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  <title>Tanz</title>
  <link>http://kulturzeitschrift.at</link>

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  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/radikale-koerperkunst-butoh-meister-ko-murobushi-sorgt-fuer-ein-eindrucksvolles-finale-des-201etanz-ist201c-festivals-am-spielboden">
    <title>Radikale Körperkunst - Butoh-Meister Ko Murobushi sorgt für ein eindrucksvolles Finale des „Tanz ist“ Festivals am Spielboden</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/radikale-koerperkunst-butoh-meister-ko-murobushi-sorgt-fuer-ein-eindrucksvolles-finale-des-201etanz-ist201c-festivals-am-spielboden</link>
    <description>Zeitgenössischer Tanz aus Japan scheint den Nerv der Vorarlberger Tanzinteressierten zu treffen, denn das von Günter Marinelli konzipierte „Tanz ist“ Festival am Dornbirner Spielboden war durchwegs sehr gut besucht. So konnte auch Ko Murobushi, der als lebende Legende der ursprünglichen Butho-Bewegung gilt und diese in Japan lange Zeit als zu avantgardistisch verschriene Kunstform mit großem Erfolg nach Europa brachte, seine aufwühlende Tanztheater-Performance „quicksilver“ vor vollem Haus präsentieren. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3>Nichts an Radikalität verloren</h3>
<p><br />Zu den Ursprüngen des Ende der 50er/Anfang 60er Jahre entstandenen Butoh gibt es verschiedene Theorien: man sieht ihn als radikale Ablehnung gleichermaßen der japanischen wie der westlichen Tanztradition, als Reaktion auf Hiroshima und Nagasaki, als künstlerische Ausdrucksform der antiamerikanischen Protestbewegung jener Zeit, aber auch als Kampfansage gegen die vom aufkeimenden Big Business diktierten Tendenzen in der japanischen Gesellschaft. Butho war in Japan jahrzehntelang eine Underground-Bewegung, und dass er bis heute an Radikalität nichts verloren hat, stellt Ko Murobushi eindrucksvoll unter Beweis.<br /><br />In einen dunklen Anzug gehüllt, das Gesicht mit Bandagen verbunden, erscheint er wie ein Zwischending aus Mumie und Zombie oder ein aus einem Friedrich Murnau-Film entsprungenes Monster – tatsächlich schöpft Butho ja auch aus dem Vokabular des deutschen Expressionismus und auch Antonin Artauds „Theater der Grausamkeit“ kommt einem in den Sinn. Schnell ist klar, dass hier keine Geschichte erzählt wird, Ko Murobushi geht es nicht um die Darstellung des Seins, sondern um das Sein selber. Den Großteil der fünfzig Minuten dauernden Performance bestreitet er dann fast nackt, den Körper und das Gesicht ganz in Silber getaucht. Er reduziert alles auf das Existenzielle, stülpt sein Innerstes nach außen, manchmal in schmerzhaften Aktionen. Er schlägt den Kopf auf den Boden, dass man es krachen hört, oder gegen eine große Blechplatte. Hier kommen Wut und Aggressionen durch, aber wirklich an die Nieren gehen diese unendliche Hilflosigkeit, dieses ständige Zittern, die schmerzhaften Verrenkungen und vergeblichen Versuche, auf die Beine zu kommen. Hier windet sich einer, dessen Schicksal schon besiegelt, dem der Tod gewiss ist, da kann er sich aufbäumen, wie er will.</p>
<h3>... vom Zuschauen zum Mitleben</h3>
<p><br />Aber „quick silver“ ist keine Performance, die man sich einfach so anschaut, geschweige denn, die man genießt. Ko Murobushi eröffnet mit seiner kompromisslosen, äußerst expressiven und kraftraubenden Kunst unendliche Denkräume und Assoziationsfelder in den Köpfen der Zuschauer. Bilder der eigenen Ängste und Unzulänglichkeiten, des Getrieben-Seins und Sich-Aufbäumens, des zehrenden Lebenskampfes mit unzweifelhaftem Ausgang flackern auf. Hier wird einem nichts geschenkt – außer einem erhellenden Einblick in die dunkle Seite des Daseins, die faszinierend ist, die man aber dennoch lieber wieder ganz schnell in den hintersten Winkel des Bewusstseins drängt oder besser gleich ins Unbewusste. „Tanz der Finsternis“ lautet die gängige Übersetzung für Butoh – wie wahr! Diese Urgewalt ist das pure Gegenteil von Illusion oder Ästhetik. Naturgeräusche statt Musik, einfachste aber wirkungsvolle Bühnenelemente und Beleuchtung. Hier lenkt nichts ab beim Blick auf Ko Murobushi – und auf sich selbst. Der frenetische Applaus am Ende bewies, dass sich die BesucherInnen der Einzigartigkeit dieses Erlebnisses bewusst waren.</p>
<p> </p>
<p class="callout">Veranstaltungstipp: Heute Samstag, 15.6., 20.30 Uhr, ist diese grandiose Performance von Ko Murobushi nochmals am Spielboden Dornbirn zu sehen. www.spielboden.at</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2013-06-15T11:36:20Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/ein-faszinierendes-opening-von-guenter-marinellis-initiiertem-201etanz-ist201c-festival-ging-gestern-abend-im-dornbirner-spielboden-ueber-die-buehne.-eine-symbiose-aus-klang-augenblick-und-koerper">
