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  <title>Kleinkunst / Kabarett</title>
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  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/ansichten-eines-201eentertain-mans201c">
    <title>Ansichten eines „Entertain-mans“: Markus Linder feierte mit seinem neuen Programm Premiere</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/ansichten-eines-201eentertain-mans201c</link>
    <description>Markus Linder gastierte am Samstagabend mit seinem neuen Kabarettprogramm „Hinter-Arlberger“ im sehr gut besuchten Theater am Saumarkt in Feldkirch und feierte gleichzeitig sein 15-jähriges Solo-Kabarett-Jubiläum.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p class="Text">Markus Linder ist ein Multitalent: Musiker, Moderator, Organisator des Bregenzer New-Orleans-Festivals, Entertainer, Kabarettist. Und seit neuestem: Fernsehschauspieler. Als Kabarettist handelte er am Samstagabend im sehr gut besuchten  Theater am Saumarkt zwei ineinander verquickte Themenkreise ab.</p>
<h3 class="Text">Geographische und menschliche Perspektiven</h3>
<p class="Text">Zum einen ging er der Frage nach, ob er, da er nun schon seit Jahren seinen Hauptwohnsitz im Tiroler Axams hat, Hinter-Arlberger sei oder, als gebürtiger Rankweiler, doch noch Vor-Arlberger. Das ist einerseits eine Frage der geographischen Perspektive. Andererseits aber auch eine menschliche; nämlich die, wie man als Zugereister von den Einheimischen gesehen wird. Hier gab Linders Beziehung zum „Soacheler“ Auskunft. Köstlich, wie Linder den griesgrämigen Tiroler mimte. So ist es doch schön, wenn man nach 30 Jahren endlich in Axams „intrigiert“ ist. Sichtbares Zeichen der „Akklimatisierung“: Man wird zum Schützenfest eingeladen. Doch: Ganz angenommen darf man sich nicht fühlen.</p>
<h3 class="Text">Ein „legal alien" in Tirol</h3>
<p class="Text">Ausdruck dieser existenziellen Situation war die Performance des Songs „Gsiberg-Man in Tirol“. Eine witzige Überschreibung des Sting-Klassikers „Englishman in New York“. Und hier ergab sich die Verbindung zum zweiten Themenkreis, nämlich Linders persönliche „10.000 Lieblingslieder“. Einige davon wurden unter Angabe ihrer Nummern, etwa „4720: Sexbomb“, gespielt oder nur angespielt. Übersetzt oder überschrieben. Ganz nebenbei konnte der eingeschworene Bluesman Linder mit diesem Ansatz auch der Frage nachgehen, woher der Blues eigentlich stammt. Und gegen Ende des Abends ein Geheimnis lüften.</p>
<h3 class="Text">Treffsichere Pointen mit Niveau</h3>
<p class="Text">Die genannten zwei Themenkreise gaben dem begabten Humoristen Gelegenheit, sein ganzes künstlerisches Talent und intellektuelles Potenzial voll auszuspielen. Im stylischen, rosa-orange-karierten Anzug performte er auf der kleinen Bühne mit sichtbar viel Spielfreude und entfachte ein Feuerwerk von treffsicheren Pointen. Sein geistvoller Humor, sein Wortwitz und seine trefflichen Imitationen bzw. Parodien sorgten immer wieder für Lacher im Publikum. Als Marcel Reich-Ranicki etwa kanzelte er ab, was Reinhold Bilgeri und Michael Köhlmeier mit dem „Strumpfbandgürtelblues“ in ihrer „Jugend verbrochen“ hätten. Der studierte Altphilologe und Germanist blieb dabei aber immer niveauvoll.</p>
<h3 class="Text">Das Timing stimmte</h3>
<p class="Text">Als guter Popular-Musiker, der er ist, konnte er dabei auch sein musikalisches Talent ausschöpfen. Linder sang gut und begleitete sich geschickt am Yamaha-Keyboard, groovte und ließ auch ein stimmiges Blues- und fetziges Jazz-Piano hören. Sein musikalisches Gefühl für Timing kommt ihm dabei ganz klar auch in seinem Kabarett zugute. Als genau arbeitender Vor-Arlberger hakte er die Programmpunkte auf einer hinten an der Wand klebenden Checkliste ab. Musikalische Unterstützung erhielt er von Profi-Drummer Kurt Wackernell; zuletzt bei der Zugabe „An ghöriga Riebl“. Mit den a cappella hingehauchten Worten „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Saumarkt eingestellt“ verabschiedete sich Markus Linder. <br />Tosender Applaus.</p>
<p class="Text"> </p>
<p class="callout"><b>Weitere Termine<br /><br />Feldkirch</b>, Theater am Saumarkt, jeweils 20.15: <br />Do, 19. Januar, Do, 26. Januar<br />Do, 2. Februar, Do, 9. Februar, Do, 23. Februar, Mi, 29. Februar<b> </b><br /><br />Do, 8. März, 20:00: <b>Lauterach</b>, Hofsteigsaal<br />Sa, 10. März, 20:00: <b>Klaus</b>, Winzersaal<br />Fr, 16. März, 20:00: <b>Nenzing</b>, Ramschwagsaal<br /><br />Fr, 20. April, 20:00: <b>Frastanz</b>, Adalbert-Welte-Saal<br /><br />Do, 12. Mai, 20:00: <b>Bildstein</b>, Pfarrsaal</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Bader</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2012-01-15T18:33:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/anspruchsvoll-und-hintersinnig-sebastian-kraemer-lud-zur-201eakademie-der-sehnsucht-ins-feldkircher-theater-am-saumarkt">
    <title>Anspruchsvoll und hintersinnig: Sebastian Krämer lud zur „Akademie der Sehnsucht" ins Feldkircher Theater am Saumarkt</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/anspruchsvoll-und-hintersinnig-sebastian-kraemer-lud-zur-201eakademie-der-sehnsucht-ins-feldkircher-theater-am-saumarkt</link>
    <description>35 Jahre ist er erst alt, dieser Mann aus Ostwestfalen, der seit 1996 in Berlin lebt. Doch er hat schon jede Menge Bühnenerfahrung: zunächst als sehr erfolgreicher Poetry Slammer (zweifacher Deutscher Meister), seit einigen Jahren als Liedermacher. Sein feingeistiger Humor und seine offen zur Schau gestellte umfangreiche humanistische Bildung sind die Fundamente eines sehr unterhaltsamen Programms, das Gregor Nowak am Cello perfekt ergänzt. Besonders im zweiten Teil des Abends begeistert Sebastian Krämer das Publikum mit seinen pointierten Liedern und Anekdoten.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Anbiederung ist nicht sein Ding. Andere Künstler mögen sich mal mehr, mal weniger unverhohlen an das Publikum ranschmeißen. Sebastian Krämer zeigt da lieber auch einmal eine schroffe Seite. Gerade hat er dem Publikum eine Frage gestellt. Als sich schließlich einer traut und die gewünschte Antwort liefert, quittiert Krämer das nur mit einem spöttischen „Einer ist ja immer der Streber“. „Ihr Humor ist Ihr Problem“, heißt es an anderer Stelle, „und meiner erst recht.“ Natürlich hat er auch eine zugewandte Seite, lässt seinen Charme ein ums andere Mal spielen. Aber diese kleine Anekdote gleich zu Beginn des Konzerts ist schon bezeichnend: So sperrig er sich – und sei es nur zuweilen – gibt, so unbequem sind auch viele seiner Chansons. Man muss schon sehr genau hinhören, um all die Zwischentöne zu erfassen. Doch die Mühe lohnt sich.</p>
<h3>„Popmusik unter schlechten Produktionsbedingungen“</h3>
