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  <title>Tanz</title>
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  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/virtuoses-spiel-mit-realitaeten-und-identitaeten-angesichts-des-grassierenden-medienwahns-2013-chris-haring-liquid-loft-beschliesst-ein-grossartiges-tanz-ist-festival">
    <title>Virtuoses Spiel mit Realitäten und Identitäten angesichts des grassierenden Medienwahns – Chris Haring/Liquid Loft beschließt ein großartiges tanz ist Festival</title>
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    <description>Mit der Iceland Dance Company gastierte erstmals eine der spannendsten und innovativsten internationalen Tanzkompagnien im Land, dann gab es ein Wiedersehen mit Renate Graziadei, die ein starkes Tanz-Solostück aus Berlin mitbrachte, und zum Schluss brillierte mit Chris Haring/Liquid Loft, Österreichs Kreativpool und Aushängeschild in Sachen zeitgenössischer Tanz, sozusagen ein „Stammgast“ beim tanz ist Festival am Spielboden. Festival-Organisator Günter Marinelli bewies einmal mehr, dass sich mit Mut, einer konsequente Haltung und dem richtigen Gespür für echte Qualität und wahren Innovationsgeist auch ohne Riesenbudgets durchaus sehenswerte Tanz-Festivals programmieren lassen. Erfreulicherweise kommt mittlerweile auch das Publikum zuhauf.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>Ein wahnwitziges Vergnügen</b><br /><br />Viel anschaulicher könnte man den ganzen unerträglichen Rummel um die neuen Kommunikationsmöglichkeiten und –gepflogenheiten in den gehypten Social Networks nicht auf den Punkt bringen: diese unüberschaubare Flut an Informationen, Pseudo-Informationen und Desinformationen, an aufdringlicher Werbung und Verlockung, dieses unverfroren auf die Sensationsgeilheit der Menschen abzielende Kommerzdenken zu Ehren der durch weitere Werbaufträge geheiligten Quote. Der Turmbau zu Babel, das war gestern, in Zeiten des World Wide Web geht alles viel einfacher, leichter und schneller von der Hand. Zwei Laptops und die entsprechenden Programme genügen schon. „Talking Head“ heißt das neue Stück von Chris Haring/Liquid Loft, und die übergroßen Köpfe reden und reden und reden und reden. Manchmal unverständlich, manchmal verständlich, aber sinnfrei, manchmal in nachvollziehbaren Dialogen, etwa zwischen Kunstexpertin und Künstler oder zwischen Tanzinteressierter und Choreograph. Hinter all diesen Gesprächen steckt keine große Bedeutung, das Leben verkommt mehr und mehr zum Chatroom, wo Banalitäten durch eitle Selbstdarstellung mit vermeintlicher Bedeutung aufgeladen werden. <br /><br /><b>Komödie statt Tragödie</b><br /><br />Stephanie Cumming und Luke Baio beherrschen dies in Perfektion. Ihre via Laptop geskypten Dialogbilder werden nebeneinander großformatig an die Wand projiziert. Mit Hilfe optischer und akustischer Verfremdungstechniken wechseln sie permanent ihre Identitäten, versuchen mit skurril verzerrten Gesichtern und wild verdrehten Körpern Eindruck zu schinden. Mit fließenden Übergängen treten sie aus dem virtuellen Net-Geschehen ins reale Bühnenleben und wieder zurück, alles beeinflusst sich wechselseitig, verschränkt und überlagert sich. In grandios witzigen Tanzpartien treiben sie mitunter mit ihren visuellen Bildschirmerscheinungen ihren Schabernack, ahmen mit Spezialeffekten bizarr verdrehte Körperbilder auch auf der Bühne nach. Hier greifen moderne Technik und virtuose Tanzkunst nahtlos ineinander, bis die Grenzen immer mehr verschwimmen und der ganze Spuk schließlich zusammenbricht. Am Ende verstecken sich die Akteure unter riesigen Kartondecken, tauchen wieder in die Anonymität ab, aus der sie am Anfang des Stückes aufgetaucht waren – jegliche Ähnlichkeiten mit dem real irrealen Internetgeschehen ist rein zufällig.  <br />Streng genommen müsste man aus all dem eine Tragödie basteln, Chris Haring und Liquid Loft haben sich aber dankenswerterweise dazu entschlossen, das Kommunikationsdilemma der Gegenwart als Komödie abzuhandeln. Vielen Dank!<br /><br /></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-06-16T20:01:37Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/ein-kurzes-aber-inniges-vergnuegen-2013-die-iceland-dance-company-eroeffnete-das-tanz-ist-festival-am-spielboden">
    <title>Ein kurzes, aber inniges Vergnügen – die Iceland Dance Company eröffnete das tanz ist Festival am Spielboden</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/ein-kurzes-aber-inniges-vergnuegen-2013-die-iceland-dance-company-eroeffnete-das-tanz-ist-festival-am-spielboden</link>
    <description>Mit dem rund zwanzigminütigen Stück „The Swan“ der jungen isländischen Choreographin Lára Stefánsdóttir gelang es der Iceland Dance Company eindrucksvoll unter Beweis zu stellen, dass sich die außergewöhnliche Kreativität auf dieser Insel am Rande Europas keineswegs nur auf den Musikbereich beschränkt. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Der Bubble Chair, eine durchsichtige, an vier Seilen hängende Plastikhalbkugel, des finnischen Designers Eero Aarnio, ein Kultobjekt aus den 60-er Jahren, ist Anfangs- und Endpunkt des Stückes. In ihm schwingt der männliche Hauptdarsteller, wenn man sich an Tschaikowskis „Schwanensee“ orientieren will also der Prinz, und scheint sich in fieberhaften Träumen zu wälzen. Die dazwischen liegende Viertelstunde kann man als getanzte Traumsequenz interpretieren, ein fulminantes Pas de deux von Emilia Benedikta Gisladóttir und Hannes pór Egilsson. Mit der märchenhaften Handlung von „Schwanensee“ hat das nichts mehr zu tun, vielmehr ist es sozusagen die Essenz des berühmten Klassikers, die da tänzerisch dargestellt wird. Es geht um die Mann-Frau-Polarität, Anziehung und Abstoßung, Sexualität und Erotik, ewige Liebe und bodenlose Enttäuschung. Gisladóttir und Egilsson verbinden in ihrem Tanz klassische und zeitgenössische Elemente, toben über die Bühne, schmiegen sich und reiben sich aneinander, ahmen immer wieder Flügelschlagbewegungen nach und lassen auch kurz humorvolle Elemente aufblitzen. Aus den Lautsprechern ertönt eine rasante Mischung aus elektronischen Tönen von BJ Nilson und Thom Willems und Sergei Prokofjew-Musik, Lichtdesigner Adalsteinn Stefánsson und Bühnen- und Kostümdesignerin Filippia Elisdóttir setzen auf einfache, aber wirkungsvolle Effekte. Ein durch und durch gelungenes Stück, aber nach zwanzig Minuten schon wieder den Saal verlassen zu müssen, wo man es gerade einmal geschafft hatte, den Alltagsstress abzuschütteln und sich voll und ganz auf den Tanz einzulassen – man hätte sich mehr gewünscht ...</p>
<p><b>Videofilm als Ergänzung</b></p>
<p>„The Swan“ wird immer mit einem zweiten, meistens sogar gemeinsam mit einem dritten Kurzstück aufgeführt, erklärt Katrin Hall, künstlerische Leiterin, Herz und Hirn der Iceland Dance Company, die in 15 Jahren aus einem klassischen Allerweltsballett eine der kreativsten und originellsten Kompagnien des zeitgenössischen Tanzes gemacht hat. Was diese Kompagnie wirklich drauf hat, konnte man sich im Kinosaal anhand eines erst kürzlich fertiggestellten Videofilms über mehrere Produktionen der Isländer zu Gemüte führen. Die ideale Ergänzung  zu „The Swan“, die auch von vielen BesucherInnen genutzt wurde.<b></b></p>
<p><b><br />Weitere tanz ist-Veranstaltungen:</b><br />So, 12.6., 20.30 Uhr: <b>Labor Gras.Com Production: "Rückwärts" mit Renate Graziadei</b><br />Mi, 15.6./Do, 16.6., 20.30 Uhr: <b>Liquid Loft/Chris Haring: "Talking Head"</b><br />Sa, 18.6., 20 Uhr tanz ist Finale: <b>Mitwirkende des Research-Programmes von Renate Graziadei präsentieren ihre tänzerische Arbeit</b></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-06-12T15:39:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/sexuell-aufgeladene-schneewittchen-version-als-kroenender-abschluss-des-bregenzer-fruehlings">
    <title>Sexuell aufgeladene Schneewittchen-Version als krönender Abschluss des Bregenzer Frühlings</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/sexuell-aufgeladene-schneewittchen-version-als-kroenender-abschluss-des-bregenzer-fruehlings</link>
    <description>Die Geschichte von Schneewittchen und der bösen Stiefmutter gehört seit der Veröffentlichung der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen vor ziemlich genau zweihundert Jahren zum Allgemeingut. Während bei den Gebrüdern Grimm die Sexualität als Triebfeder der Geschichte aber höchstens von erwachsenen LeserInnen zwischen den Zeilen erahnt werden kann, lässt Angelin Preljocaj in seinem 2008 uraufgeführten „Blanche Neige“ keinerlei Zweifel offen. Hier knistert es, nicht nur dank der extravaganten Kostümideen Jean Paul Gaultiers.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>Stiefmutter als Latex-Domina</b><br /><br />Bereits der erste furiose, von Blitz und Donner und wummerndem, hart an der Schmerzgrenze angesiedeltem Bassdröhnen begleitete Auftritt der Stiefmutter in einem schwarz-weiß-roten Latex-Dress, das auch aus dem Kleiderkasten der einstmals ebenfalls von Gaultier ausgestatteten Madonna stammen könnte, macht klar, was Preljocaj unter „Schneewittchen-Komplex“ versteht: diese Stiefmutter ist ein Vamp und wird ihren Status als „sexiest woman alive“ ganz sicher nicht freiwillig an ihre Stieftochter weitergeben. Die Katzen in ihrem finsteren Schloss unterstreichen noch diese triebhaft aufgeheizte Raubtierwelt. Erst ganz zum Schluss, am bitteren Ende, wird sie in ihren glühenden Pantoffeln einen ganz und gar nicht mehr erotischen Tanz aufführen.<br /><br /><b>Traumhafte Bilder</b><br /><br />Aber nicht nur diese finsteren Bilder – allen voran natürlich das überdimensionale „Spieglein, Spieglein an der Wand“ mit seinen traumhaften Zeitlupensequenzen – werden sich in das Gedächtnis der Zuschauer einprägen. Auch die mitunter grotesk anmutenden Tänze des Hofstaates oder die Szene, in der die zu Soldaten mutierten Jäger statt Schneewittchen einen Hirsch töten, waren beeindruckend. Vor allem aber natürlich die sieben Zwerge, die Preljocaj an einer acht Meter hohen Steilwand ihre akrobatischen Fähigkeiten demonstrieren lässt– heitere Momente inmitten höchst dramatischer Bilder. Bühnenbildner Thierry Leproust und Lichtdesigner Patrick Riou tragen auf grandiose Weise dazu bei, die extravaganten Ideen Angelin Preljocajs  auf der Bühne zu verwirklichen, der permanent die Gothic-Rock-Welt der bösen Königin auf die idyllischen Bilder des lieblichen Schneewittchen prallen lässt.<br /><br /><b>Großartiger Pas de deux</b><br /><br />Geschickt führt Angelin Preljocaj das Stück zum dramatischen Höhepunkt, inszeniert die berühmte Apfelszene als brutale Gewaltorgie, und lässt Schneewittchens tote Mutter nochmals spektakulär vom Himmel herunterschweben. In einem großartigen Pas de deux versucht der verzweifelte Prinz, Schneewittchen zum Leben zu erwecken, was letzten Endes – Happy-end muss natürlich sein – auch ohne sein direktes Zutun gelingt. Die großartigen tänzerischen Leistungen zur Musik von Gustav Mahler und den elektroakustischen Einschüben von 79D in Angelin Preljocajs epochaler „Schneewittchen“-Interpretation waren ein angemessenes Finale für diesen „Bregenzer Frühling“, der sein 25 Jahre-Jubliläum mit Top-Produktionen vor weitestgehend ausverkauften Häusern feierte.<br /><br /></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-06-05T20:18:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/babel-lustig-sidi-larbi-cherkaouis-praesentiert-201esein-eigenes-ding201c-zum-thema-sprachverwirrung-und-sorgte-fuer-begeisterungsstuerme">
