen Arbeiterlieder, Moritatensongs und Wild West-Mythen mit einer archaischen Wucht und dröhnenden Unmittelbarkeit, die alle gefälligen Kinderlied-Versionen, die man üblicherweise so kennt, gnadenlos aus den Ohren prügelt. Wie immer bei Neil Young und Crazy Horse wird das Unvollkommene voller Inbrunst und auf geniale Weise zur Perfektion getrieben. Das mag manchmal wie eine Spaßpartie klingen, Youngs Erläuterungen zu den einzelnen Songs im Booklet lassen aber doch auf eine gewisse Ernsthaftigkeit des Unternehmens schließen. Auch die seit 1975 in unveränderter Besetzung mit Frank „Poncho“ Sampedro an der Gitarre, Billy Talbot am Bass und Ralph Molina an den Drums auftretenden Crazy Horse wirken höchst motiviert, und schon allein das von Young und Sampedro zeitweilig inszenierte Gitarreninferno würde dieses Album hörenswert machen. Die nächsten „Americana“ kann der gute Neil dann ja wieder selber schreiben.
(Reprise/Warner)