<p>Apropos Chanson: Krämer definiert sie mit einem verschmitzten Lächeln als „Popmusik unter schlechten Produktionsbedingungen“. Als Kabarettisten sieht er sich nicht, denn „Kabarett wird mehr und mehr zur Selbsthilfegruppe für anonyme SPD-Mitglieder“. Viel Spott also für das eigene Metier. Dabei hat er in diesem bereits große Erfolge feiern können: 2001 und 2003 als Deutscher Meister im Poetry Slam, einer freien Form des Wettstreits unter Dichtern, 2009 dann als Träger des Deutschen Kleinkunstpreises für Chanson. <br /> Er ist ein Meister der feinen Ironie: Der Titel seines Programms „Akademie der Sehnsucht“ führt in die Irre. Sehnsucht ist für ihn „die Pflege einer Mangel-Empfindung – etwas sehr Deutsches“. Doch wer angesichts dieses Mottos schwülstige Balladen erwartet hat, liegt ganz falsch. Kaum wähnt sich der Künstler im romantischen Teil des Abends angekommen, tritt er sofort auf die emotionale Bremse: „Das bringen wir schnell hinter uns.“</p>
<h3>Bewusst gesetzte Brüche</h3>
<p>Auch musikalisch macht er es seinen Zuhörern im Theater am Saumarkt nicht leicht: Analog zu seinen verschachtelten Sätzen und Gedankengängen setzt er am Klavier nur selten auf gefällige Melodien und favorisiert stattdessen immer wieder dissonante Einschübe, bewusst gesetzte Brüche. Ob er damit die Erwartungen seines Publikums trifft, hat für ihn keinerlei Priorität. „Sie sitzen da und haben Eintritt gezahlt, mehr will ich gar nicht von Ihnen“, gesteht er freimütig. Mit Sätzen wie diesen, seien sie nun ernst gemeint oder nicht, hält er seine Zuhörer immer etwas auf Distanz. Man kann diesen Mann einfach nicht greifen; vermutlich ein bewusster Trick Krämers.</p>
<h3>Eleganz und klassische Bildung</h3>
<p>Thematisch ist die Spannbreite groß: Vom Kätzlein auf dem Auto, einer angeblich exklusiv ins Deutschen übersetzten russischen Volkswaise, über traumatische Schul-Erlebnisse mit den hochmütigen „Herzbrecherinnen“, einer ironischen Hommage an die Volkshochschule bis zur Abrechnung mit den Deutschlehrern, die infamerweise die Rechtschreibreform nicht verhindert haben, reicht das Repertoire. Beeindruckend ist immer wieder Krämers unerschöpflicher Wortschatz, den er sowohl in seinen Liedern am Klavier als auch in Anekdoten in Stand-Up-Form unter Beweis stellt. Die Eleganz seiner geschliffenen Texte, das ungewöhnliche Outfit mit grau glänzendem Anzug und der seltsam gefalteten Krawatte, die zahlreichen Anspielungen auf klassische Bildungsinhalte, von „Faust“ bis Heinrich Manns „Professor Unrat“ verleihen ihm etwas Altmodisches. Ein Eindruck, eine Erwartungshaltung, mit der er allzu gerne spielt.</p>
<h3>Florett statt Schwert</h3>
<p>Begleitet wird Krämer von Gregor Nowak, der weit mehr als nur ein netter Sidekick auf der Bühne ist. Ein Vollprofi, der normalerweise als künstlerischer und organisatorischer Leiter des Mendelssohn Kammerorchesters Leipzig sein Geld verdient. Gemeinsam bieten sie, vor allem nach der Pause, ein anspruchsvolles, intellektuelles Programm, das der Pressetext zutreffend charakterisiert: „Bizarr sentimental, unvermittelt garstig und schonungslos philosophisch. Manchmal hochpolitisch, ohne dass auch nur ein einziger Politiker Erwähnung fände…“ Die Berliner <i>taz</i> hat es in einer Rezension über Sebastian Krämer einmal schön auf den Punkt gebracht: „Dieser Mann zieht das Florett dem Schwerte vor und beherrscht es so elegant, dass er immer tödlich trifft“. Dieser Einschätzung ist nichts hinzuzufügen.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-12-03T13:05:09Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/schoene-gruesse-aus-dem-rucola-bezirk-201ehader-spielt-hader201c-in-der-inselhalle-lindau">
    <title>Schöne Grüße aus dem Rucola-Bezirk: „Hader spielt Hader“ in der Inselhalle Lindau</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/schoene-gruesse-aus-dem-rucola-bezirk-201ehader-spielt-hader201c-in-der-inselhalle-lindau</link>
    <description>Eine unterhaltsame Best-Of-Zusammenstellung seiner letzten fünf Kabarettprogramme zeigt Josef Hader in „Hader spielt Hader“. Den gewohnt bissigen Wortwitz, Ironie, schräge Geschichten, Kirchenkritik und Songs am Klavier brachte der 49 Jahre alte Künstler auch mit nach Lindau. Nach einem starken ersten Teil ließ die Spannung aber deutlich nach: Das Konzept der Show stieß spürbar an seine Grenzen.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Mit Themenabenden ist das ja so eine Sache. Da will der Künstler seinem Publikum, das er im „angejahrten Mittelstand“ verortet, eine schöne Show rund um das Thema Humanismus bieten – und keiner macht mit. „Haben Sie was vorbereitet?“, fragt Josef Hader, als der Vorhang sich hebt. Keine Antwort von den Zuschauern, also schlägt der Kabarettist vor: „Ich beginne mit einem Impulsreferat zum Humanismus, dann steigen wir in die Diskussion ein.“ Dieser Beitrag führt folgerichtig ins antike Griechenland. Doch natürlich bleibt dieser klassische Schauplatz der einzige Aspekt einer traditionell-bildungsbürgerlichen Herangehensweise an so ein Thema.</p>
<h3>Katholische Kirche und FPÖ im Zentrum der Kritik</h3>
<p>Statt einer philosophischen Begriffsklärung interessiert Hader vielmehr die favorisierte Beschäftigung der alten Griechen an einem Sonntagvormittag. „Ouzo saufen“ schallt da ein erster Beitrag aus dem ausverkauften Saal der Inselhalle. „Nicht schlecht“, urteilt Hader gedankenschnell, „das liegt auf Platz vier der Top Ten. Auf Platz eins aber unangefochten: die Knabenliebe.“ Und schon ist der Bogen zur katholischen Kirche gespannt, die er im weiteren Verlauf des Abends noch mehrfach mit spitzer Zunge – bei gleichzeitig  unschuldigem Blick – aufs Korn nehmen wird. Auch die FPÖ und Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache kriegen ihr Fett weg, was nach dem Interview im Vorfeld des Auftritts (<a href="interview-mit-josef-hader-201eder-naechste-bundeskanzler-koennte-strache-heissen201c">http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/interview-mit-josef-hader-201eder-naechste-bundeskanzler-koennte-strache-heissen201c</a>) zu erwarten war. Damit auch das deutsche Publikum weiß, wovon die Rede ist, bietet Hader folgende Charakterisierung an: „Die FPÖ ist die Partei, in der Horst Seehofer eine Stimme der Vernunft wäre.“</p>
<h3>Böse Dinge in weicher Sprache</h3>
<p>Am leidenschaftlichsten wettert Hader aber gegen die selbsternannten Humanisten, die Trendsurfer auf der Öko-Welle, wie sie unter anderem in der Kreativszene zu finden seien. Ihrer Leibspeise „Zanderfilet auf Rucola“ folgend, lässt Hader sie „bei uns im Rucola-Bezirk“ wohnen. „Humanismus, das bedeutet hier: Beruflich über Leichen gehen, aber mit Bioresonanz.“ Hader spart nicht mit Sarkasmus und Zynismus, der ihm manchen „Ho-ho-ho“-Lacher sichert. Auf die Frage, ob er in Deutschland anders spiele als in seinem Heimatland, hat er in einem Interview mit Zeit Online 2009 gesagt: „Ich bemüh mich aber, den österreichischen Tonfall beizubehalten. Schließlich ist die weiche Sprache wichtig, wenn man böse Dinge erzählt. Die Leute halten sie dadurch besser aus“.</p>
<h3>Gelungene musikalische Einlagen</h3>