    <title>Babel lustig - Sidi Larbi Cherkaoui präsentiert „sein eigenes Ding“ zum Thema Sprachverwirrung und sorgte für Begeisterungsstürme</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/babel-lustig-sidi-larbi-cherkaouis-praesentiert-201esein-eigenes-ding201c-zum-thema-sprachverwirrung-und-sorgte-fuer-begeisterungsstuerme</link>
    <description>Die bekannte biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel bietet natürlich jede Menge Stoff für alle Arten von Tragödien, aber kann man, darf man diese ernsthafte Thematik um die Hybris der Menschheit und deren göttliche Bestrafung durch die Sprachverwirrung und alle daraus resultierenden Probleme auch auf humorvolle Weise abhandeln? Ja, man kann und man darf, vorausgesetzt man verfügt über die genialen Fähigkeiten des Sidi Larbi Cherkaoui. Das Bregenzer Publikum verabschiedete den mit internationalen Preisen überhäuften Choreographen und seine traumhafte Compagnie „Eastman“ jedenfalls mit stehenden Ovationen.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Das Geheimnis des Erfolges liegt sicherlich in der lässigen Coolness, mit der Cherkaoui die verschiedensten Künste, Stile und Welten aufeinander treffen lässt. „Ich begann zu choreographieren und mixte das mit dem und das mit dem und machte mein eigenes Ding und dann sagten die Leute: Das ist zeitgenössischer Tanz, was Du da machst und ich sagte: zeitgenössischer was?“ – so beschreibt Cherkaoui seine Anfänge und seine Grundhaltung, die auch beim mittlerweile 35-jährigen Starchoreographen durchaus noch spürbar ist. Das „Was?“ ist im Fall von „Babel“ eine geniale, weil gleichermaßen witzige wie anspruchsvolle Mischung aus Texten, Tanz, Musik und Bühnenbild. So genial, dass man gar nicht weiß, wo man mit dem Loben anfangen soll.<br /><br /><b>Stagedesign: große Wirkung mit einfachsten Mitteln</b><br /><br />Vielleicht in der Aufzählung von hinten: Die fünf riesigen, aus Stahlrohren zusammengesetzten Quader, die alle unterschiedliche Formate haben, aber über dasselbe Volumen verfügen, wirken auf den ersten Blick vielleicht nicht spektakulär, sind es aber. Denn sie sind ebenso wie die dreizehn TänzerInnen permanent in Bewegung, werden von diesen dauernd zu neuen Landschaften formiert, dienen als überdimensionale Requisiten und scheinen trotz ihres enormen Gewichts ab und zu selbst ein kleines Tänzchen zu wagen. So ein Stahlobjekt kann den Turm von Babel ebenso symbolisieren, wie einen mit Immigranten gefüllten Autobus, eine Gefängniszelle oder einen „Zeittunnel“, durch den ein Akteur von der Gegenwart in die Steinzeit und wieder retour gelangen kann – in dieser Perfektion der Ausführung ist dafür nicht einmal mehr allzu viel Phantasie seitens des Betrachters notwendig. Ein Geniestreich von Antony Gormley, dessen hundert stählerne Betrachterfiguren im Bregenzerwald und in der Arlbergregion an diesem Abend wohl interessiert Richtung Bregenz geblickt haben.<br /><br /><b>Von Ethno bis HipHop</b><br /><br />Auf der Bühne bewegten sich Menschen aus dreizehn Ländern zu den vielgestaltigen Rhythmen, Tönen und Gesängen von sechs Live-Musikern, die im Bühnenhintergrund etwas erhöht und somit gut sichtbar das Geschehen musikalisch kommentierten, untermalten und vorantrieben. Diese zumeist ziemlich rasante, mitunter auch sehr trancige Mischung aus den verschiedensten ethnischen Ingredienzien bis hin zum HipHop wäre mitunter auch als Konzertabend durchgegangen, und sie konterkarierte, was die verbale Kommunikation etwa in chauvinistischen Ergüssen weiszumachen versuchte: Die Vielsprachigkeit und Unterschiedlichkeit der Menschen wirft nicht nur Probleme auf, sondern kann durchaus auch als Bereicherung und belebendes Element erfahren werden.<br /><br /><b>Tanz, Schauspiel, Akrobatik ... und zugleich Programm</b><br /><br />Die Anforderungen, die Sidi Larbi Cherkaoui an seine Compagnie stellt, sind so grenzenlos wie sein Kunstverständnis. Sie haben Tänzer, Schauspieler und Akrobaten in einem zu sein – eine Tänzerin hält einen langen Monolog zum Thema Kommunikation, wird dann zu einer mechanischen Puppe, die auf Knopfdruck funktioniert, mutiert schließlich zu einer Art Luftballon, der aufgeblasen wird und durch die Gegend fliegt, bis die letzte Luft wieder entwichen ist. Nur mal als kleines Beispiel, gleich vom Anfang des Stückes. Und in ihrer Multinationalität und Buntheit sind die Akteure zugleich Programm. Ebenso wie Sidi Larbi Cherkaoui selber, dessen muslimischer Vater Marokkaner ist und dessen katholische Mutter aus Flandern stammt. So werden ernste Themen – wie etwa die schicksalshafte Überprüfung von Immigranten durch die Einwanderungsbehörde – zwar nicht ihrer Ernsthaftigkeit beraubt, aber mit Witz und Ironie abgehandelt. Denn trotz aller Spannungen soll offen bleiben, ob der Turmbau zu Babel nicht vielleicht doch sogar als erfolgreiches Projekt betrachtet werden kann. Man muss nur mit einem wachen Bewusstsein leben, wie die Schlussszene eindrucksvoll zeigt: dort stehen alle Akteure in einer Reihe nebeneinander, die Beine ineinander verhakt. So kann jeder einzelne mit der kleinsten Bewegung in der gesamten Reihe eine Kettenreaktion auslösen. Eine wichtige Botschaft, die wie alle anderen an diesem Abend nicht mit dem Zeigefinger präsentiert wurde, sondern eher im Sinne Dario Fos, der daran glaubt, durch das Lachen Nägel in die Köpfe der Zuschauer treiben zu können.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-05-07T22:13:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/perfekt-unperfekt-2013-marie-chouinard-verweigert-sich-beim-bregenzer-fruehling-den-gewohnten-vorstellungen-von-tanz-und-verwickelt-sich-in-widersprueche">