    <title>Ein faszinierendes Opening des von Günter Marinelli initiierten „Tanz ist“-Festivals ging gestern Abend im Dornbirner Spielboden über die Bühne - Eine Symbiose aus Klang, Augenblick und Körper </title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/ein-faszinierendes-opening-von-guenter-marinellis-initiiertem-201etanz-ist201c-festival-ging-gestern-abend-im-dornbirner-spielboden-ueber-die-buehne.-eine-symbiose-aus-klang-augenblick-und-koerper</link>
    <description>„Tanz ist“ steht heuer im Zeichen von Japan. Der multidisziplinäre Künstler Hiroaki Umeda zeigte zwei Stücke seiner eigens gegründeten Companie S20 „Duo“ und „while going to a condition“. „Es geht nicht um die Idee, sondern um Licht, Sound und Tanz“, so Günter Marinellis Worte bei der Einführung. Der volle Zuschauerraum, in dem auch eine Schulklasse zu entdecken war, zeigt die zunehmende Offenheit für den zeitgenössischen Tanz auch im ländlichen Raum. Am Ende: fünffacher Applaus!</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>Von außen nach innen</b></h3>
<p><b> </b></p>
<p>Mit „Misu“ sorgt die japanische Künstlerin AIKO Kazuko Kurosaki draußen im Hof für einen sinnlichen Auftakt des diesjährigen Festivals. Sie taucht ins Jetzt ein und erweckt mit ihrer Installation die Neugierde des Zuschauers auf ihr Stück „Nettó – kochendes Wasser“, das kommenden Mittwoch in Dornbirn zu sehen sein wird. Man möchte fast meinen, dass Kurosaki mit ihren schlichten japanischen Schuhen, dem schwarzweißen Gewand, dem umgedrehten Reiskorb auf dem Kopf und der gekoppelten Musik aus melodischen Klängen in eine Sphäre jenseits der Zeit eintaucht. Sie führt den Zuschauer von außen nach innen, und auf diesem Weg macht sich eine angenehme Ruhe breit, die den Augenblick an erste Stelle rückt. Hinter sich zieht die zeitgenössische Tänzerin ein großes Gefäß mit Wasser, in dem eine lange Glaspipette ruht; die Durchsichtigkeit lässt auf die Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit des Moments schließen. Wasser als Lebenselixier, doch zu Zeiten des Überflusses und des gegenwärtigen Hochwassers erinnert es viel mehr an den verschwenderischen Umgang damit und regt zum Nachdenken an. Kurosaki setzt das Element Wasser auf liebliche Weise in Szene und löst einen Fluss von Gedanken und Berührungen aus: das Leben als Daseinsform eines stetigen Wandels!</p>
<h3><b>Duo</b></h3>
<p><br />Hiroaki Umeda, ein Mensch mit vielen Begabungen, die in zwei ähnlichen, aber exzellenten Stücken zum Vorschein gekommen sind, ist trotz seiner Reduktion und Abstraktheit sehr ausdrucksstark und von fesselnder Berührung.</p>
<p>„Duo“ ist gezeichnet durch Mensch und Technik. Eine weiße Wand, zwei Individuen: Umeda als Mensch zum Angreifen und keine zwei Meter neben ihm seine Technologie-Version auf der Leinwand. Sie beginnen gemeinsam, synchron. Von einem gleichmäßigen Puls ausgehend, zersplittert er sich allmählich. Sound und Körper – zu Beginn noch aufeinander abgestimmt – finden ihre Unterschiedlichkeit nach und nach in Stopps und zeitversetzten Bewegungen. Auch durch Umedas schwarzes Kostüm, die weiße Fläche und seinen Schatten – der fast schon als 3. Figur mitagiert – entsteht ein Kontrast. Die Gegensätzlichkeit dieser zwei Individuen wird klar, und doch finden sie im darauffolgenden Moment wieder zueinander. Dadurch entsteht ein Irritationsmoment, der die Sinne des Zuschauers aktiviert und ihn mit gebanntem Auge dem Darsteller folgen lässt. Die Auflösung sowie die Verbindung von Mensch und Technologie stehen im Raum. Das Rauschen in den Klängen erzeugt Assoziationen von einer Flut und wirkt in gleicher Weise bedrohlich wie unscheinbar.</p>
<p>Hiroaki Umeda, der sich als Tänzer und Choreograph in „Duo“ dazu entschieden hat, mit seiner expressiven Bewegungssprache an ein und derselben Stelle im Raum zu bleiben, wirkt umso eindrücklicher, als am Ende auf der Leinwand ein Mann hereinspaziert, den Applaus entgegennimmt und seinerseits die Zuschauer und die Technik beklatscht. An die Stelle des Menschen tritt die Technologie.</p>
<h3><b>„while going to a condition“</b></h3>
<p><br />Umeda rückt im Vergleich zu „Duo“ weiter in den Raum vor. Das Bühnenbild, bestehend aus einer weißen Projektionsfläche und dem schwarz gekleideten Tänzer, scheint fast ident. Er steht auf einer Linie in der Mitte der Bühne, die zwei separaten Räume von vorher scheinen sich zu verbinden. Die Bühne ist dunkel. Von einem dumpfen Klangteppich getragen, bewegt sich Hiroaki mit geschlossenen Augen zu den leisen, aber doch fesselnden Tönen. Langsam dringt Licht von vorne ein, es folgt ein plötzlicher Ausbruch des Sounds. Die Visuals an der Projektionsfläche bilden abstrakte Räume aus Toren und Gassen. Der Tänzer steht in einem Feld, das mit ihm interagiert. Kurz erscheint der Gedanke, ob er wohl durch ein Portal in eine andere Sphäre gesogen würde. Die Bewegungen, Sounds und Visuals verdichten sich, werden schneller, intensiver, impulsiver und münden in einer Beschleunigung, die an einem gewissen Punkt nur noch in der Reduktion der Bewegung enden kann. Vom Stroboskoplicht getragen, den Augen einen Flash versetzend, bilden Figur, Linie und Position diverse Schichten und kumulieren zu einem Ganzen. An der Wand taucht nun die Farbe Blau auf, und Hiroaki Umeda steht plötzlich in einem blauen Rechteck am Boden. Der blaue Planet? Das Wasser? Das Ende mündet in den Anfang und somit in einen ewigen Kreislauf.</p>