<p>Fließend sind Haders Übergänge von einem Monolog in den nächsten und – bemerkenswerter noch – von gesprochenem zu gesungenem Text. Seinen Fähigkeiten am Klavier, einem Fender Rhodes-Piano, steht Hader zwar äußerst kritisch gegenüber: „Das muss ein Fall von Selbstüberschätzung sein: So schlechtes Klavierspielen bei so hohem Eintritt“, konstatiert er kopfschüttelnd. Doch die musikalischen Einlagen sind eine sehr gelungene Abwechslung und ein gutes Bindeglied zwischen den teilweise sehr unterschiedlichen Teilen der Show, die sich ja aus fünf verschiedenen Programmen zusammensetzt.</p>
<h3>Schwer zu greifender Künstler</h3>
<p>Dieses Konzept, das eben auf ursprünglich unverbundenen Einzelteilen fußt, stößt nach der Pause an seine Grenzen. Zu zerfahren wirkt immer mehr das Programm, zu sehr franst es aus. Einige gelungenen Pointen und der süßlich-hinterhältige Song „In der Nachbarschaft“ zum Abschluss können die zweite Hälfte nicht ganz retten, in der Hader bei einigen Längen die Geduld der Zuschauer überstrapaziert. Es fällt sehr schwer, den Künstler einzuschätzen, er bleibt – und das hat sicherlich Methode – nicht zu greifen. Wo fängt seine Rolle an, wo endet sie? Oder wie es der Berliner „Tagesspiegel“ in einer Rezension von „Hader spielt Hader“ formulierte: „Was nun der wirkliche Hader hinter dem Hader ist, der den Hader spielt, das lässt sich nur erahnen.“</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-10-15T08:51:32Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/interview-mit-josef-hader-201eder-naechste-bundeskanzler-koennte-strache-heissen201c">
    <title>Interview mit Josef Hader: „Der nächste Bundeskanzler könnte Strache heißen“</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/interview-mit-josef-hader-201eder-naechste-bundeskanzler-koennte-strache-heissen201c</link>
    <description>Auf Einladung des Zeughausvereins kommt Kabarettist Josef Hader in die Lindauer Inselhalle und zeigt dort am Freitag, 14. Oktober sein aktuelles Programm „Hader ist Hader“. Der Bayerische Rundfunk und das Münchner Lustspielhaus haben dem 49-jährigen gebürtigen Oberösterreicher vor kurzem den Bayerischen Kabarettpreis verliehen. In der Begründung dazu heißt es: „Dank seiner genauen Beobachtungsgabe, seiner großen Erzählkunst und blitzgescheiter Gedankengänge wird ein Abend mit Hader zu einem einmaligen Bühnenerlebnis.“ Er ist ein vielbeschäftigter Mann. In den vergangenen Jahren hat er auch an den Brenner-Verfilmungen nach den Romanen von Wolf Haas (zuletzt etwa „Der Knochenmann“) mitgewirkt – sowohl als Schauspieler als auch als Drehbuchautor. Kurz vor seinem Auftritt in Lindau hat er sich die Zeit für ein Interview mit Thorsten Bayer genommen.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>Kultur: </b><b>Ihr aktuelles Programm ist ein „</b><b>Best of" der vergangenen fünf Programme. Was erlebt der Hader-Fan, der alle Shows gesehen hat, Neues?<br />Josef Hader</b>: Der erlebt tatsächlich nicht viel Neues. Drei Nummern sind extra für dieses Programm geschrieben, den Rest kennt er/sie. Allerdings ist die Anzahl der Hader-Fans, die seit 1985 alle acht Programme von mir gesehen haben und in Lindau wohnen, ziemlich überschaubar. Ich würde mal schätzen, es sind nullkommadrei Zuschauer.</p>
<p><b>Vor kurzem war Papst Benedikt VI. zu Gast in seiner deutschen Heimat und hat dabei viele enttäuscht, die auf Reformsignale gehofft haben. Welchen Eindruck hatten Sie von seinem Besuch? Und was halten Sie von diesem Aufruf zum Ungehorsam einiger österreichischer Pfarrer?</b><br />Wer sich von diesem Papst Reformsignale erwartet hat, hat irgendwas in den letzten dreißig Jahren nicht ganz verstanden. Ich trete aber noch nicht aus, ich wart noch einen Papst ab. Der Pfarrerinitiative ist nett, aber sinnlos. Nur ein neuer Reformpapst könnte grundlegend etwas ändern, aber wie sollen die stockkonservativen Kardinäle, die alle von Ratzinger und seinem polnischen Vorgänger ernannt worden sind, einen Reformpapst wählen? Die kleine Hoffnung kann nur sein, dass sie einen falschen erwischen, dass sie sich einfach verschätzen. Das wäre dann ein Beweis für göttliche Vorsehung.</p>
<p><b>In einem Interview mit Zeit Online haben Sie 2009 gesagt: „</b><b>Ich freu mich immer sehr, dass wir in einem vereinten Europa leben, zusammen mit all diesen Ländern, die ich so mag.“ </b><b>Hat sich Ihre Einstellung dazu heute, im Angesicht der Euro-Krise, verändert?</b><br />Nein. Diese Krise ist ja keine der europäischen Einigung, sondern eine Finanzkrise, vielleicht eine des gesamten Wirtschaftssystems. Da wären Einzelstaaten genauso überfordert wie die Union, wenn nicht noch mehr.</p>
<p><b>Im gleichen Interview war zu lesen: „</b><b>Es gibt bei uns Politiker, die in Deutschland schon längst aus den Ämtern gefegt worden wären aufgrund von Aussagen, die bei uns keine Konsequenzen haben. Der Standard ist bei uns nicht immer westeuropäisch." Hat sich seit 2009 die Situation in Österreich verbessert oder noch verschlechtert?</b><br />Schlechter geworden ist es in Österreich nicht. Allerdings hat sich die Situation in den meisten europäischen Staaten an die in Österreich angeglichen. Wir befinden uns jetzt in guter Gesellschaft mit Italien, Ungarn, Frankreich, und vielen anderen. Einzig Deutschland ist auf einem Sonderweg, da sind wirklich einige Dinge nicht möglich, die inzwischen leider europäischer Standard sind.</p>
<p><b>Ist das österreichische Volk kollektiv in Lethargie verfallen? Rundum werden dauernd groß angelegte Geldverschiebeaktionen, Bestechungs- und Schmiergeldaffären etc. aufgedeckt, und keiner scheint sich wirklich darüber aufzuregen.</b><br />Es dominiert zurzeit wahrscheinlich die Befriedigung, dass alles tatsächlich so schlimm ist, wie man es sich immer vorgestellt hat. Mittelfristig wird man die Antwort an der Wahlurne geben, und der nächste Bundeskanzler könnte dadurch Strache heißen.</p>
<p><b>Im März haben Sie den Satirepreis „</b><b>Göttinger Elch" gewonnen, vor wenigen Tagen den Bayerischen Kabarettpreis. Sind Sie überrascht über den großen Erfolg auch in Deutschland? Lacht das deutsche Publikum an anderen Stellen als Ihre Landsleute?</b><br />Ich habe schon 1991 den Deutschen Kleinkunstpreis bekommen und spiele seither regelmäßig in allen alten und neuen Bundesländern. Dadurch hält sich die Überraschung über meinen plötzlichen Erfolg in Deutschland in gewissen Grenzen.</p>
<h3><b>Infos und Karten: www.zeughaus-lindau.de</b></h3>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-10-10T15:27:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/201eheute-abend-geht-es-um-die-oe-wurst201c-die-oesterreichische-meisterschaft-im-poetry-slam-am-spielboden-dornbirn">
    <title>„Der Koschuh“ verteidigt am Spielboden seinen Titel und wird österreichischer Meister im Poetry Slam</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/201eheute-abend-geht-es-um-die-oe-wurst201c-die-oesterreichische-meisterschaft-im-poetry-slam-am-spielboden-dornbirn</link>