    <title>Perfekt unperfekt – Marie Chouinard verweigert sich beim Bregenzer Frühling den gewohnten Vorstellungen von Tanz und verwickelt sich in Widersprüche</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/perfekt-unperfekt-2013-marie-chouinard-verweigert-sich-beim-bregenzer-fruehling-den-gewohnten-vorstellungen-von-tanz-und-verwickelt-sich-in-widersprueche</link>
    <description>Der Komponist Louis Dufort hat Glenn Goulds geniale Einspielung von  J.S. Bachs berühmten Goldberg-Variationen sowie Interviewausschnitte mit dem Tastenstar genommen und sie gnadenlos durch den elektronischen Fleischwolf gedreht – zerdehnt, beschleunigt, zerstückelt und neu montiert. Der ideale Soundtrack zu "bODY_rEMIX". Denn der Name Marie Chouinard ist nicht zufällig gleichermaßen mit großen Skandalen wie mit wichtigen Auszeichnungen verbunden. Die Kanadierin geht keinerlei Kompromisse ein.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>Unglaublich perfektes Humpeln und Kriechen ...</b><br /><br />In "bODY_rEMIX" sieht man alles, nur nicht das übliche Tanzvokabular. Auch nicht das zeitgenössische. Die Tänzerinnen und Tänzer mühen sich nämlich eineinhalb Stunden lang mit den unterschiedlichsten Arten von Krücken, Gehgestellen und Gehwägen über die Bühne, sie kriechen, schweben an Seilen oder hüpfen an Gummibändern, humpeln auf nur einem Spitzenschuh oder bemühen sich zu zweit aneinander gefesselt um ein Fortkommen. Sie kämpfen zwischen Barren eingeklemmt und lieben sich im Trapez hängend. Manchmal treiben sie es auf die Spitze, indem sie neben den Krücken auch noch eine an der Stirn befestigte Metallstange und eine Stange im Mund in den Tanz mit einbeziehen. All dies geschieht mit einer unglaublichen Perfektion und Präzision, was sich natürlich nur durch eine perfekte Körperbeherrschung erreichen lässt. <br /><br /><b>Besondere ästhetische Dimensionen des Deformierten ...</b><br /><br />So gewinnt das Deformierte, das Unperfekte ganz besondere ästhetische Dimensionen, der Begriff der Vollkommenheit wird gleichzeitig in Frage gestellt und erweitert. So wie die Akteure nur mit knappsten Bandagen (un)verhüllt ihre Körper zur Schau stellen, wird auch der Tanzbegriff aus allen Konventionen herausgeschält. <br /><br /><b>... aber auch ein Widerspruch in sich selbst</b><br /><br />Das Ganze erscheint aber als ein wohl kalkuliertes Experimentierfeld, irgendwie ein Widerspruch in sich selbst, wenn an sich perfekte Körper in einer Art Krüppel-Parade (im Sinne des Geusenwortes verstanden) präsentiert werden, sodass mitunter Erinnerungen an die vorzügliche DanceAbility-Workshops mit Alito Alessi wach werden, wo allerdings tatsächlich Behinderte in den Tanz eingebunden werden. Mit der Zeit schlichen sich auch gewisse Längen ein, und man hätte sich das Ganze in einer ein bisschen geraffteren Form gewünscht, dann hätte man sich auch die Pause ersparen können, die den Fluss des Geschehens empfindlich gestört hat.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-05-01T18:32:00Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/sensationeller-auftakt-zum-bregenzer-fruehling-2011-mit-dem-australian-dance-theatre">
    <title>Sensationeller Auftakt zum Bregenzer Frühling 2011 mit dem Australian Dance Theatre</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/sensationeller-auftakt-zum-bregenzer-fruehling-2011-mit-dem-australian-dance-theatre</link>
    <description>Das Konzept des „Bregenzer Frühlings“ lässt sich leicht auf einen Nenner bringen: hochkarätige internationale Compagnien präsentieren erstklassige Produktionen, die am Puls der Zeit liegen. Was das Australian Dance Theatre zum Auftakt des 25 Jahre-Jubiläums des renommierten Tanzfestivals im ausverkauften Bregenzer Festspielhaus bot, ragt aber nochmals aus diesem ambitionierten Programm der choreographischen und tänzerischen Superlativen heraus. Garry Stewart, der ungemein einfallsreiche künstlerische Leiter der international äußerst gefragten Truppe, legt mit dem 2010 uraufgeführten „Be Your Self“ ein absolutes Meisterstück vor. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Der Auftakt von „Be Your Self“ verdeutlicht eindrucksvoll, was man dann für den Rest des eindrucksvollen Tanzabends zwar im Hinterkopf behält, angesichts der sich nahezu überschlagenden choreographischen Einfälle und deren meisterhaften, tänzerischen Umsetzungen aber leicht wieder vergisst: nämlich, welch kompliziertes Zusammenspiel von Körper und Geist denn da eigentlich auf der Bühne abläuft. Allein um verbal minutiös zu beschreiben, was im Körper und im Gehirn eines Tänzers vor sich geht, der im Zeitlupentempo seinen Fuß hebt, ihn in der Luft streckt und wieder senkt, muss eine Schauspielerin einen gigantischen, äußerst rasant gesprochenen Wortschwall vom Stapel lassen. Mit der verbalen Schilderung des eine gute Stunde dauernden Stückes wäre die gute Frau vermutlich monatelang beschäftigt. <br /><br /><b>Genialer Soundtrack zum außergewöhnlichen Bewegungsvokabular</b><br /> <br />Die folgenden Sequenzen konnte man dann mit vor Staunen offenem Mund genießen, denn dem