<p> </p>
<p class="callout"><b>„Tanz ist“-Programm im Spielboden Dornbirn:<br /><br /></b>Samstag, 8. Juni: <br />19.45 Uhr AIKO Kazuko Kurosaki: Misu – Opening<br />20.30 Uhr HIROAKI UMEDA: Duo &amp; While going to a condition<br /><br />Dienstag, 11. Juni, 20.30 Uhr <br />Running Sushi, Tanz-Film<br /><br />Mittwoch, 12. Juni, 20.30 Uhr: <br />AIKO Kazuko Kurosaki: Nettó – Kochendes Wasser<br /><br />Donnerstag, 13. Juni, 19 Uhr: <br />Butoh-Abend mit KO Murobushi – Tanz-Workshop<br /><br />Freitag 14. &amp; Samstag, 15. Juni, 20.30 Uhr<br />KO Murobushi: Quicksilver<br /><br /><b>Infos &amp; Karten: </b>Tel. 05572 21933, spielboden@spielboden.at<br />www.spielboden.at</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Natalie Fend</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2013-06-07T12:15:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/besucherrekord-beim-201ebregenzer-fruehling201c-2013-saburo-teshigawara-zum-finale">
    <title>Besucherrekord beim „Bregenzer Frühling“ – Saburo Teshigawara  zum Finale</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/besucherrekord-beim-201ebregenzer-fruehling201c-2013-saburo-teshigawara-zum-finale</link>
    <description>7.949 BesucherInnen, nahezu 100 % Auslastung bei den vier Tanzproduktionen, 95 % beim Aktionstheater Ensemble – diese Zahlen bestätigen eindrucksvoll den hervorragenden Ruf des „Bregenzer Frühlings“ als hochkarätiges Tanzfestival mit Ausstrahlung in den gesamten Bodenseeraum. Denn 45 % der Besucher kamen heuer aus Deutschland und 5 % aus der Schweiz und aus Liechtenstein ins Bregenzer Festspielhaus. Erfreulicherweise kommen diese bemerkenswerten Zahlen nicht durch ein quotensteigerndes Schielen auf eine breite Massenwirksamkeit zustande, sondern auf einem äußerst anspruchsvollen Niveau, das auch Tanzerlebnisse wie jenes mit Saburo Teshigawara + Karas beinhaltet, das für manche Tanzbegeisterte eine besondere Herausforderung war.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>„SKINNERS – dedicated to evaporating things“ heißt die 80-minütige Performance des vielfach ausgezeichneten, japanischen Tanzgenies Saburo Teshigawara und seines Ensembles Karas, das zum Abschluss des „Bregenzer Frühlings“ die Österreichpremiere feierte. Zur rasanten Klaviermusik von György Ligeti und dazwischen gestreuten noisigen Synthesizer-Klängen von Akira Oishi versuchen Saburo Teshigawara, die herausragende Rihoko Sato und vier weitere TänzerInnen zur Essenz der Bewegung vorzudringen, wobei sie nicht <i>zur</i>, sondern <i>die</i> Musik tanzen. Konvulsivisches Zittern, als ob sie unter Strom stehend sich aufbäumen würden – das ist eine immer wiederkehrende zentrale Chiffre, die von den Tänzerinnen auf verschiedenste Weise durchdekliniert wird. Eine Art tänzerischer Meditation, mitunter auch im Höchstgeschwindkeits-Modus.</p>
<p>„Skinners“ ist ein extrem puristisches Tanzereignis, das von einem bühnenhohen, blütenweißen, mitunter im Wind wehenden Vorhang abgesehen auf große Bühnenbildeffekte oder überbordendes Lightdesign verzichtete und sich gänzlich auf die Akteure verließ: der Ton und die Bewegung, das war’s im Wesentlichen. Manchmal vielleicht etwas spröde, letztlich aber auch sehr beeindruckend, weil extrem auf das Wesentliche fokussiert, ohne jegliches behübschendes Beiwerk.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2013-05-26T18:12:50Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/breakdance-trifft-auf-taiwanesische-tradition-stehende-ovationen-fuer-mourad-merzoukis-compagnie-kaefig-und-201eyo-gee-ti201c-beim-201ebregenzer-fruehling201c">
    <title>Breakdance trifft auf  taiwanesische Tanzkunst - stehende Ovationen für Mourad Merzoukis Compagnie Käfig  und „Yo Gee Ti“ beim „Bregenzer Frühling“</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/breakdance-trifft-auf-taiwanesische-tradition-stehende-ovationen-fuer-mourad-merzoukis-compagnie-kaefig-und-201eyo-gee-ti201c-beim-201ebregenzer-fruehling201c</link>
    <description>Der vierzigjährige Franzose mit algerischen Wurzeln Mourad Merzouki hat eine außergewöhnliche und steile Karriere hinter sich: vom Kinderzirkusartist, über den jugendlichen Breakdancer und Leiter einer Hip-Hop-Schule in Lyon, bis zum international gefeierten Choreographen, Compagnie-Chef und künstlerischen Leiter des Centre Chorégraphique National de Créteil et du Val-de-Marne (CCN) in Paris – und letztes Jahr wurde er sogar zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. Nun konnten auch die zahlreichen Tanzinteressierten aus der gesamten Bodenseeregion im Rahmen des „Bregenzer Frühlings“ im ausverkauften Festspielhaus in die Merzouki-Begeisterungswelle eintauchen.
