Patti Smith: Banga
Ihre poetische Ader ist ebensowenig versiegt wie ihr kritischer Geist müde geworden. So verpackt sie jede Menge harscher Gesellschaftskritik und weitschweifiger Gedanken über Tod und Vergänglichkeit in anspielungsreiche Texte zu mal rockigen, mal meditativen Klängen, ausgeführt von ihren alten Kumpels Lenny Kave an den Gitarren, Jay Dee Daugherty an den Drums und Tony Shanahan an Bass und Keyboards, die auch den Großteil der Titel komponiert haben. Wenngleich rein musikalisch betrachtet eher Altersmilde vorzuherrschen scheint, vermag Patti Smith mit ihrer ausdrucksstarken, über die Jahre hinweg kräftiger gewordenen Stimme durchaus noch in den Bann zu ziehen. Trauerlieder für Amy Winehouse und die Schauspielerin Maria Schneider („Der letzte Tango in Paris“) interpretiert sie mit ebensolcher Intensität wie einen Geburtstagssong für Johnny Depp, der auf dem Album auch kleine Gastrollen erfüllen darf, oder einen Gedenksong für die Opfer von Fukushima. Da tauchen Amerigo Vespucci, Kolumbus und der liebe Gott auf, der legendäre russische Regisseur Andrei Tarkowski wird mit dem Freejazz-Exzentriker Sun Ra kombiniert, und „Banga“ heißt der Hund von Pontius Pilatus in Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“. Es ist eine faszinierende, mit unzähligen Referenzen gespickte Welt, in die Patti Smith, die für ihren autobiographischen Künstlerroman „Just kids“ mit dem renommierten „National Book Award“ ausgezeichnet wurde, Einblicke gewährt. Und es ist auch stimmig, wenn sie ihre neue CD mit dem Neil Young Klassiker „After The Gold Rush“ samt Kinderchor abschließt, denn für beide Altmeister sind Hippietum und Punk kein unvereinbares Gegensatzpaar.
(Columbia/Sony Music)