unkonventionellen Sounddesigner Brendan Woithe ist es gelungen, alle Vorgänge in den Körpern der Tanzakteure auf gleichermaßen stimmige wie witzige Weise akustisch umzusetzen. Da werden Muskelbewegungen hörbar gemacht, Gelenke knarren, Körpersäfte blubbern, Nervenströme knistern, Herzen klopfen zum Zerspringen, die Atmungsgeräusche signalisieren Hochbetrieb. Den Tänzerinnen und Tänzern gelingt es, dies in einer unglaublichen Präzision, energiegeladen, kraftvoll und punktgenau umzusetzen, noch dazu in einem Tanzvokabular, das nur möglich ist, weil sie nicht nur in klassischen und zeitgenössischen Tanztechniken ausgebildet sind, sondern auch Kampfkunst, Breakdance, Gymnastik, Yoga und Kontakt-Improvisation trainieren. Spannender und vergnüglicher lassen sich Überlegungen zum kartesianischen Bild vom Geist/Körper-Dualismus oder auch modernere neurobiologische Konzepte wohl kaum visualisieren.<br /><br /><b>Multifunktionales Stage-Design</b><br /><br />Garry Stewart ist es überzeugend gelungen, durch die keineswegs aufgesetzt, sondern durchwegs organisch wirkende Kooperation mit anderen Künstlern „Be Your Self“ als multimediales Gesamtkunstwerk auf die Bühne zu bringen. So haben die New Yorker Architekten Diller, Scofido + Renfro ein einfach wirkendes, aber unglaublich effizientes und vielseitig einsetzbares Bühnenbild entworfen – eine schiefe, weiße Ebene über die ganze Bühnenbreite, mit Stoff bespannt und zahlreichen Schlupflöchern gespickt. Dieses Bühnenelement dient als Projektionsfläche für die Videos von Brenton Kempster, die oftmals auf verblüffende Weise mit den Bewegungen der TänzerInnen kombiniert und nahtlos ins Tanzgeschehen integriert werden. Es wird auch als Auftrittshilfe genutzt, um die Akteure wirkungsvoll ins Geschehen hineinrutschen zu lassen, oder um sie wie von Geisterhand gelenkt wieder wegzuzaubern. Am Ende von „Be Your Self“ gewinnt die weiße Fläche nochmals ganz zentrale Bedeutung, wenn ein seltsames Ballett fragmentierter Körperteile kombiniert mit bildnerischen Elementen und einem eher einlullenden Sound den ganzen Saal in einen trancehaften Zustand versetzt. Aus dieser traumartigen Sequenz in die Wirklichkeit zurückgekehrt verabschiedete das Publikum die unkonventionellen Australier mit begeistertem Applaus. Ob es den ewigen Fragen nach dem „Ich“ und dem „Selbst“, nach Körper-Seele-Geist auch gedanklich näher gekommen ist, bleibt offen, ein fulminanter Tanzabend war es auf jeden Fall.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2011-03-20T13:33:42Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
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  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/einsam-zappelt-der-mensch-1">
    <title>Einsam zappelt der Mensch</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/einsam-zappelt-der-mensch-1</link>
    <description>Alain Platels Produktion „Out of Context – For Pina“ wurde am Freitag auf der Werkstattbühne des Festspielhauses im Rahmen der "KAZ - Kunst aus der Zeit"-Schiene der Bregenzer Festspiele gezeigt. Die belgische Tanzgruppe „les ballets C de la B“ löste damit sowohl Begeisterung als auch Irritation und Unverständnis aus.</description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type" /><meta content="Word.Document" name="ProgId" /><meta content="Microsoft Word 12" name="Generator" /><meta content="Microsoft Word 12" name="Originator" />  Nachdem der Choreograph Alain Platel in den letzten Jahren mit dem Genre Oper flirtete und eher opulente Bühnenwerke mit Livemusik und Sängern präsentierte, kehrte er mit seiner jüngsten Performance &bdquo;Out of Context &ndash; For Pina&ldquo; zu seinen Wurzeln zurück. Das Tanzstück, das in erster Linie auf die Körperkunst der Tänzer setzt, kommt ohne Kostüme, ohne Bühnenbild, mit reduzierter Musik und Geräuschen aus. Sechs Tänzer und drei Tänzerinnen kommen in <span style="">&nbsp;</span>Alltagskleidung auf die Bühne, legen alles bis auf die Unterwäsche ab und hüllen sich in Decken. Zwei Mikroständer mit Mikrophon stehen im Raum. <br /><br /><b>Berührendes und Abstoßendes</b><br /><br />Hysterische Bewegungsabläufe, Fragmente, kleine Geschichten über Begegnungen, Annäherung und Entfernung, über Einsamkeit inmitten vieler Menschen beherrschen den Abend. Achtzig Minuten lang erlebt der Zuschauer kollektive Ausgelassenheit neben individueller Einsamkeit, Berührendes neben Abstoßendem. Eingeflochten in die einzelnen Szenen, immer wiederkehrend, ist die Entstehung des Menschen &ndash; Evolution, Begattung, Schwangerschaft, Geburt.<b><i><br /><br /></i>Ausdrucksstarke Körperlichkeit</b><br /><br />Platel, der einige Jahre als Heilpädagoge mit Kindern mit Behinderung gearbeitet hat, verwendet mit größtem Respekt die Körpersprache von Menschen mit Behinderung. Dies ist - in dieser Form - für manche Zuschauer peinlich und befremdend. Die Stücke von Alain Platel kann man nicht einfach nur anschauen und genießen. Zum Genuss werden sie erst, wenn man sich eingehend damit beschäftigt, wenn man sich einlässt und zulässt. Nicht nur mit seinen Tänzern geht er bis an die Grenzen des Möglichen, er verlangt auch dem Zuschauer einiges ab.<br />Die Unterschiedlichkeit der Tänzerinnen und Tänzer fasziniert, ihre auffallende und prägnante Individualität, die ausdrucksstarke Körperlichkeit mit höchst differierender Persönlichkeit.<br />&bdquo;les ballets C de la B&ldquo; präsentiert modernen Tanz, der den Menschen ganz tief im Innersten berührt, auf archaischste Weise direkt das Nervenzentrum des Zuschauers zum Vibrieren bringt, aufwühlt.