</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3>Auf unkonventionelle Weise Gegensätze zusammenbringen</h3>
<p><br />Mourad Merzouki liebt es, Gegensätze zusammen zu bringen, sowohl von den Ethnien als auch von den Tanzstilen her. So kombinierte er schon höchst erfolgreich Breakdance mit klassischem Tanz oder mit der brasilianischen Kampfkunst Capoeira – und nun lässt er fünf Akteure seiner Compagnie Käfig auf fünf taiwanesische TänzerInnen treffen. Das faszinierende an dieser unkonventionellen Stilmischung ist die Nahtlosigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der die unterschiedlichsten Ingredienzien nebeneinander stehen und ineinander übergehen. Klassische Virtuosität, taiwanesische Tradition und die knackige akrobatische Frische des Breakdance stehen einander nicht diametral gegenüber, sondern ergänzen sich und potenzieren sich in ihren Wirkungen. Diese so noch nie gesehenen Kombinationen kommen völlig klischeefrei daher und verblüffen mitunter wie neue Vokabeln einer noch weiter zu erforschenden Tanzsprache. Vom unkonventionellen Pas de deux zu mitreißenden Ensemble-Partien, von elektrisierenden tänzerischen Eruptionen zu lyrisch verhaltenen Traumsequenzen – „Yo Gee Ti“ bezaubert in jeglicher Hinsicht. Selbst der Humor hat seinen Platz, wenn Mourad Merzouki ausgerechnet die kleinste Chinesin auf den größten Breakdancer treffen lässt –  einen wesentlichen Teil ihres tänzerischen Dialog bestreiten sie mittels einer ausgefeilten Choreographie für Arme und Hände.</p>
<h3>Bühnenbild, Licht und Kostüme spielen wesentliche Rollen</h3>
<p><br />Aber auch die vom chinesischen Designer und Bühnenbildner Johan Ku entworfenen hängenden Skulpturen aus Rohwolle und die bühnenbreiten Wollstrick-Kaskaden sind weit mehr als bloße Dekoration. Sie liefern einen unglaublich variationsreichen Spielplatz der Phantasien und erzielen im Zusammenspiel mit Lichtdesign und Kostümen zauberhafte Wirkungen. Die emotionsgeladene Musik aus den Federn von Ludovico Einaudi, Marc Mellits und des Trio Joubran trägt gleichfalls einen wesentlichen Anteil zum genialen Meisterwerk bei. <br />Interessant wäre es noch zu erfahren, ob solch ein umwerfender Abend, der mit stehenden Ovationen endet, auch zu einem vermehrten Interesse des „Bregenzer Frühling“-Bildungsbürgertums für Backspins, Head Spins, Airflares, Windmills oder Freezes führt und sie einen Euro in die Snapback Cap werfen lässt, wenn sie ein paar Jungs in den Seeanlagen performen sehen. Oder braucht der Streetdance zur breiten Anerkennung doch die Adelung durch die geheiligten Hallen eines Festspielhauses?  <br /><br /></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2013-04-27T14:51:01Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/mit-201efans201c-fan-werden-vom-zeitgenoessischen-tanz">
    <title>Mit „FANS“ Fan des Zeitgenössischen Tanzes werden </title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/mit-201efans201c-fan-werden-vom-zeitgenoessischen-tanz</link>
    <description>Da hat die Vorarlberger Companie „Bewegungsmelder“ etwas Schönes angerichtet! Ihr Streifzug durch die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts wurde zu einer Einladung, sich mit Tanz im Allgemeinen und mit dem zeitgenössischen Tanz im Besonderen zu beschäftigen. Das alles auf eine äußerst humorvolle, informative und kurzweilige Art. Kurzkommentar einer tanzunkundigen TAK-Besucherin: „Ein toller Abend“. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Schon der Beginn amüsierte das Publikum. Der Schauspieler Romeo Meyer fragte: „Was fällt dir ein, wenn du das Wort Tanz hörst?“ Die Antworten kamen, als Ergebnis einer Straßenumfrage, vom Band: „Bewegung, Rhythmus, feeling, fun“.  Zum Begriff Bühnentanz waren dann Attribute zu hören wie „Theater ... Fest ... Tralala“ und zum zeitgenössischen Tanz kamen die Kommentare schon viel spärlicher: „Nie gehört ... auch schon gehört ... stell ich mir schwierig vor.“ Die Umfrage sollte dringend nach einem Besuch dieser Produktion wiederholt werden. Denn die „Bewegungsmelder“ machten klar, was Tanz bedeutet – und auch, dass er immer noch ein künstlerisches Nischendasein fristet.</p>
<h3><strong>Der Blick zurück</strong></h3>
<p>In einem kurzweiligen Rückblick stellte Romeo Meyer mit Hilfe von großflächigen Projektionen die wichtigsten Choreografen und ihre Produktionen seit dem Jahr 1900 vor. Die markantesten Neuerungen wurden jeweils live von den Tänzerinnen Claudia Grava, Pascale Staudenbauer und Aleksandra Vohl vorgeführt. Zu sehen waren Isodora Duncan (grandios majestätisch: Claudia Grava) mit ihren ausladenden Schritten und den Posen, die den Tanz zur religiösen Kunst erhoben. Aus Russland kam der revolutionäre Sergej Diaghilew, der zu den Werken von Debussy, Ravel oder Strawinsky tanzen ließ, dem Matisse und Picasso Kostüme und Bühnenbilder lieferten. Typisches Beispiel: „Der Nachmittag eines Fauns“ – hervorragend getanzt von Aleksandra Vohl, bei dem das Kostüm zum Körper wurde.<span> </span></p>
<h3><strong>Tanztheater der 30er-Jahre</strong></h3>
