Stefano Battaglia Trio: The River of Anyder
Stefano Battaglia gelingt dies einmal durch seine stupende Technik – er ist ja klassisch ausgebildet, mit einem breiten Spektrum vom Barock bis zum Zeitgenössischen und konnte schon zahlreiche Preise einheimsen – und zum Zweiten durch unkonventionelle Konzepte, die seine Alben der Beliebigkeit entreißen. Auf seiner neuesten Produktion lädt er die geneigte Hörerschaft zu einer Wanderung durch mythische und legendäre Städte, Orte, Inseln und Landschaften. Es entführt in archaisch anmutende Traumwelten, in denen Zeit und Raum noch endlos scheinen – kein Stress, keine Aufregung, nichts Störendes oder Verunsicherndes. Vor dem inneren Auge entfalten sich beispielsweise Bilder zu „Bensalem“, der Metropole von Francis Bacons New Atlantis, vom Fluss Anyder aus Thomas Morus’ „Utopia“ oder vom Berg Ararat, auf dem einstmals die Arche Noah gestrandet sein soll. Battaglia verweist neben Morus und Bacon noch auf den mittelalterlichen persischen Mystiker Jalal ad-Din Rumi, Rimbaud, Hildegard von Bingen und den Oglala Sioux-Häuptling Black Elk – scheinbar weit von einander liegende intellektuelle Bezugspunkte zu den einzelnen Stücken, die dann doch alle wie aus einem Guss wirken. Wunderschöne lyrische Klanggemälde, oftmals impressionistisch hingetupft, die niemals ins Belanglose oder Oberfächliche abgleiten und zum Träumen einladen. Die ideale Platte für ruhige, verschneite Winterabende.
(ECM: Vertrieb: www.lotusrecords.at)