    <description>Die fünfte Auflage des Ö-Slams, der österreichischen Meisterschaft im „Kampf der Dichter“, ist mit der ersten Titelverteidigung zu Ende gegangen. Im Finale setzte sich wieder der Innsbrucker Markus „Der Koschuh“ Kozuh durch. In einer spannenden Endrunde lag er am Ende knapp vor der erst 15 Jahre alten Klagenfurterin Mara Ban. Den dritten Platz teilten sich Stefan Abermann aus Innsbruck und der Linzer Sevi. Lokalmatador Holger Heyer kam auf Rang zehn. Es moderierten Markim Pause und Richi Küttel. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Poetry Slam hat auch dank der Organisatoren Birgit Sohler und Jörg Meißner am Dornbirner Spielboden ein Zuhause gefunden: Das hat sich bei den immer wieder ausverkauften Veranstaltungen mit Moderator Markim Pause gezeigt – und es hat sich an diesem Wochenende beim Ö-Slam, der österreichischen Meisterschaft im Poetry Slam, bestätigt: Ein ausverkaufter Spielboden, eine abwechslungsreiche und hochkarätige Show und ein spannendes Finale, das schließlich vier punktgleiche Künstler erreichten. Normalerweise ist die letzte Runde ein Duell. Am Ende setzte sich der 34 Jahre alte „Koschuh“ aus Innsbruck durch. Einen seiner Texte, der den Umgang mit Fremdem zum Thema hatte, widmete er den Menschen von Röthis. Damit spielte er auf die Solidaritäts-Aktion an, als im Februar 2010 der friedliche Protest der Ortsbewohner die geplante Abschiebung einer Familie aus dem Kosovo verhinderte.</p>
<h3>Jüngste Teilnehmerin mit dem nachhaltigsten Eindruck</h3>
<p>Die größte Überraschung der zweitägigen Veranstaltung gelang Vizemeisterin Mara Ban, einer 15 Jahre alten Schülerin aus Klagenfurt. Sie siegte in der U20-Wertung. Ihr intensiver, wortgewandter und ungemein wütender Beitrag gegen die katholische Kirche brachte ihr die ungläubige Begeisterung von Zuschauern und Kollegen. Hinter ihrem unscheinbaren Äußeren verbirgt sich eine multi-talentierte und bühnenerfahrene junge Frau: Die Tochter ungarischer und slowenischer Einwanderer studiert seit ihrem sechsten Lebensjahr Geige und hat beim Bundeswettbewerb Prima La Musica in Innsbruck 2008 den dritten Platz belegt.</p>
<h3>Eigene Texte, Publikum als Jury</h3>
<p>Poetry Slam ist eine sehr freie Kunstform. Regeln gibt es nur wenige: Der Text muss selbst verfasst sein, außer einem Mikrofon dürfen keine Hilfsmittel verwendet werden. Jeder hat maximal sechs Minuten Zeit. Das Publikum ist die Jury und stimmt mit Wertungskarten von 1 bis 10 Punkten darüber ab, wer eine Runde weiterkommt. Die Teilnehmer der Endrunde in Dornbirn hatten sich über den Zeitraum von einem Jahr qualifiziert. Jeder regelmäßig stattfindende Poetry Slam in Österreich hatte seine Kandidaten nominiert.</p>
<h3>Drei heimische Starter stellten sich der nationalen Konkurrenz</h3>
<p>Aus Dornbirn gingen Lukas Wagner sowie das Bruderpaar Wolfgang und Holger Heyer an den Start. „Ein Heyer soll ins Finale kommen“, hatte Holger, mit 34 Jahren der Altere der beiden, zuvor als Ziel ausgegeben. Und er selbst sorgte mit seinem begeisternden Auftritt in der Vorrunde dafür, dass dieses Ziel erreicht wurde. Dabei hatte er erst im Frühjahr bei „Jam on Poetry“, dem kleinen Poetry Slam im Kinosaal des Spielbodens, seinen ersten Auftritt. Im Finale kam er schließlich auf Platz zehn.</p>
<h3>Nebeneinander von tiefgründigen und heiteren Inhalten</h3>
<p>Die Bandbreite der Themen des Ö-Slams war sehr groß: Politik und Kirche kamen ebenso zur Sprache wie philosophische Aspekte des Biergenusses oder Geschichten über suizidgefährdete Schweine. Dabei widmeten sich die Dichterinnen hauptsächlich moralisch-tiefgründigen Themen, ihre männlichen Konkurrenten häufig dem Slapstick. Da nahm der weißhaarige „Tschif“, der älteste Teilnehmer, die Englischkenntnisse des ehemaligen Vizekanzlers Hubert Gorbach aufs Korn und ließ ihn fiktive Bewerbungsschreiben an Politiker mit dem immergleichen Hinweis „English can I good“ unterzeichnen. Elwood Loud aus Wien mokierte sich über den Sänger Xavier Naidoo als „den fleischgewordenen Nervenzusammenbruch“. Andi Plammer stellte in seinem umfangreichen Fragenkatalog zur Diskussion, wie etwa Briefträger zur Postmoderne stehen oder ob man wohl Vorarlberger im Weltall „Galaxiberger“ nenne.</p>
<h3>Sehr positive Bilanz</h3>
<p>Die Bilanz der Organisatoren fiel sehr positiv aus: „Dieses Wochenende war ein tolles Fest rund um den Poetry Slam. ‚Der Koschuh’ hat den Sieg verdient. Ich war überrascht über die neuen Künstler – aber auch über diejenigen, die ich glaubte bereits zu kennen“, sagte Jörg Meißner. „Die beiden Tage haben die österreichische Slam-Familie näher zusammengebracht.“</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-10-08T12:31:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/ein-wortgewaltiger-star-zum-anfassen-bei-kabarettist-jochen-malmsheimer-springt-der-funke-im-lindauer-zeughaus-ueber">
    <title>Ein wortgewaltiger Star zum Anfassen: Bei Kabarettist Jochen Malmsheimer springt der Funke im Lindauer Zeughaus über</title>
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    <description>„Wenn Worte reden könnten oder 14 Tage im Leben einer Stunde“: So ist das Programm von Jochen Malmsheimer überschrieben, mit dem er seit elf Jahren tourt. „Der Titel sagt mir auch nichts“, gesteht er selbst. Doch das Motto bleibt das einzige Rätsel dieses Abends, alle anderen Pointen zünden. Größere Bekanntheit hat dem Bochumer die ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ gebracht, in der er regelmäßig auftritt. Zuschauer und Künstler amüsieren sich erstklassig bei den Geschichten des Wortakrobaten, die mit wenigen Schenkelklopfern, aber viel Niveau aufwarten.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Berührungsängste sind ihm offensichtlich fremd. Warum auch? Das Licht ist erst vor wenigen Augenblicken angegangen, das Publikum strebt langsam dem Ausgang entgegen, da steuert der Protagonist des Abends schon mit gepacktem Rucksack und Jeansjacke auf die Theke zu. „Mensch, was hab´ ich einen Brand“, sagt Jochen Malmsheimer, bestellt ein Weizenbier und kommt gleich mit einigen Zuschauern ins Gespräch. Wie er da so steht, mit Vollbart und rot-blauem Karohemd, könnte man ihn fälschlicherweise für den Chef des örtlichen Harley-Davidson-Clubs halten. Auf der Bühne spielt der 49 Jahre alte Kabarettist immer wieder mit dem Proll-Image, nach der letzten Pointe aber scheint er ganz bei sich zu sein: So isser halt, der Jochen aus dem Ruhrpott.</p>
<p><b>Außen Proll, innen klassischer Bildungsbürger</b></p>
<p>Die Optik täuscht. Hinter der lässigen Fassade verbirgt sich ein klassischer Bildungsbürger, dessen Tiraden längst nicht jeder folgen kann. Zwar sucht er seine Themen weniger in der großen Politik, sondern mehr im Alltag, etwa im Spielzeugmarkt oder bei der Kindererziehung. Doch wie er seine Geschichten aufbaut und ausformuliert, ist einzigartig. Mit seiner Wortgewalt können es nur wenige Kollegen aufnehmen. Das Angenehme dabei: Er sonnt sich nicht arrogant in seiner Fabulierlust, sondern hat sichtbaren Spaß am kunstvollen Formulieren. Einen Blödmann im Fitness-Studio bezeichnet er nicht einfach als solchen, sondern nennt ihn „subfontanell schlecht möbliert“. Seinen Hund hält er nicht schlicht an der Leine, sondern „ist ihm langledrig verbunden“.</p>
<p><b>Akademischer, unangestrengter Zugang zur deutschen Sprache</b></p>
