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08.08.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (9.8. - 15.8. 2010)

Auf der anderen Seite des Bettes: Wie wäre es, wenn Mann und Frau mal für ein Jahr die Rollen tauschen, der Mann Haushalt und Kindererziehung schaukelt, die Frau die Firma ihres Gatten leitet. – Exakt diesen Vorschlag macht Ariane eines Abends ihrem Mann, als er sich darüber mokiert, dass sie nicht mal mit ihren „kleinen“ Pflichten fertig werde. Weil sie auf diesem Rollentausch besteht, ansonsten mit der Scheidung droht, sieht sich Hugo gezwungen nachzugeben. Dass am Anfang alles drunter und drüber geht, versteht sich von selbst, doch bald wächst das Paar in die neuen Rollen hinein, wird sie zur toughen Geschäftsfrau und er zum immer feminineren Hausmann.
Nach rasantem Beginn geht Pascale Pouzadouxs Debut nach etwa einer Stunde zwar ziemlich die Luft aus, doch die glänzend aufgelegten Hauptdarsteller Sophie Marceau und Dany Boon lassen über diese Schwäche zumindest teilweise hinwegsehen. Lustvoll wird hier mit Geschlechterklischees gespielt, werden diese vorgeführt und bloß gestellt, gleichzeitig aber auch wieder zementiert. Das kann man kritisieren, andererseits bezieht diese in ihrer Leichtigkeit und Unbekümmertheit typische französische Sommerkomödie gerade aus dieser frechen Herangehensweise und am lustvollen Verletzen der political correctness  einiges an Esprit und Witz.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 11.8., 20 Uhr + Fr, 13.8., 22 Uhr

The Bubble: Nicht anders als in anderen Regionen der Welt wollen die jungen Menschen auch in Tel Aviv das Leben in vollen Zügen genießen, lieben und tanzen. Mit viel Musik, einer Kamera, die immer nah an den Figuren ist, ungeschönten Settings und wunderbar natürlichen Schauspielern vermittelt Eytan Fox überzeugend die Lebensfreude und Vitalität von Noam, Yali und Lulu, die in einer WG in einem angesagten Viertel der Stadt leben. Als vierter stößt bald der Palästinenser Ashraf dazu, der sich in Noam verliebt.
Gemeinsam genießt man das grossstädtische Leben und gleichzeitig lässt Noam in den Gesprächen mit Ashraf in seine Kindheit blicken. In unscharfen Videobildern, beschwört Fox bewegend Noams Sehnsucht nach einem heilen Leben, nach Glück und der Geborgenheit der Kindheit, in der es aber immer auch schon die Trennung von Israelis und Palästinensern gab.
Gegenpol zum pulsierenden Tel Aviv bildet die Palästinenser-Siedlung Nablus, in die Ashraf zur Hochzeit seiner Schwester zurückkehrt. Wie im Passieren der Kontrollposten nicht nur die politischen Grenzen, sondern auch die Barrieren im Kopf sichtbar werden, so unaufgesetzt, aber eindringlich werden die Gegensätze in den Wohnbedingungen und im sozialen Zustand sichtbar. – Hier die hippe Großstadt, dort das einfache traditionelle Wüstendorf.
Ist für die Israelis Noams Homosexualität kein Problem, so muss sich Ashraf bei seiner Familie mühsam zu einem Coming-Out durchringen und dafür Verachtung in Kauf nehmen. Aber neben dieser Barriere gibt es eben auch die politischen Spannungen, gibt es palästinensische Selbstmordanschläge in Tel Aviv, die wieder zu unkontrollierten israelischen Militäraktionen in den besetzten Gebieten führen.
Auf einseitige Schuldzuweisungen verzichtet Eytan Fox, unmissverständlich zeigt er aber, dass eine Liebe über die Grenzen in einem solchen Klima eine Utopie bleiben muss, die an der Realität zerplatzt.
Auch Hoffnung, dass sich die Dinge rasch ändern werden, macht der in New York geborene israelische Regisseur dem Zuschauer keine, träumt aber dennoch in seinem einfühlsamen und über weite Strecken humorvollen und von Empathie für die Figuren durchzogenen Film wie seine Protagonisten von Frieden und unbeschwertem Leben.
Filmforum Bregenz - Open-Air-Kino im Benger Areal, Bregenz: Do, 12.8., 21 Uhr

 

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