&nbsp; <br /><br /><b>Schön, lustig, aufreibend &hellip;<i></i></b><br /><br />&bdquo;Out of Context &ndash; For Pina&ldquo; ist eine Hommage an die 2009 verstorbene Pina Bausch, der Choreografin, die im letzten Jahrhundert begonnen hat, Tanz mit anderen Genres zu mischen und eine ganz eigene zukunftsweisende Bühnensprache entwickelte.<br />&quot;Out of Context &ndash; For Pina&ldquo; ist anmutend schön, wenn sich die TänzerInnen ganz langsam aus ihren Decken schälen, schlüpfen wie Küken, mit großer Eleganz und Körperbeherrschung. <br />&bdquo;Out of Context &ndash; For Pina&ldquo; ist in vielen Momenten unglaublich berührend, wenn zwei sich annähern, beschnuppern, aber einer immer alleine ist.<br />&bdquo;Out of Context &ndash; For Pina&ldquo; ist auch wahnsinnig amüsant, wenn die TänzerInnen im Technofieber raven, sich jeder versucht <span style="">&nbsp;</span>aufs einmaligste zu präsentieren, sich aufbläht, körperlich schwadroniert.<br />&bdquo;Out of Context &ndash; For Pina&ldquo; ist aufreibend mit seinen hysterischen Bewegungsabläufen, um dann gleich wieder mit kleinen sehr langsamen Movements zu beruhigen.<br />&bdquo;Out of Context &ndash; For Pina&ldquo; irritiert und verunsichert, wenn spastische, vermeintlich unkoordinierte Bewegungsabläufe die Szene dominieren.<br />&bdquo;Out of Context &ndash; For Pina&ldquo; lässt lächeln und begeistert, wenn die Tänzer sich auf und unter ihren Decken in Babies verwandeln, mit einer Großartigkeit neun kleine eigenständige Individuen präsentieren.<br /><br />Kunst aus der Zeit bringt mit &bdquo;les ballets C de la B&ldquo; ein international gefeiertes Ensemble nach Bregenz, mit Alain Platel einen der führenden, stilbildenden Choreographen unserer Zeit.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Dagmar Ullmann-Bautz</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2010-08-14T12:54:16Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/glanzender-tanz-ist-festival-auftakt-mit-der-compagnie-7273-am-dornbirner-spielboden">
    <title>Glänzender "tanz ist festival"-Auftakt mit der Compagnie 7273 am Dornbirner Spielboden</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/glanzender-tanz-ist-festival-auftakt-mit-der-compagnie-7273-am-dornbirner-spielboden</link>
    <description>Einmal mehr ist Festivalorganisator Günter Marinelli seinem Ruf gerecht geworden, ein gutes Händchen für außergewöhnliche Compagnien und Aufsehen erregende Tanzproduktionen zu haben. So entpuppte sich die hierzulande kaum bekannte französisch-schweizerische Compagnie 7273, die mit „Laï laï laï laï“ am Donnerstag das Festival eröffnete und mit „Romance-s“ am Samstag eine der spannendsten Produktionen der letzten Jahre zeigte, als absolute Trouvaille für die immer zahlreicher werdende tanz ist-Fangemeinde. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Nicolas Cantillon (Jahrgang &rsquo;72) und Laurence Yadi (geboren &rsquo;73) haben die nach ihren Geburtsjahren benannte Compagnie 7273 vor zehn Jahren gegründet und haben eine interessante Entwicklung hinter sich. Während die älteren Produktionen oftmals multimedial angelegt und mit opulenten Kostümen und Ausstattung versehen sind, geraten die jüngeren Werke immer puristischer und konzentrierter auf den reinen Tanz. So hätten die beiden am Spielboden präsentierten Werke unterschiedlicher nicht sein können, obwohl ihre Uraufführunsdaten nur ein Jahr auseinander liegen.<br /><br /><strong>Ein Plädoyer für Phantasie und Entschleunigung</strong><br /><br />Das 2008 uraufgeführte &bdquo;Laï laï laï laï&ldquo; ist den Siebziger Jahren gewidmet, ein phantasievoller Versuch der Akteure, sich an die Zeit ihrer Kindheit zu erinnern. Nicolas Cantillon versucht das Publikum als rauschebärtiger, Gitarre zupfender und Kauderwelsch singender Barde in die Atmosphäre jener Epoche zu entführen, als der Folk à la Woodstock noch jung und die Traumwelt der Hippies noch ungebrochen war. Wie ein Schamane scheint er ein Tor in eine andere Welt öffnen zu können. Dort präsentiert Laurence Yadi überzeugend die Kindfrau in Karohemd und Latzhose, während Gildas Diquero mit seiner Pfauenfedern-Maske und Régis Marduel im Eisbärenkostüm an diesem schwülen Abend die wahrlich schweißtreibenden Parts zufallen. Auf einem großen, weißen, zotteligen Teppich bewegt sich das Trio wie losgelöst aus Zeit und Raum und eröffnet eine Traumwelt, die magische Einblicke in längst vergangene und vergessene Welten gewährt. Hier gibt es keine Eile und keine abrupten Bewegungen, nichts Konkretes, dafür aber viele Andeutungen, die der Phantasie alle Türen offen lassen. Auf dem weißen Teppich scheinen sie manchmal wie auf einer Wolke zu schweben, oft genügen nur kurze Blicke und minimale Gesten, um miteinander in Kommunikation zu treten. Die Sehnsucht nach Gemeinsamkeit scheint zur großen Anziehungskraft zwischen den Akteuren zu werden, und nur wenn Eifersucht und Enttäuschung ihre Sprengkraft entfalten, kann es auch mal zu kleinen Eruptionen kommen. Es macht wenig Sinn, Laï laï laï laï&ldquo; mit rational verstehen zu wollen. Viel spannender ist es, einfach diese traumhaften Bilder auf sich wirken zu lassen, sich in ihnen zu verlieren, bis der Sänger/Schamane den zauberhaften Einblicken ein Ende bereitet.