Auf der musikalischen Straße des Südens - Renaud García-Fons und sein Quartett erwärmten im Rahmen der Reihe „Jazz&“ die Gemüter
Bereits im ersten Stück zeigte Renaud Garcia-Fons auf seinem fünfsaitigen Bass einen Teil seiner herausragenden Technik. Er eröffnete den Abend mit einem arabischen Maqam, das in arpeggierenden Klängen verdichtet wurde. Besonders beeindruckend war dabei die spezielle Bogentechnik des Kontrabassisten. So erklangen perkussive Tonmuster, die eher an eine arabische Oud oder an die Spielweise einer Berimbau erinnerten, als an einen Kontrabass. Dann versetzte der Musiker mit glasklar gesetzten Flageoletts die Zuhörenden ins Staunen. In höchsten Lagen begann der Kontrabass in schönsten Farben und Tonschattierungen zu singen. Kunstvoll verzierte Renaud Garciá-Fons die Tonlinien, verdichtete damit den Satz und erhöhte gleichzeitig das Tempo. Besonders die Übergänge von einem melodischen Klangfeld in ein anderes erhielten dadurch eine besondere Spannung. In allen Stücken umkreisten die Quartettmusiker Länder, vom arabischen Raum über Spanien nach Mittelamerika und sogar Anklänge an indische Musik waren zu hören.
Stimmungsbilder
Zeitspannen wurden musikalisch langsam durchschritten. Das Nachhören von musikalischen Gedanken und das Wirkenlassen von klangfarbenreichen Bildern imaginierten eine stimmungsvolle musikalische Reise im Kopf. Dies war besonders ausdrucksstark in „Cante del Barco“ nachvollziehbar, das mit einem Liegeton im Akkordeon als Grundlage für den Kontrabass begann. Dabei kosteten Renaud García-Fons und David Venitucci die Gegensätze zwischen Mikrotönen im Kontrabass und die diatonische Anlage des Akkordeons besonders aus. In einer großen Wellenbewegung fluteten sie die Musik und ließen sich vorwärts treiben. Dann spaltete David Venitucci auf seinem Akkordeon die Klänge in derart schnelle Patterns auf, dass in sich lebendige Gestalten entstanden.
In Szene gesetzt
Im ersten Set standen der Gitarrist Kiko Ruiz und Pascal Rollando am Drumset allzu sehr im Hintergrund. Doch als Kiko Ruiz endlich solistisch zu hören war, entfaltete er eine wunderbar entspannte Musik. Er gab jedem Ton seinen eigenen Stellenwert und spielte auf mehreren musikalischen Ebenen. Doch dies geschah mit einer bewundernswerten Leichtigkeit und zeigte die Individualität von Kiko Ruiz eindringlich. Auch Pascal Rollando, der sein Drumset mit Cájon, Udu Trommel, Bongos und Djembe bestückt hatte, setzte sich erst im zweiten Set in Szene. Mit seinem Spiel führte er die ZuhörerInnen mitten in Afrikas Dschungel, virtuos und mit Drive.