<p>In den 30er-Jahren lieferte der Deutsche Kurt Joos spannende Neuerungen wie die Choreografie „Der grüne Tisch“, die von den drei Tänzerinnen und dem Schauspieler eindrücklich vorgestellt wurde. Dazu rauschte die Musik von Fritz Cohen, als käme sie von einer alten Schallplatte.  Die Amerikanerin Martha Graham wurde liebevoll karikiert mit ihrer Forderung: „be realllll“, ihr Schüler Merce Cunningham vorgestellt mit seiner Improvisationskunst – bis dann die Rolling Stones donnerten: „I can´t get no satisfaction“. Die 60er-Jahre waren angebrochen, alles Bisherige wurde gesprengt. Aus dieser neuen Freiheit heraus kamen Pina Bausch und Anne Teresa De Keersmaeker.<span> </span></p>
<h3><strong>Ist das noch Tanz?</strong></h3>
<p>Von da an übernahmen die drei Tänzerinnen die Regie und zeigten, von welchem Choreografen sie Fan sind und warum. Da ging die Post so richtig ab. Ob bei der „Allee der Kosmonauten“ von Sasha Waltz, „Self Unfinished“ des Molekularbiologen Xavier Le Roy, der den Tanz wahrhaft auf den Kopf stellte, hinreißend interpretiert von Pascale Staudenbauer, oder beim unendlichen Hinfallen (Falling in love) von Dave St-Pierre – an diesem Abend allerdings nicht nackt getanzt! Der zeitgenössische Tanz war plötzlich das Normalste der Welt und zeigte keine Anzeichen von Schwierigkeiten. Auch nicht beim Publikum, das begeistert war. Es hatte den Generalschlüssel für diese Kunstsparte erhalten und hätte<span> diesen „FANS“ noch lange zuschauen mögen! </span></p>
<p><a href="http://www.bewegungsmelder.in">www.bewegungsmelder.in<br /></a></p>
<p class="callout"><strong>Weitere Aufführungen von „FANS“:</strong><br />31.01.2013, 10.00 Uhr, TAK Schaan (FL) | Schulaufführung<br />15.02.2013, 10.30 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch | Schulaufführung<br /> 15.02.2013, 19.30 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch<br /> 23.02.2013, 19.30 Uhr, Kulturhaus Dornbirn</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Anita Grüneis</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2013-01-30T22:34:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/faszinierend-und-verstoerend-zugleich-2013-chris-haring-liquid-loft-und-michel-blazy-entfuehren-beim-tanz-ist-festival-in-einen-alb-traumhaften-201ezaubergarten201c">
    <title>Faszinierend und verstörend zugleich – Chris Haring/Liquid Loft und Michel Blazy entführen beim tanz ist Festival in einen (alb)traumhaften „Zaubergarten“</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/faszinierend-und-verstoerend-zugleich-2013-chris-haring-liquid-loft-und-michel-blazy-entfuehren-beim-tanz-ist-festival-in-einen-alb-traumhaften-201ezaubergarten201c</link>
    <description>Chris Haring/Liquid Loft steuern seit Jahren grandiose Produktionen zu Günter Marinellis tanz ist Festival am Dornbirner Spielboden bei, die auch international auf große Begeisterung stoßen. Heuer steigern sie sich nochmals und sprengen gemeinsam mit dem französischen Objektkünstler Michel Blazy sowohl räumlich als auch inhaltlich alle bislang gewohnten Dimensionen. Wer den intelligenten Mainstream beim „Bregenzer Frühling“ genossen hat, sollte sich zur Vervollständigung seines Wissensstandes unbedingt dieses gleichermaßen spannende wie radikale Experimentierfeld des zeitgenössischen Tanzes ansehen.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3>Daseinsformen des Lebens</h3>
<p><br />Vorplatz, Eingangsbereich, Foyer, Probesaal, Galerie, Kino und natürlich großer Saal – das Spielboden-Areal ist großflächig zur Spielwiese geworden, die man sich erwandern muss. Skurrile Spaghettiblumen, mit Agar-Agar renaturalisierte Betonwände und Glasflächen, wuchernde Pilzlandschaften, stetig wachsende und vom Wind wieder verblasene Schaumskulpturen – der Spaziergang wird schnell zur Entdeckungsreise ins Ungewisse, bei der buchstäblich hinter jeder Ecke eine neue Überraschung wartet. Rasch nimmt das Ganze (alb)traumhafte, archaische Züge an, denn der „Perfect Garden“ ist wie das Leben selber – vom Samen zum eben erst sprießenden Keimling, von der perfekten Daseinsform zu den ersten Alterungserscheinungen, vom Tod bis zur Verwesung. In Blazys Objekten spannt sich dieser Bogen von phantastischen, mit Linsenkeimlingen bedeckten „Meteoriten“ bis zur verwesenden Melonenhälfte, die live gefilmt und auf  Kinoleinwanddimension vergrößert, offenbart, was normalerweise im Verborgenen bleibt, dass sie nämlich gerade in diesem Fäulniszustand neues Leben gebiert. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Melone oder der Broccoli wenig vom Menschen. Im KULTUR-Interview (Juni 2012) meinte Chris Haring im Vorfeld noch, „der Garten liegt irgendwo zwischen dem Kurort Oberlaa und  dem ‚Garten der Lüste’ von Hieronymus Bosch“ – mittlerweile hat sich der Schwerpunkt wohl klar auf Letzteres verschoben.</p>
<h3>Unkonventioneller Tanz zu unkonventionellen Tönen</h3>