<p>Nicht nur der Wortwitz zeichnet ihn aus, auch die Originalität seiner Ideen. Zum Beispiel lässt er in einer Geschichte alle Wortarten in einer Kneipe (die treffenderweise den Namen „Satz“ trägt) zusammenkommen: „Es wimmelte von Verben, Adjektiven, Substantiven, Präpositionen und Konjunktionen, dass es eine Art hatte. Die Verben, zumal die jüngeren, waren zwanglos im lässigen Infinitiv erschienen, während die Älteren, gebeugt, meist im knitterigen Imperfekt oder, noch schlimmer, in einem ungepflegt wirkenden Plusquamperfekt gekommen waren….“ An einer Stelle wie dieser wird klar, dass Malmsheimer trotz abgebrochenen Studiums (Germanistik und Geschichte) der deutschen Sprache durchaus akademisch verbunden ist – da war die anschließende Lehre zum Buchhändler sicher nicht die schlechteste Idee.</p>
<p><b>Variationen zur eigenen Unterhaltung</b></p>
<p>Seine Stärke ist auch der Live-Vortrag, bei dem er sehr lebendig verschiedene Charaktere wiedergibt und seine Stimme mal zornig-bebend, dann wieder leise-wispernd einsetzt. Weite Teile seines Programms bestreitet er auswendig, nur selten greift er zur Textvorlage. Und wenn es einmal einen kurzen Hänger gibt, meistert er die Situation souverän und charmant. Ein ums andere Mal entstehen diese kleinen Pannen ohnehin nur dadurch, dass Malmsheimer seinen Text spontan umbaut oder eine andere Idee den Vorzug erhält. Auf diese Weise wird es ihm auch selbst nie langweilig.</p>
<p><b>Nostalgie mit viel Humor</b></p>
<p>In Lindau hinterlässt der Träger des Deutschen Kleinkunstpreises einen starken Eindruck. Spätestens bei den Schilderungen der – ewig gleichen Regeln gehorchenden – Parties der 70er Jahre kommen die Zuschauer kaum mehr aus dem Lachen heraus. Graue Kellerräume, in die steile Treppen hinabführen, Getränkenotstand schon nach wenigen Minuten, dazu den unvermeidlichen Nudelsalat (der auf den Feten von Malmsheimer und seinen Kumpels stets „Walter“ genannt wurde): Ganz offensichtlich hat das Publikum ganz ähnliche Erinnerungen an diese Zeit. Nach rund zwei Stunden Spielzeit hat es sich der Künstler mehr als verdient, das eingangs genannte Bier zu trinken – oder wie er es nennt: „sich toxisch zu marinieren“.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-05-27T13:26:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/das-alter-tut-ihm-gut-auch-mit-83-jahren-zeigt-dieter-hildebrandt-im-stadttheater-lindau-politisches-kabarett-auf-hoechstem-inhaltlichen-und-sprachlichen-niveau">
    <title>Das Alter tut ihm gut - Auch mit 83 Jahren zeigt Dieter Hildebrandt im Stadttheater Lindau politisches Kabarett auf höchstem inhaltlichen und sprachlichen Niveau</title>
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    <description>Scharfsinnig wie immer, aber weniger eifernd als in mancher ARD-„Scheibenwischer“-Sendung begeistert Dieter Hildebrandt mit seinem Programm „Ich kann doch auch nichts dafür“. Spielerisch baut er tagesaktuelle Ereignisse ein, spannt den Bogen von den Niederungen bayerischer Innenpolitik bis zum Krieg in Libyen. Die deutsche Bundesregierung, allen voran Kanzlerin und Außenminister, bleibt eines seiner Lieblingsthema. Aber auch vor sich selbst macht sein Spott nicht halt. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Die erste Pointe ist gleich eine gewagte. „Ich danke Ihnen, dass Sie sich im reichen Kulturleben von Lindau ausgerechnet diesen Abend mit mir ausgesucht haben“. So beginnt Dieter Hildebrandt sein rund zweistündiges Programm im ausverkauften Stadttheater Lindau. Ironie und Spott wenden sich bald ernsteren Themen zu, das Augenzwinkern aber bleibt. Und der Eindruck verfestigt sich: Wo er früher, gerade bei seinen Fernseh-Auftritten, arg eiferte und man ihm zurufen wollte: „Mensch, jetzt schalte doch mal einen Gang zurück!“, ist Hildebrandt heute milder, weniger aggressiv – ohne dabei in der Schärfe seines Urteils nachzulassen. Mit 83 Jahren wirkt er weiterhin auf der Höhe seines Schaffens.</p>
<p><b>Der Mann hat noch eine Menge zu sagen</b></p>
<p>Die Politik, vor allem in seiner bayerischen Wahlheimat, liefert ihm einfach immer noch so viel Stoff, dass er sich unmöglich zur Ruhe setzen und in die Rolle des verständnislosen, aber stillen Beobachters wechseln könnte. Der Mann hat einfach noch etwas zu sagen, und zwar noch eine ganze Menge. Immer wieder im Fokus: Die FDP mit ihren Hauptdarstellern Guido Westerwelle im Außen- und Rainer Brüderle im Wirtschaftsministerium. Letzteren bezeichnet er als den aktuell wertvollsten Politiker für Kabarettisten. „Brüderle ist ein sehr begabter Komiker. Er ist ein Sprachrohr seiner eigenen Verwirrung“, hat er vor kurzem in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu Protokoll gegeben. Aber auch „Renten-Uschi“ von der Leyen kommt nicht gut weg; von der Kanzlerin ganz zu schweigen.</p>
<p><b>Linker Kritiker im CSU-Land Bayern</b></p>
<p>Seit über vierzig Jahren lebt der gebürtige Niederschlesier in Waldperlach, am Stadtrand von München. Daher steht für ihn, zumal er sich auch als „SPD-Sympathisant“ bezeichnet, die bayerische Landespolitik der CSU im Fokus. Dem Ministerpräsidenten Seehofer wirft er beispielsweise eine künstlich christliche Haltung vor: „Der heilige Horst hat doch immer zum Beten einen Kameramann dabei. Der frömmelt doch in die Kamera.“ Doch neben einzelnen Protagonisten stört sich Hildebrandt mehr noch an grundsätzlichen, allgemeinen Verlogenheiten in der Politik.<br />Immer wieder entlarvt er hohle Phrasen. „Es ist richtig, wenn Politiker immer wieder behaupten: `Der Mensch ist Mittelpunkt.´ Falsch ist nur die Schreibweise. Gemeint ist: `Der Mensch ist Mittel. Punkt.´ Hier zeigt sich auch seine einzigartige Kunstfertigkeit im Umgang mit der deutschen Sprache. Er springt gedanklich oft um mindestens eine Ecke - das Publikum macht gerne mit und springt hinterher.</p>
<p><b>Sympathisch selbstironisch</b></p>
<p>Glaubwürdig und sympathisch wird Hildebrandt vor allem daher, weil er sich selbst und sein fortgeschrittenes Alter auf die Schippe nimmt. So denkt er einmal laut darüber nach, was passieren würde, wenn er bei Google Street View sein Haus schwärzen würde: „Wenn ich das tue, dann wissen doch die Einbrecher: Da ist was zu holen. Und wenn ich es lasse, dann kommen die Fans. Ach was – die sind heute auch nicht mehr so gut zu Fuß.“ Oder auch, wenn er ohne Brille bei der Zeitungslektüre die falschen Schlüsse zieht und er beispielsweise bei der Berichterstattung zur Wahlschlappe der CDU in Baden-Württemberg „Waschlappen der CDU“ entziffert. Zum Schluss des Programms – die Zuschauer lassen ihn erst nach zwei weiteren Zugaben gehen – versucht sich der Grimme-Preisträger in einer völlig ungewohnten Rolle und stimmt den „Rentner-Rap“ an.</p>
<p><b>In eigener Liga</b></p>