<br /><br /><strong>&bdquo;Romance-s&ldquo; &ndash; ein Paarlauf der Extraklasse</strong><br /><br />Ganz anders gestrickt ist das letztes Jahr uraufgeführte Duett &bdquo;Romance-s&ldquo;, das für Laurence Yadi&nbsp; und Nicolas Cantillon, die auch außerhalb des Tanzes ein Paar sind, maßgeschneidert ist. Denn hier geht es um das ganze Spektrum an Emotionen, Kommunikationsformen, wechselseitigen Beeinflussungen und Abhängigkeiten zwischen Mann und Frau. Dafür haben sie ein reichhaltiges Bewegungsvokabular entwickelt, das aus verschiedensten Elementen der Tanzgeschichte schöpft &ndash; vom klassischen Ballett, über Expressionistisches bis hin zum Tanztheater und zur Pantomime. Mit bewundernswerter Phantasie, phantastischer Körperbeherrschung und großer Präzision loten sie die Paarbeziehung aus, die zwar auf Autobiographischem beruht, in der sich aber durch die abstrakte Bewegungssprache auch die Zuschauer mit ihren Paarerfahrungen wiederfinden können. Agiert wird auf einer völlig leeren Bühne, die Lichteffekte bleiben stets dezent und sogar auf die Musik wird weitestgehend verzichtet &ndash; alles läuft eine gute halbe Stunde lang allein zum rhythmischen Atmen der Akteure ab. Und wenn dann ganz zum Schluss zur völligen Dunkelheit im Saal ungemein kraftvoller, archaisch wilder, energiegeladener Flamenco ertönt, kann man sich unschwer vorstellen, was sich dazu wohl zwischen Mann und Frau abspielen könnte ...<br /><br /><strong>Weitere Termine:</strong><br /><br /><strong>Mittwoch 16.6., 20.30 Uhr</strong><br />Liz King &amp; Georg Blaschke &bdquo;Your Dancer&ldquo;<br />Alexander Gottfarb &bdquo;Political Movements, Part 2&ldquo;<br /><br /><strong>Samstag 19.6., 20.30 Uhr</strong><br />Company Elio Gervasi &bdquo;Geckos&ldquo;<br /><br />An beiden Tagen ist ab 20 Uhr Günter Marinellis Golfplatz-Installation &bdquo;meeting the point&ldquo; zu sehen.<br /><br />Infos/Karten: www.spielboden.at</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2010-06-13T21:44:03Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/2x2-karten-fur-tanz-ist-festival-premiere-zu-gewinnen">
    <title>2x2 Karten für Tanz ist Festival-Premiere zu gewinnen</title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/2x2-karten-fur-tanz-ist-festival-premiere-zu-gewinnen</link>
    <description>Die schweizerisch-französische Compagnie 7273 von Laurence Yadi und Nicolas Cantillon gehört zu den innovativsten Kompagnien des zeitgenössischen Tanzes. Immer wieder gelingt es Ihnen, Zuschauer und Kritik gleichermaßen mit ihrer radikalen Kreativität, ihrem Witz und Charme zu verblüffen. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Für ihr Parade-Stück &quot;Laï Laï Laï Laï&quot;, mit dem am Donnerstag, 10. Juni, um 20.30 Uhr das diesjährige tanz ist Festival am Dornbirner Spielboden eröffnet wird, gibt es 2 x 2 Karten zu gewinnen. <br />Schicken Sie einfach ein Mail an <a href="mailto:spielboden@spielboden.at?subject=Ja%2C%20ich%20m%C3%B6chte%202%20Karten%20f%C3%BCr%20Lai%20Lai%20Lai%20Lai&body=Name%3A%0AAdresse%3A%0ATel%3A">spielboden@spielboden.at <br /></a>Die Gewinner werden via Mail verständigt - der Rechtsweg ist ausgeschlossen.</p><p>&nbsp;</p><p>Hier noch ein Ausschnitt aus einem Interview von Peter Füßl mit Nicolas Cantillon zu &bdquo;Laï laï laï laï&ldquo;. Das Interview finden Sie in voller Länge in unserem Juni-Heft.<br /><br /><strong>KULTUR: &bdquo;Laï laï laï laï&ldquo;, das 2008 uraufgeführt wurde, wirkt auf den ersten Blick sehr lustig: ein Folksänger im Sixties Outfit, der irgendeinen Kauderwelsch dahersingt, ein weißer, zotteliger Teppich und drei eigenartige Personen, die auf ihm ihre Performance abziehen &ndash; eine kindliche Frau, die ein Karohemd und eine Latzhose anhat, eine Gestalt, die beinahe wie ein Yeti aussieht und eine andere, deren Kopf mit Pfauenfedern eingehüllt ist. Zugleich wirkt aber alles wie eine Traumwelt, die magische Einblicke in eine längst vergangene und vergessene Welt oder in ein seltsames Paralleluniversum eröffnet. Was waren Eure Ausgangsideen für dieses Stück?</strong><br /><br /><strong>Cantillon:</strong> &bdquo;Laï laï laï laï&ldquo; ist unser nostalgisches Stück. Unsere Compagnie heißt ja 7273, weil Laurence Yadi 1973 und ich 1972 geboren wurde. Es ist also ein Stück der Siebziger Jahre-Generation, wir versuchen, uns an die Zeit unserer Kindheit zu erinnern &ndash; mit ihrer Musik, den Folksongs und den Träumen. Mit diesem Stück konzentrieren wir uns wirklich auf die Siebziger Jahre, es ist wie eine Wiedergeburt unserer Kindheit. Als Kinder haben wir die Siebziger Jahre natürlich nicht wirklich wahrgenommen, weil wir damals noch zu klein waren, aber heute sehen wir das Revival dieser Epoche und können uns mit dem Stück auf jene Momente konzentrieren. Mit der Folkmusik, mit den Traumsequenzen und den schamanistischen Themen &ndash; ist es wirklich wie ein Traum. Und die Zuschauer müssen sich ebenfalls gedanklich in die Welt der Siebzier Jahre zurückversetzen.<br /><br /><strong>Welche Funktion haben die wirklich sehr speziellen Kostüme? In den meisten anderen Produktionen tragt Ihr ja eher gewöhnlichere Kleidung.</strong><br /><br />In diesem Stück spielt der Tänzer, der im Kostüm steckt, nicht einen Charakter, sondern das Kostüm selber ist der Charakter. Der Tänzer spielt keinen Charakter, er macht nur die Bewegungen. Nicht der Körper macht den ästhetische Charakter aus, der Körper ist nur ein Produkt der Bewegung.<br /><br /><strong>Wie wichtig ist der Humor in Euren Produktionen?</strong><br /><br />Wir haben immer einigen Humor in unseren Produktionen aber wir beginnen die Arbeit an einem neuen Stück nicht damit, dass wir etwas Lustiges suchen. Aber manchmal passieren lustige Sachen, zum Beispiel bei einer Probe, die wir dann in das Stück einbauen. Da steckt aber keine Absicht dahinter, das passiert ganz von selbst.<br /><br />&nbsp;</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2010-05-26T10:59:13Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/tanzkunst-voller-witz-und-esprit-2013-das-nederlands-dans-theater-ii-brillierte-beim-bregenzer-fruhling">