<p><br />Die Tänzerinnen und Tänzer faszinieren erst einmal solistisch und in kleinen Gruppen über die Räumlichkeiten verteilt und finden sich zum großen Finale im Großen Saal ein. Musik im herkömmlichen Sinn ist eher die Ausnahme, stattdessen werden babylonisches Sprachengewirr, absurde Gesprächsfetzen, Schreie, Jammern und das ganze restliche Arsenal an menschlichen Lautäußerungen gesampelt, verfremdet und in Endlosloops über die Lautsprecher gejagt. Dieser originelle Soundtrack verlangt natürlich auch nach dementsprechend unkonventionellen Bewegungsmustern, die den Tänzerinnen und Tänzern mit verblüffender Leichtigkeit gelingen. Da knarren sich in der Umarmung wiegende Paare wie trockenes Holz, werden unverständliche Redeschwälle politischer Sonntagsredner gleich ins Publikum geschleudert und kurz einmal scheinen sogar paradiesische Zustände möglich zu sein. Im Finale finden sich dann alle im riesigen, transparenten Kubus in einem Dschungel aus Klebefäden wieder, mit denen sie mal zu kämpfen haben, die aber auch zur spielerischen tänzerischen Auseinandersetzung einzuladen scheinen. Der Mensch im Wirrwarr der für ihn nicht durchschaubaren Lebensfäden, wobei durch die Aufhebung jeglicher Grenze zwischen Publikums- und Bühnenbereich bloßes Zuschauen und Konsumieren kaum mehr möglich ist. Man ist mitten drin im „Perfect Garden“, der Zeit und Raum und die Vergänglichkeit aller Dinge auf spannende und augenscheinliche Weise demonstriert. Ein Erlebnis, das weit über eine übliche Tanzperformance hinausgeht.</p>
<p class="callout"><b>Es gibt nur noch eine Aufführung: </b><br />Samstag, 9.6., 20.30 UhrSpielboden Dornbirn<br />www.spielboden.at www.tanzist.at<br />Wer das versäumt, versäumt viel!<br /><br /></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2012-06-08T15:09:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/hightech-tanz-wayne-mcgregor-random-dance-beim-201ebregenzer-fruehling201c">
    <title>Hightech-Tanz - Wayne McGregor/Random Dance beim „Bregenzer Frühling“</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/hightech-tanz-wayne-mcgregor-random-dance-beim-201ebregenzer-fruehling201c</link>
    <description>Zum Auftakt beleuchten vier FackelträgerInnen einen fast schon traditionell anmutenden Pas de deux, wobei die Bewegungen zunehmend aus den gewohnten Mustern ausbrechen und schon angedeutet wird, was da in der nächsten Stunde alles auf die in Massen erschienenen „Bregenzer Frühling“-Fans zukommen wird. Denn Wayne McGregor und Random Dance wollen mit der vor eineinhalb Jahren uraufgeführten Produktion „FAR“ – nach Roy Porters Buch „Flesh in the Age of Reason“ – Licht in die Zusammenhänge der vermeintlichen Gegensatzpaare Körper und Geist, Kunst und Wissenschaft bringen.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3>Technoides Spektakel<br /><br /></h3>
<p>Eine riesige, rechteckige, weiße, mit Leuchtpunkten übersäte Lichtinstallation dominiert die ansonsten leere Bühne. Das Gehirn, die Schaltzentrale der Produktion? Jedenfalls gibt sie mit ihren exakten Leuchtmustern Stimmungen und Tempi vor. Weiß man um McGregors Interesse und aktive Teilnahme an der Erforschung kognitiver Prozesse und an der wissenschaftlichen Untersuchung künstlerischer Bewegungsabläufe, so eröffnet die Lichtinstallation Assoziationen zu Hirnströmungen, Nervenbahnen, Reizwahrnehmungen, Gedankenblitzen, Impulsen aller Art. Die passende Musik zu diesem etwas unterkühlt wirkenden technoiden Spektakel liefert der dreißigjährige in Australien geborene und in Island lebende Komponist, Musiker und einflussreiche Musikproduzent Ben Frost, der in der elektronischen Musikszene in etwas denselben Kultstatus genießt wie Wayne McGregor auf den Tanzböden dieser Welt. Nur selten setzt Frost Frauenstimmen im konventionellen Sinn ein, zumeist erfüllt er die Szenerie mit minimalistischen, noisigen Musikfragmenten, die sich in ihrer Intensität durchaus in unangenehme Hörbereiche steigern können.</p>
<h3>Außergewöhnliches Bewegungsvokabular</h3>
<p><br />Ein ideales Umfeld für die zehn Tänzerinnen und Tänzer, um solo, im Duo oder in kleineren Tanzformationen jenes Bewegungsvokabular auszubreiten, für das McGregor berühmt geworden ist. Die einzelnen Körperteile scheinen völlig ungewohnten Bewegungsmustern zu gehorchen: Verblüffende Verrenkungen, irrwitzige Verdrehungen und Verzerrungen verlangen von allen Akteuren eine perfekte, mitunter akrobatische Körperbeherrschung. Hightech also nicht nur bei Sound und Bühnenbild, sondern auch im Tanz. Man staunt und möchte vielleicht mehr über Wayne McGregors Forschungen erfahren, auf der Gefühlsebene kommt „FAR“ aber nicht wirklich an. Will es vermutlich auch gar nicht.<br /><br /></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2012-05-07T08:03:20Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/zauberhaftes-tanzduo-maria-pages-sidi-larbi-cherkaoui-begeisterten-beim-bregenzer-fruehling">
    <title>Zauberhaftes Tanzduo - Maria Pagés &amp; Sidi Larbi Cherkaoui begeisterten beim Bregenzer Frühling</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/zauberhaftes-tanzduo-maria-pages-sidi-larbi-cherkaoui-begeisterten-beim-bregenzer-fruehling</link>
    <description>María Pagés ist eine der prominentesten Erscheinungen im Flamenco-Business, Sidi Larbi Cherkaoui ging aus dem Stall von Les Ballets C. de la B. hervor und zählt mit seinen unterschiedlichste Kulturen, Religionen und Kunststile vereinenden Produktionen zu den interessantesten Choreographen der Gegenwart. Das ungleiche Paar demonstrierte bei der Österreichpremiere von „Dunas“ eindrucksvoll, dass sich die gekonnte Kombination von Gegensätzlichem durchaus befruchtend aufeinander auswirken und zu grandiosen Ergebnissen führen kann.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Aus relativ einfachen Mitteln wie elastischen und transparenten Stoffbahnen und einem ausgeklügelten Lichtdesign entstanden traumhaft schöne Bilder, die ein perfektes Spielfeld für die mannigfaltigen tänzerischen Mann-Frau-Erkundungen boten. Alles spielt sich in einer sonnendurchfluteten Wüstenwelt ab, in einer Welt voller Magie, in der durch interessante Spiegelungen, Schattenspiele und krasse Gegenlichteffekte verblüffend schöne Bilder entstehen. Buchstäblich in den Sand Gemaltes nimmt eine Zeitlang gefangen, um dann wie vom Winde verweht wieder der nächsten Sensation Platz zu machen. Und Sidi Larbi Cherkaoui sorgt mit seinem feinen Gespür für Komik und Ironie zuverlässig dafür, dass das Ganze nie ins nur noch Schöne, Geschmäcklerische abdriftet.</p>