<p>Mit „Substanz entscheidet“ hat einmal das Düsseldorfer Handelsblatt für sich geworben. Dieser Claim könnte auch das Programm von Dieter Hildebrandt zusammenfassen. Sowohl was die Fülle seiner behandelten Themen, als auch deren sprachliche Umsetzung angeht, kann ihm wohl kaum ein Kollege das Wasser reichen. Er spielt ganz offensichtlich in einer eigenen Liga. Apropos Fußball: Dieses Thema streift er nur kurz, lässt es bei einigen Spitzen gegen selbst ernannte Fußball-Philosophen bewenden. Wahrscheinlich ist das Thema für ihn, einen großen Fan von 1860 München, das momentan gewaltige finanzielle Probleme hat und auf die Hilfe des großen FC Bayern angewiesen ist, einfach zu schmerzhaft. In jedem Fall widerlegt er den Titel des Abends im besten Sinne: Er kann doch sehr viel dafür – für das Vergnügen seines Publikums.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-05-12T06:40:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/unsterbliches-vergnuegen-im-ristorante-immortale">
    <title>Unsterbliches Vergnügen im Ristorante Immortale</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/unsterbliches-vergnuegen-im-ristorante-immortale</link>
    <description>Seelax Festival: Die Familie Flöz begeistert und berührt mit ihrem Maskentheater das Publikum im Freudenhaus. Für die weiteren Vorstellungen am Freitag und Samstag sind noch Restkarten an der Abendkasse erhältlich.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Auf einmal steht sie mitten im Publikum, die Show beginnt. Mit einer Gesichtsmaske, die wie bei ihren vier Kollegen zwar grob gefertigt, aber dennoch fein nuanciert wirkt, steht Ilka Vierkant in ihrer Rolle als Köchin zwischen den Zuschauern, die sich gerade noch Wein und Brötle von der Bar geholt haben und erst allmählich ihre Plätze einnehmen. Die Köchin schert sich nicht groß drum, dass noch nicht alle bereit sind und beginnt auf ihrem Akkordeon zu spielen. Dieses Lied sollte den ganzen Abend begleiten – sie ist für die Musik zuständig, spielt zudem noch Congas, wenn sie nicht gerade als Köchin gefordert ist.<br />Wobei – streng genommen ist sie das eigentlich nie. Denn zu kochen gibt es nichts: Kein einziger Gast besucht das Ristorante Immortale. Wie das Personal mit dieser (häufig unfreiwillig komischen) Situation umgeht, das zeigt das fünfköpfige Ensemble der Familie Flöz an diesem Abend auf stumme und umso eindrücklichere Weise.</p>
<p><b>Stark gezeichnete Figuren</b></p>
<p>Da ist einerseits der junge, unbedarfte Lehrling, dessen hilflose Tollpatschigkeit immer wieder für Lacher sorgt. Der alte Ober, fast schon Teil des Inventars wie die Holzmöbel und der defekte Springbrunnen, steht mehr als einmal mit seinem gepackten Koffer am Ausgang –  und bringt es dann doch nicht über das Herz zu gehen. Der eitle Oberkellner, der am liebsten im Silbertablett den tadellosen Sitz seiner Frisur überprüft, und der Chef, dem auch nicht viel mehr einfällt, als seine Angestellten mit hartem Umgangston zu disziplinieren – sie alle sind auf ihre individuelle Weise einsam und versuchen eindringlich, ihrem (Nichts-)Tun einen Sinn zu geben. Traum und Wirklichkeit verwischen dabei ein ums andere Mal vor den Augen des faszinierten Publikums. Klamaukige und berührende Szenen wechseln sich nahtlos ab.</p>
<p><b>Internationaler Pool von Theaterschaffenden</b></p>
<p>Familie Flöz, 1996 von Absolventen der Folkwang Universität der Künste in Essen gegründet, feierte mit diesem, ihrem zweiten Stück den internationalen Durchbruch. Paco Gonzalez (als alter Ober), Björn Leese (Lehrling), Hajo Schüler (Oberkellner), Michael Vogel (Chef) und Ilka Vierkant haben für ihre Produktion einige renommierte Preise gewonnen, beispielsweise beim Edinburgh Fringe Festival 2001. Aus dieser Gründungsmannschaft ist ein internationaler Pool von Theaterschaffenden mit Sitz in Berlin geworden: „Schauspieler, Musiker, Tänzer, Regisseure, Maskenbauer, Lichtdesigner, Kostümbildner, Regisseure, Dramaturgen und andere gute Seelen aus 10 Nationen“, wie sie auf ihrer sympathischen Homepage schreiben.</p>
<p><b>„Perfekt choreografiertes Chaos aus Slapstick und Poesie“</b></p>
<p>Willi Pramstaller ist mit der Verpflichtung dieser Gruppe ein Coup gelungen. Zum Seelax-Festival ist die Familie Flöz mit der kompletten Originalbesetzung gekommen. Es fiele schwer, einen der fünf herauszuheben. Eine der großen Stärken des Ensembles liegt in seinem blinden Verständnis untereinander, das besonders deutlich wird, weil die Worte fehlen. Doch dieses scheinbare Manko drehen sie zu einem Vorteil: Worte würden bei ihrem Auftritt tatsächlich nur stören. Ein Zitat von Pablo Picasso beschreibt die Wirkung des Stücks am besten: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“.<br />Unwiderstehlich ziehen die Darsteller die Zuschauer für die rund 80 Minuten Spieldauer in ihren Bann, „entstauben“ ihr Publikum, um in diesem Sprachbild zu bleiben. Auch der Zürcher Tagesanzeiger konnte sich der besonderen Magie dieses Stückes nicht entziehen und schwärmte einst von einem „perfekt choreografierten Chaos aus Slapstick und Poesie.“</p>
<p><b>Weitere Vorstellungen am Freitag und Samstag</b></p>
<p>„Immortale“, unsterblich heißt das Restaurant, der Schauplatz dieser Tragikomödie – sofern eine solche klassische Zuschreibung überhaupt dem Stück gerecht werden kann. Auf unsterbliches Vergnügen kann sich der Zuschauer in jedem Fall freuen. Und die gute Nachricht für die Aufführungen am heutigen Freitag und morgigen Samstag, Beginn jeweils 21 Uhr: Es sind noch einige Karten übrig. Also nichts wie hin!</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-05-06T11:23:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/helge-schneider-hinterlaesst-beim-seelax-festival-gemischte-gefuehle">
    <title>Helge Schneider hinterlässt beim Seelax-Festival gemischte Gefühle</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/helge-schneider-hinterlaesst-beim-seelax-festival-gemischte-gefuehle</link>
    <description>Er ist und bleibt einer der kreativsten, wahnsinnigsten und multi-talentiertesten Künstler des deutschsprachigen Raumes. Im Kreis seiner sehr starken Begleitband fühlt sich Helge Schneider, die selbsternannte „singende Herrentorte“, unübersehbar wohl. Das ist auch an diesem Abend im Festpielhaus Bregenz nicht anders. Doch nach einem funkensprühenden Auftakt lässt er in der zweiten Hälfte des Programms „Buxe voll“ leider zu wünschen übrig, verliert sich in Beliebigkeit und Endlos-Songs.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Nein, auf die meisten seiner Künstler-Kollegen scheint Helge Schneider nicht sehr gut zu sprechen zu sein. Kaum einer, der bei seinen mal geistreichen, mal platten Scherzen ungeschoren davon kommt: Ob er Udo Lindenbergs Nuscheln parodiert, sich über die (überschaubare) Körperlänge von Peter Maffay oder Chris de Burgh lustig macht oder Michael Jackson mit einem unbeholfenen Moonwalk imitiert – das Publikum im fast ausverkauften Bregenzer Festspielhaus amüsiert sich prächtig. Solche Scherze auf Kosten von Dritten könnten bei anderen arrogant oder bösartig wirken. Helge Schneider hingegen kann sie sich so gut erlauben wie wohl kaum ein Zweiter. Seine eigene Position steht dabei außer Frage: Er, der so viele Facetten vereint, bewegt sich selbst jenseits der klassischen Rollen. Das macht ihn so unverwechselbar und auch so immun gegen (gute) Parodien anderer.</p>