    <title>Tanzkunst voller Witz und Esprit – das Nederlands Dans Theater II brillierte beim Bregenzer Frühling </title>
    <link>http://kulturzeitschrift.at/kritiken/tanz/tanzkunst-voller-witz-und-esprit-2013-das-nederlands-dans-theater-ii-brillierte-beim-bregenzer-fruhling</link>
    <description>Dass sich das vor mehr als dreißig Jahren als Talenteschmiede des renommierten Nederlands Dans Theaters gegründete Nederlands Dans Theater II auf allerhöchstem Niveau bewegt, ist längst bekannt. Zum Einser-Team gibt’s kaum mehr Unterschiede, vielleicht einmal abgesehen davon, dass sich die Akteure altersmäßig irgendwo zwischen 17 und 23 Jahren bewegen. Beim Bregenzer Frühling sorgten sie mit ihrem dreiteiligen Abendprogramm für ein absolutes Highlight. </description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><p><meta content="" name="Titel" /> <meta content="" name="Stichwörter" /> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type" /> <meta content="Word.Document" name="ProgId" /> <meta content="Microsoft Word 2008" name="Generator" /> <meta content="Microsoft Word 2008" name="Originator" />     <span style="font-size: small;"><span style="font-family: Arial,Geneva,Helvetica,Helv,sans-serif;"><span lang="EN-US" style="color: red;">&bdquo;Passe-Partout&ldquo;</span><br /></span></span></p><p><span style="font-family: Arial,Geneva,Helvetica,Helv,sans-serif;"><span lang="EN-US"></span><span style="font-size: small;">Das vom Nederlands-Hauschoreographen-Duo Paul Lightfoot und Sol León entworfene Bühnenbild ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Die auf mehreren Ebenen hintereinander gestaffelten Wände mit ihren breiten torartigen Durchlässen können alle einzeln verschoben werden &ndash; als eine Art überdimensionale Passepartouts bieten sie den zwei Tänzerinnen und vier Tänzern ein wandelbares Exerzierfeld für die Umsetzung des vor einem guten Jahr uraufgeführten Stückes. Zur Musik von Philip Glass stellten sie eindrucksvoll ihr enormes Bewegungsrepertoire und ihre perfekte Körperbeherrschung unter Beweis. Lange anhaltender Applaus am Ende der 25-minütigen Tanzperformance machte klar, dass sich das junge Ensemble gleich schon auf Anhieb in die Herzen des Bregenzer Publikums getanzt hatte.</span></span></p><p><span style="font-family: Arial,Geneva,Helvetica,Helv,sans-serif;"><span style="font-size: small;"><span style="color: rgb(255, 0, 0);">&bdquo;Gods and Dogs&ldquo;</span></span></span></p><p><span style="font-size: small;"><span style="font-family: Arial,Geneva,Helvetica,Helv,sans-serif;"><span lang="EN-US">Der vielfach ausgezeichnete Altmeister und langjährige Ensemble-Leiter Jiř</span><span lang="EN-US">í Kylián erkundet mit seiner 2008 uraufgeführten Choreographie &bdquo;Gods and Dogs&ldquo; die unsichtbaren Grenzen zwischen Normalität und Verrücktheit, zwischen Gesundheit und Krankheit. Zur Musik von Beethoven und von Kyliáns &bdquo;Leibkomponist&ldquo; Dirk Haubrich überzeugten die Akteure mit ihrer gleichermaßen unkonventionellen wie ausdrucksstarken Bewegungssprache. Das von Atsushi Kitagawara entworfene Bühnenbild wurde durch das ausgefeilte Lightdesign von Kees Tjebbes verfeinert, der auf die Schnüre an der Rückwand eine Art Wasserfall zauberte. &bdquo;Jede neue Generation muss jene zwielichtigen Zonen der menschlichen Existenz neu für sich definieren. Dennoch ist sicher, dass jede Art von Entwicklung einen gesunden Schuss Verrücktheit braucht&ldquo;, resümiert Ji</span><span lang="EN-US">ří Kylián. Im Festspielhaus muss es gestern einen wahren Entwicklungsschub gegeben haben!</span></span></span></p><p><span style="font-size: small;"><span style="font-family: Arial,Geneva,Helvetica,Helv,sans-serif;"><span lang="EN-US" style="color: red;">&bdquo;Minus 16&ldquo;</span></span></span></p><p><span style="font-size: small;"><span style="font-family: Arial,Geneva,Helvetica,Helv,sans-serif;">Zu den witzigsten und phantasievollsten Choreographen des zeitgenössischen Tanzes zählt sicherlich der 1952 in einem israelischen Kibbutz geborene Choreograph und Tänzer Ohad Naharin, dessen 1999 uraufgeführtes Stück &bdquo;Minus 16&ldquo; zu den absoluten Hits des Nederlands Dans Theaters II zählt. In dieser tänzerischen Nummernrevue zu Musik von Dean Martin, zu Mambos, Cha-Cha-Cha und traditioneller israelischer Musik bleibt kein Auge trocken. Selten wird auf Tanzbühnen auf so hohem Niveau dermaßen liebevoll geblödelt, wird überschäumende Bewegungsfreude zur wahren Lebensfreude, an der man auch spontan aus dem Publikum geholte &bdquo;TanzpartnerInnen&ldquo; teilhaben lässt. Interessant auch, dass Naharin in diese Performance praktisch eins zu eins Versatzstücke aus dem Stück &bdquo;Deca Dance&ldquo;, das er als künstlerischer Leiter der Batsheva Dance Company Tel Aviv geschrieben hatte, einbaut. Dadurch wurden durch den Riesenspaß mit dem Nederlands Dans Theater II gleich auch noch schöne Erinnerungen an den gloriosen Auftritt des israelischen Ensembles beim Bregenzer Frühling 2001 geweckt.</span></span><span style="font-size: larger;"> </span></p><p><span style="font-size: small;">&nbsp;</span></p></p>
]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Peter Füssl</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2010-05-02T19:10:10Z</dc:date>
    <dc:type>Kritik</dc:type>
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