<p>Beeindruckend ist auch, wie die Spanierin und und der marokkanisch-stämmige Flame in die Tanzwelt ihres Gegenübers eintauchen und aus diesen Erfahrungen tänzerischen Gewinn ziehen, Bewegungsvokabular austauschen und sich behutsam auf neue Experimente einlassen, ohne jedoch die eigenen Grundhaltungen aufzugeben. Unglaublich wie stimmig und geschmackssicher sich da zeitgenössischer Tanz und Flamenco wechselseitig inspirieren. Wesentlichen Anteil an diesem stimmungsvollen Abend haben auch der polnische Komponist Szymon Brzoska und der spanische Musiker Rubén Lebaniegos, die mit einer Mischung aus Flamenco, klassisch anmutender und arabischer Musik für den perfekten Soundtrack sorgten. Live perfekt dargeboten von Barbara Drzkowska (Klavier), Ana Ramón (Gesang), El Arabi-Serghini (Gesang) Fyty Carillo (Gitarre), David Moniz (Violine) und Chema Uriarte (Perkussion) hätte man mit diesen Stücken durchaus auch einen passablen Konzertabend bestreiten können.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2012-04-15T19:00:55Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/perfekt-getanzte-bilder-zu-liebe-leben-und-vergaenglichkeit-2013-das-nederlands-dans-theater-1-sorgt-fuer-fulminanten-auftakt-beim-201ebregenzer-fruehling201c">
    <title>Perfekt getanzte Bilder zu Liebe, Leben und Vergänglichkeit – Das Nederlands Dans Theater 1 sorgte für einen fulminanten Auftakt beim „Bregenzer Frühling“</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/perfekt-getanzte-bilder-zu-liebe-leben-und-vergaenglichkeit-2013-das-nederlands-dans-theater-1-sorgt-fuer-fulminanten-auftakt-beim-201ebregenzer-fruehling201c</link>
    <description>Dass das bereits 1959 gegründete Nederlands Dans Theater 1 nichts an kreativem Schwung und Experimentierfreude verloren hat und zurecht zu den Top-Compagnien des zeitgenössischen Tanzes gezählt wird, stellte die Den Haager Truppe im bis auf den letzten Platz ausverkauften Bregenzer Festspielhaus wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis. Das ist nicht zuletzt dem brillanten Choreographen-Duo Paul Lightfoot und Sol León zu verdanken, das in den letzten zwanzig Jahren mehr als vierzig aufsehenerregende Produktionen für das NDT geschaffen hat. Mit „Sehnsucht“ und „Schmetterling“ standen zwei von der internationalen Kritik hochgelobte, neuere Stücke auf dem Programm.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3>Beziehungskiste wortwörtlich ins Bild gesetzt</h3>
<p><br />Silas Henriksen, Parvaneh Scharafali und Medhi Walerski sind die hervorragenden Solisten der 2009 uraufgeführten 25 Minuten-Produktion „Sehnsucht“. Zu dramatisch bewegenden Klängen aus Beethovens Klavierkonzerten Nr. 3 und 4 und aus seiner  5. Sinfonie lassen Lightfoot/León getanzte Bilder zur Liebe und zu deren Vergänglichkeit entstehen, die vor allem durch das außergewöhnliche Bühnenbild an Eindrücklichkeit gewinnen. Ein Paar bewegt sich in einem über dem Bühnenboden aufgehängten langsam rotierenden, als kleines Wohnzimmer eingerichteten Würfel und kommuniziert manchmal mit einem außerhalb dieses Würfels tanzenden Mann. Es entstehen eindrucksvolle Bilder von Nähe, aber auch des Auseinanderdriftens. Manchmal erinnert der rotierende Würfel an ein Hamsterrad, in dem die Akteure gefangen sind, klaustrophobische Gefühle kommen hoch, das breite Spektrum an Emotionen wird in dieser wortwörtlich genommenen Beziehungskiste eindrucksvoll ins Bild gesetzt. Und wenn durch die Drehung des Zimmers buchstäblich „schräge“ Perspektiven entstehen, entfernen sich auch die Bewegungen der Akteure immer weiter vom klassischen Bewegungsrepertoire und gewinnen zunehmend an Schrägheit. Manchmal ist auch akrobatisches Geschick gefragt, wenn das Zimmer und die Gefühlswelt sozusagen auf dem Kopf stehen und es darum geht, sich trotz aller Freiheitssuche gegenseitig zu stützen, um nicht auch noch den letzten Halt zu verlieren.</p>
<h3>„Schmetterling“ – getanzte Todesvisionen</h3>
<p><br />Für die 2010 entstandene Produktion „Schmetterling“ ließen sich Lightfoot/León von der tragischen Geschichte ihres Solisten Medhi Walerski inspirieren, der vor der Uraufführung ein Sabbatical einlegte, um seine todkranke Mutter in ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten. Hier geht es also um den Schmetterling und seine Metamorphose in seinen unterschiedlichen mythologischen Bedeutungen als Todesbote, aber auch als Symbol für Wiedergeburt und Unsterblichkeit, oder für die Seele selber, die mit Hilfe von Schmetterlingsflügeln in die Freiheit entschwinden kann. Auch auf der Bühne tanzt Walerski nun mit seiner mittels grauen Haarsprays zur alten Frau gestylten Partnerin dem Tod entgegen, was aber keineswegs tragisch melancholisch vonstatten geht. Vielmehr bieten die vierzig Minuten ein Feuerwerk aus grandiosen Soli, Pas de deux, Trios und Ensemblepassagen, in denen die erstklassigen Tänzerinnen und Tänzer ihr