<p><b>„Wir leben auch in albernen Zeiten“</b></p>
<p>Er erzählt von seinem Volkshochschulkurs „Backen ohne Mehl“, macht die derzeit schweren Zeiten am Tod des Berliner Eisbären Knut fest und bekennt angesichts von Songtiteln wie „Hast du eine Mutter, hast du immer Butter“ durchaus überraschend: „Ich singe Lieder mit sozialkritischem Hintergrund“. Mit „asozialkritischem Hintergrund“; wie er umgehend ergänzt. Es sind eben alberne Zeiten, wie er selbst sagt. Kritiker haben Schneiders Stil, der zu großen Teilen von Improvisation lebt, als „Antikomik“ beschrieben; die sich durch Respektlosigkeit, kindischen Unsinn und das Vermischen von Banalem mit Anspruchsvollem auszeichne.</p>
<p><b>Schräge Mischung im Programm und auf den Rängen</b></p>
<p>Umso erstaunlicher, dass ein Künstler, der derart schräge Auftritte zeigt, stets an der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn, dennoch eine Art „Everybody´s darling“ ist; ein Künstler, auf den sich viele einigen können. Das zeigt auch die bunte Mischung des Publikums an diesem Abend – von acht bis achtzig Jahren, vom furchterregend tätowierten Punker bis zum seriösen Geschäftsmann, der sich zur Feier des Tages einmal den saloppen Look, ganz ohne Krawatte gönnt, – und das zeigt der Veranstaltungsort selbst: Das „Freudenhaus“ genannte Zelt auf dem Platz der Wiener Symphoniker ist die eigentliche Heimstätte des Seelax-Festivals. Wegen der großen Nachfrage bei Helge Schneider wurde dieses Konzert aber als einziges der Veranstaltungsreihe ins Festspielhaus verlegt.</p>
<p><b>Fantastische Musiker</b></p>
<p>So unterschiedlich seine Scherze ankommen mögen, zu den musikalischen Fähigkeiten von Helge Schneider – und erst recht zu denen seiner Band – gibt es keine zwei Meinungen. Schneider selbst zeigt an Piano, Hammond-Orgel, Keyboard und Vibraphon, warum ihn der Bundesverband Klavier 2008 zum Klavierspieler des Jahres ernannte. Vibraphon und Trompete beherrscht er ebenso mühelos wie spielfreudig. Sandro Giampietro glänzt an sämtlichen Gitarren, die er spielt, Bassist Rudi Olbrich sieht und hört man sein Alter (laut Schneider „91 oder 76 Jahre“) keinesfalls an, und Willi Ketzer gibt am Schlagzeug souverän den Takt vor. Bemerkenswert ist das blinde Verständnis des Quartetts: Egal, wie lange Schneider während eines Songs – oder auch zwischen zwei Titeln – abschweift, seine Musiker sind jedes Mal sofort zur Stelle; gerade so, als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben.</p>
<p><b>Überragend gestartet, dann deutlich nachgelassen</b></p>
<p>Die erste Hälfte des Konzerts ist überragend: Die Band jazzt groß auf, Schneider wechselt vom Schlagersänger mit dunklem Timbre und „Hunderttausend Rosen“ (so auch der Titel der öligen Ballade) zur Jazztrompete und einem Stück, das an Louis Armstrong erinnert. Als Zuschauer weiß man manches Mal gar nicht, ob man noch über die letzte Pointe lachen oder bereits über die nächste musikalische Top-Leistung staunen soll. Meistens einfach beides. Nach der Pause aber scheint die Band leider ihr Pulver bereits zu großen Teilen verschossen zu haben: Zu langatmig, zu ähnlich sind die Songs zum Ende des zweistündigen Sets. Und so bleibt der Protest des Publikums zurückhaltend, als Helge Schneider ihm nach einer Zugabe folgende Zeilen mit auf den Heimweg gibt: „Ich dichte gern, ich dichte schlecht / Und nun, ihr Leute, muss ich wecht“.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-05-02T15:17:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/charmant-unperfekt-201emalediva201c-die-schwulen-musik-kabarettisten-aus-berlin-begeisterten-am-spielboden">
    <title>Charmant unperfekt - „Malediva“, die schwulen Musik-Kabarettisten aus Berlin, begeisterten am Spielboden Dornbirn</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/charmant-unperfekt-201emalediva201c-die-schwulen-musik-kabarettisten-aus-berlin-begeisterten-am-spielboden</link>
    <description>Mit vielen Vorschusslorbeeren waren sie nach Dornbirn gekommen: Kleinkunstpreise am laufenden Band, Lobeshymnen in den Feuilletons, gut besuchte Konzerte. Und Lo Malinke, Tetta Müller und Florian Ludewig (Piano) zeigten an zwei Abenden am Spielboden, dass ihnen ihr guter Ruf zu Recht vorauseilt.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Diese Situation kennt wohl jeder, egal ob homo- oder heterosexuell: Freunde haben sich zum Essen angekündigt, in wenigen Stunden soll der gemeinsame Abend beginnen. Und die Stressfaktoren bis dahin sind zahlreich: Welcher Hauptgang (ist wirklich Kaninchen die richtige Wahl für alle?), welcher Wein – und am wichtigsten: Was ist überhaupt die richtige Sitzordnung? Kratzen sich nicht vielleicht Schwiegermutter und die beste Freundin die Augen aus?</p>
<p><b>Bissige Dialoge mit Wiedererkennungswert</b></p>
<p>Diese erste Szene ist der Rahmen für „Die fetten Jahre“, das neue Programm von "Malediva". Hinter diesem Pseudonym verbergen sich zwei Partner, die auch privat unzertrennlich sind: Tetta Müller und Lo Malinke aus Berlin. Dazu begleitet sie ihr langjähriger Freund Florian Ludewig am Piano. Und das tut er gleich virtuos, als die vor Wortwitz sprühenden Dialoge in den ersten Song münden: „Fremde Leute In Deiner Wohnung“. Mit Bissigkeit spart der für die Texte zuständige Malinke dabei nicht: „Du glaubst doch nicht, dass diese Leute nur kommen, um mit uns zu essen / Die woll´n doch als erstes ´ne Tour durch die Wohnung und dann wird jeder Winkel vermessen / Und sie schwören auf Jacques´ Weindepot, weil sie nur Jacques´ Weindepotweine trinken / Besuch ist wie Fisch auf der Heizung: Er fängt ziemlich schnell an zu stinken.“</p>
<p><b>Große Herzenswärme</b></p>
<p>Die beiden 40 Jahre alten Künstler halten sich und ihrem Publikum manchmal unbarmherzig, meistens aber augenzwinkernd den Spiegel vor. Dass ihnen die ZuschauerInnen manche Provokation nicht krumm nehmen, liegt an zwei Faktoren: Zum einen nehmen Malinke und Müller vorzugsweise sich selbst aufs Korn, zum anderen lassen sie immer eine große Herzenswärme spüren; egal, wie sehr gerade die „Wort-Pfeile“ fliegen. <br />Sie platzen fast vor kindlicher Spielfreude. Zwar verpassen sie manchen Einsatz oder lassen Ludewig minutenlang weiter das Intro spielen, das schon längst in den Hauptteil hätte übergehen sollen. Hier und da bringt der eine auch den anderen aus dem Konzept, weil er sich mitten in einem Lied einen direkten Kommentar nicht verkneifen kann. Das ist manchmal etwas zu viel des Guten – doch ihre Darstellung bleibt stets unprätentiös und charmant. Das Publikum dankt es ihnen immer wieder mit Szenenapplaus.</p>
<p><b>Improvisationsfreude</b></p>
<p>Im zweiten Teil lässt die Lacher-Dichter etwas nach, jedoch auf höchstem Niveau. Die Improvisationsfreude bleibt konstant; immer wieder flechten die Beiden kleine Anekdoten ein, um sich und ihr Publikum zu unterhalten. Da ist auch der nachmittägliche Friseurbesuch des Pianisten nicht vor Spott sicher. „Florian war vor der Show noch bei einem Laden namens Top Hair“, witzelt Müller, „ich vermute ja, dass der Salon so heißt, weil sie dort keine Schamhaare machen.“</p>
<p><b>Von Kummer und Kümmerling</b></p>
<p>Die leisen Töne sind an diesem Abend seltener, aber dafür intensiver. Dass sie Romantiker sind, können und wollen die beiden nicht verhehlen. So singen sie beispielsweise Zeilen wie „Ich will dein Kummer und dein Kümmerling sein… / Ich will dein Einzel- und dein Doppelkinn sein“. Melancholischer Höhepunkt gegen Ende der rund zweistündigen Show ist „Der Tag, an dem Du fortgehst“. Von einer Sekunde auf die andere schaltet das Trio um: Das Licht wird blau, die Stimmung auch.<br />Und wie endet der Abend eigentlich? So, wie er begonnen hat – in Zweisamkeit, nachdem sämtliche Freunde abgesagt haben. Malinke als Chefkoch hat großzügig gerechnet und zwei Kaninchen pro Gast kalkuliert. Nun sind 18 gebratene Tiere übrig, mindestens 14 zu viel. Doch mit solchen Banalitäten will sich das Pärchen jetzt gar nicht abgeben. Sie entscheiden spontan, schick essen zu gehen – und Ärger und Konventionen zuhause zu lassen.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Thorsten Bayer</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-04-02T16:13:13Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/die-drei-friseure2010">
    <title>„We are the World“ – „Die drei Friseure“ sorgten mit ihrem neuen Program in der Harder Kammgarn für Lachstürme</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/kleinkunst-kabarett/die-drei-friseure2010</link>
    <description>In der ausverkauften Harder Kulturwerkstatt Kammgarn präsentierten „Die drei Friseure“ ihr neues Programm. Wie schon mit „Superhorror“ bieten Daniel Amann, Stefan Beer und Bernhard Widerin auch mit „We are the World“ Musik-Trash-Kabarett, das mit Wortspielereien, ironischer Brechung von Hits sowie aktuellen Anspielungen die Lachmuskeln des Publikums strapaziert.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Wie sie auf ihrer ersten CD selbst gestehen, geben sich „Die drei <span class="highlightedSearchTerm">Friseure</span>“  mit ihren Songs und Programmen nicht allzu viel Mühe. Statt lange zu  proben und alles exakt zu planen, vertrauen sie lieber auf Improvisation  – oder lassen gleich das Publikum arbeiten. Das bekam man in der Harder  Kulturwerkstatt Kammgarn sogleich zu spüren. Kaum hatte man Platz  genommen, wurde einem auch schon von Madame Dubois alias Fabienne Gilet  ein Wunschzettel in die Hand gedrückt, den man gefälligst auszufüllen  hatte. Nicht genug damit, wurde man in der Pause dann auch noch  aufgefordert, den bei anspruchsvollen Veranstaltungen mit  Bildungscharaker – zu diesen gehören die Auftritte der „Drei <span class="highlightedSearchTerm">Friseure</span>“ unbestritten - einen Evaluationsbogen auszufüllen.<br /><br /><b>Lustvolle Improvisation</b><br /><br />Von der Bühne winkt eine goldene Maneki Neko Katze, die den "Drei <span class="highlightedSearchTerm">Friseure</span>n"  wohl einen erfolgreichen Abend garantieren sollte. So ein Maskottchen  braucht man wahrscheinlich schon, wenn man als Künstler zu Beginn des  Programms selbst noch nicht genau weiß, was denn eigentlich abgehen wird  und sich aufs Improvisieren verlässt. Gerade das beherrschen „Die drei <span class="highlightedSearchTerm">Friseure</span>“  aber großartig. Wie hier der eine dem andern ins Wort fällt, wie nie  klar ist, was Absicht und was Versehen oder Panne ist, ist ein großes  Vergnügen zu verfolgen. Wunderbar aufeinander eingespielt sind Daniel  Amann alias Mc Katz, Stefan Beer alias Dr. Love und Bernhard Widerin  alias Barbasacco. Man spürt, welchen Spaß sie am Auftritt haben, nichts  wirkt hier retortenhaft, vieles dafür aus dem Augenblick geboren. Kein  Abend gleicht folglich dem anderen, stets darf man auf Überraschungen  gespannt sein.<br />Als Wiedervereinigungstour einer zerstrittenen Band  legt das Trio das neue Programm „We are the World“ an, und geben auch  Einblick in die Ursachen der vorübergehenden Trennung: Nicht nur Dr.  Loves Schielen auf eine Solokarriere führten zum Bruch, sondern auch  dass Mc Katz´ Pyjama durch falsche Pflege ruiniert wurde.<br /><br /><b>Ironische Brechung von Bekanntem</b><br /><br />Und  zwischen diesen privaten Differenzen gibt es jede Menge Musik und auch  die Lachmuskeln strapazierende Wortspielereien. Nicht nur Hits von  „Summer of 69“ bis „With a little help from my friends“ werden in einem  Song verquirlt, sondern Dr. Love darf auch Cat Stevens „Father and Son“  vortragen, bis Mc Katz und Barbasacco sich einmischen und eine Wendung  in die legendäre „Goldteefix-Teekessel“-Werbung einleiten.<br />Immer wieder sorgen solche Brüche und Variationen von Hits für Lacher, aber "die drei <span class="highlightedSearchTerm">Friseure</span>"  spielen auch bei ihren eigenen Songs damit, wenn sie bei ihrem  „Lawinen-Lied“ „Winterzauberland“ nicht mit Seitenhieben auf „Bill  Jerry“ (Reinhold Bilgeri) sparen. Aber auch klassische Liederabende  bekommen mit dem Stück „Ein Brünnelein“, der wie eine Reminiszenz an  "Die drei Tenöre", die Amann-Beer-Widerin zu ihrem Gruppennamen  anregten, ihr Fett ab, nicht besser geht es der Rap-Szene, wenn Mc Katz  zum Freestyle ausholt.<br /><br /><b>Hinreißende Wortspielereien</b><br /><br />Auch  die Tagesaktualität wird nicht ausgespart, wenn Bernhard Widerin  freimütig zugibt Teile des Programms, ja ganze Kapitel abgeschrieben zu  haben oder nach einem Gedichtvortrag nicht abtreten will und erklärt:  „Ich bleibe hier und sterbe hier als Märtyrer.“ Wenn so eine Truppe in  Hard auftritt, darf freilich auch der Kalauer „Hardchor – Hardcore“  nicht fehlen, aber auch sonst erweisen sich „Die drei <span class="highlightedSearchTerm">Friseure</span>“ als wahre Artisten im Umgang mit der Sprache.<br />Da  wird mit Fremdwörtern gespielt und Geschichten entwickelt, die ganz  harmlos und scheinbar sachlich bei den Inkas beginnen, bis bald daraus  die Imker werden, es um Honig geht und der Weg zu den Maya mit sich  daraus ergebenden Assoziationen nicht weit ist. Der sich daran  anschließende Song „El condor pasta“ tritt gegen diese Ausführungen in  den Hintergrund, in Erinnerung bleibt aber der bunte Fleckerlteppich und  die Indiomützen, mit denen das Trio Authentizität beschwört<br />Und wie  man aus dem heutigen Wörtersalat eine ganze Geschichte aufbauen kann,  wird aberwitzig und sich permanent steigernd an der  Internet-Beziehungsgeschichte zwischen Jury aus USBstickan und Heike aus  ROM gezeigt.<br />Purer Nonsense, aber immer auch ein lustvolles Spiel  mit dem Nonsense unserer Zeit, ihren Modeerscheinungen und ihren  Absurditäten, ist dieses neue Programm von „Die drei <span class="highlightedSearchTerm">Friseure</span>“, aber ungemein unterhaltsam, die Lachmuskel provozierend und einen ungetrübten Abend garantierend.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Walter Gasperi</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-02-25T00:00:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
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