riesiges Repertoire an zeitgenössischem Bewegungsvokabular präsentieren. Trotz aller Todessymbolik geraten manche Passagen durchaus witzig, was vor allem auch den skurrilen Texten einiger Lieder aus den genialen, 1999 erschienen „69 Love Songs“ der Indie-Pop-Band Magnetic Fields zu verdanken ist. Wer aber mit einem hoffnungsfrohen Ausblick rechnet, wenn sich ein schwarzer Vorhang nach dem anderen hebt und den Blick auf ein gewaltiges, von vereinzelten Sonnenstrahlen durchsetztes, dramatisches Wolkenpanorama freigibt, hat sich zu früh gefreut. Denn auch dieses strahlend eindrucksvolle Bild wird wie ein Vorhang  weggeschoben und legt schließlich ein schwarzes Universum frei. Der Tod gibt seine letzten Geheimnisse nicht preis. Grandioses Finale eines eindrucksvollen Tanzabends. Dieser „Frühling“ hatte schon mal einen perfekten Start und lässt noch Großes erwarten!</p>
<p class="callout"><br />Weiter Aufführung: 31.3.2012, 20 Uhr, Festspielhaus Bregenz<br />www.bregenzerfruehling.at<br /><br /></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2012-03-31T16:45:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/virtuoses-spiel-mit-realitaeten-und-identitaeten-angesichts-des-grassierenden-medienwahns-2013-chris-haring-liquid-loft-beschliesst-ein-grossartiges-tanz-ist-festival">
    <title>Virtuoses Spiel mit Realitäten und Identitäten angesichts des grassierenden Medienwahns – Chris Haring/Liquid Loft beschließt ein großartiges tanz ist Festival</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/virtuoses-spiel-mit-realitaeten-und-identitaeten-angesichts-des-grassierenden-medienwahns-2013-chris-haring-liquid-loft-beschliesst-ein-grossartiges-tanz-ist-festival</link>
    <description>Mit der Iceland Dance Company gastierte erstmals eine der spannendsten und innovativsten internationalen Tanzkompagnien im Land, dann gab es ein Wiedersehen mit Renate Graziadei, die ein starkes Tanz-Solostück aus Berlin mitbrachte, und zum Schluss brillierte mit Chris Haring/Liquid Loft, Österreichs Kreativpool und Aushängeschild in Sachen zeitgenössischer Tanz, sozusagen ein „Stammgast“ beim tanz ist Festival am Spielboden. Festival-Organisator Günter Marinelli bewies einmal mehr, dass sich mit Mut, einer konsequente Haltung und dem richtigen Gespür für echte Qualität und wahren Innovationsgeist auch ohne Riesenbudgets durchaus sehenswerte Tanz-Festivals programmieren lassen. Erfreulicherweise kommt mittlerweile auch das Publikum zuhauf.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>Ein wahnwitziges Vergnügen</b><br /><br />Viel anschaulicher könnte man den ganzen unerträglichen Rummel um die neuen Kommunikationsmöglichkeiten und –gepflogenheiten in den gehypten Social Networks nicht auf den Punkt bringen: diese unüberschaubare Flut an Informationen, Pseudo-Informationen und Desinformationen, an aufdringlicher Werbung und Verlockung, dieses unverfroren auf die Sensationsgeilheit der Menschen abzielende Kommerzdenken zu Ehren der durch weitere Werbaufträge geheiligten Quote. Der Turmbau zu Babel, das war gestern, in Zeiten des World Wide Web geht alles viel einfacher, leichter und schneller von der Hand. Zwei Laptops und die entsprechenden Programme genügen schon. „Talking Head“ heißt das neue Stück von Chris Haring/Liquid Loft, und die übergroßen Köpfe reden und reden und reden und reden. Manchmal unverständlich, manchmal verständlich, aber sinnfrei, manchmal in nachvollziehbaren Dialogen, etwa zwischen Kunstexpertin und Künstler oder zwischen Tanzinteressierter und Choreograph. Hinter all diesen Gesprächen steckt keine große Bedeutung, das Leben verkommt mehr und mehr zum Chatroom, wo Banalitäten durch eitle Selbstdarstellung mit vermeintlicher Bedeutung aufgeladen werden. <br /><br /><b>Komödie statt Tragödie</b><br /><br />Stephanie Cumming und Luke Baio beherrschen dies in Perfektion. Ihre via Laptop geskypten Dialogbilder werden nebeneinander großformatig an die Wand projiziert. Mit Hilfe optischer und akustischer Verfremdungstechniken wechseln sie permanent ihre Identitäten, versuchen mit skurril verzerrten Gesichtern und wild verdrehten Körpern Eindruck zu schinden. Mit fließenden Übergängen treten sie aus dem virtuellen Net-Geschehen ins reale Bühnenleben und wieder zurück, alles beeinflusst sich wechselseitig, verschränkt und überlagert sich. In grandios witzigen Tanzpartien treiben sie mitunter mit ihren visuellen Bildschirmerscheinungen ihren Schabernack, ahmen mit Spezialeffekten bizarr verdrehte Körperbilder auch auf der Bühne nach. Hier greifen moderne Technik und virtuose Tanzkunst nahtlos ineinander, bis die Grenzen immer mehr verschwimmen und der ganze Spuk schließlich zusammenbricht. Am Ende verstecken sich die Akteure unter riesigen Kartondecken, tauchen wieder in die Anonymität ab, aus der sie am Anfang des Stückes aufgetaucht waren – jegliche Ähnlichkeiten mit dem real irrealen Internetgeschehen ist rein zufällig.  <br />Streng genommen müsste man aus all dem eine Tragödie basteln, Chris Haring und Liquid Loft haben sich aber dankenswerterweise dazu entschlossen, das Kommunikationsdilemma der Gegenwart als Komödie abzuhandeln. Vielen Dank!<br /><br /></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-06-16T20:01:37Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
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