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Da ist Bernhard Lampert, dem ungemein rührigen Gründer und Organisator des Vorarlberger Barockorchesters „Concerto Stella Matutina“, ein toller Coup gelungen. Er konnte den weitum anerkannten Barockexperten und Ö1-Moderator Bernhard Trebuch aus Wien von den außerordentlichen Qualitäten seines Ensembles überzeugen. Die Folgen: „CSM“ werden am Pfingstwochenende zu den von Trebuch kuratierten Internationalen Barocktagen im Stift Melk eingeladen, Mitschnitte ihrer Konzerte sind in nächster Zeit nicht mehr nur im Lokalprogramm von Radio Vorarlberg, sondern gleich zwei Mal auch im nationalen Kulturprogramm Österreich 1 zu hören (Hinweise am Ende dieses Beitrages).
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Das vorletzte Abonnementkonzert der Reihe „DornbirnKlassik“ ermöglichte eine Begegnung mit dem außergewöhnlichen Pianisten Antoine Françoise, der Ravels Klavierkonzert in G-Dur in einem farbenreichen Spiel humorvoll und virtuos interpretierte. Enthusiastisch musizierte die Artur Rubinstein-Philharmonie Lodz Smetanas „Moldau“ und die 6. Sinfonie von Peter I. Tschaikowsky und betonte in ihren Werkdeutungen viel mehr die große Linie als die detailreichen Facetten und Inhalte der Kompositionen.
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Nachdem sich Anfang des Jahres die Wege von Michael Löbl und dem Symphonieorchester Vorarlberg getrennt haben, wurde die Stelle des Geschäftsführers umgehend ausgeschrieben. Aus vierundvierzig Bewerbungen erhielt der Salzburger Kulturmanager und ehemaliger Profimusiker Thomas Heißbauer den Zuschlag und wurde als neuer Mann in dieser für die Musikszene des Landes bedeutenden Stelle vorgestellt. Derzeit ist der 45-Jährige beim Mozarteumorchester in Salzbug für die Orchesterdisposition und im Projektmanagement für kulturelle Bildung tätig. Ab September 2013 wird er für die Geschicke des Symphonieorchesters Vorarlberg (Mit)Verantwortung tragen.
Im Interview mit Silvia Thurner erzählt Thomas Heißbauer von seinen Plänen, erinnert sich an MusikerInnen des SOVs, erwähnt die Musikvermittlung als sein Herzensanliegen und gibt Einblicke in die zukünftigen Vorhaben des Symphonieorchesters.
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Baz Luhrmann („Moulin Rouge!“) ist der Orgiast unter den Hollywood-Regisseuren. Rauschhafte Kamera und Farbspiele drohen schon zum Selbstzweck zu werden, bis gegen Ende doch noch der tragische Kern dieser Erzählung zum Vorschein kommt.
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Mit „Little Alien“ zeigt das Theater am Saumarkt diese Woche einen Dokumentarfilm über „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“. Die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm verschwimmen dagegen in Tizza Covis und Rainer Frimmels „Der Glanz des Tages“, der vom Filmforum Bregenz gezeigt wird.
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Unzählige Menschen ließen sich schon von der Musik des 58-jährigen Turiner Komponisten Ludovico Einaudi gefangen nehmen – manche, ohne es zu realisieren: etwa all die Kinogänger, die sich für „Ziemlich beste Freunde“ begeisterten. Denn die Filmmusik ist eines der Genres, in denen sich der ausgebildete Klassiker, Schüler und spätere Assistent des großen Avantgarde-Komponisten Luciano Berio und Pop/Rock-Musik-Fan besonders wohlfühlt.
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Der “Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige AutorInnen nichtdeutscher Muttersprache”, der auf eine Idee von Michael Köhlmeier zurückgeht, wird alle zwei Jahre international ausgeschrieben. Dafür konnten unveröffentlichte Prosatexte, die nicht nur migrantische Fragen behandeln, eingereicht werden, sondern die in freier Themenwahl das Ineinandergreifen verschiedener kultureller Traditionen und biographischer Prägungen vor dem Hintergrund einer sich ständig wandelnden Gegenwart thematisieren. In diesem Jahr sind 153 Einsendungen fristgerecht eingelangt.
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Es war ein Unfall, daran besteht kein Zweifel. Aber wenn ein Lehrer mit seinen Schülern auf Klassenfahrt geht, übernimmt er eben Verantwortung. Wie weit geht die? „Assmarragg“ hat Simon gemurmelt, bevor er starb, und das war sein gemeinsames Wort mit Lisa, das wäre für die beiden Schüler der Beginn ihrer Liebe gewesen. Fabian Oppolzer legt mit seinem Roman „Kein böses Kind“ eine beeindruckende Erkundung von Schuld und Mitschuld vor.
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Sie sind einfach gut. Sehr gut. Exzellent. Superb. Aber alle Adjektive können nur umschreiben, was Igudesman & Joo im Konzertsaal bieten. Ihr stupendes Können am Piano und an der Violine bescherte dem Publikum im Schaaner SAL ein Konzert der Extraklasse. Ihr Humor begeisterte das Publikum.
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Nach mehr als 40 Büchern und 50 Alben blickt der norwegische Pianist, Komponist und Schriftsteller Ketil Bjørnstad auf seine frühen Einflüsse zurück, zu denen Miles Davis ebenso zählte wie die Filmemacher Godard, Bresson oder Antonioni. Letzterem widmet er nun eine ganz besondere Hommage, die unter Mitwirkung eines Allstar-Ensembles mit Saxophonist Andy Sheppard, Cellistin Anja Lechner, Gitarrist und Elektroniker Eivind Aarset, Kontrabassist Arild Andersen und Perkussionistin Marilyn Mazur beim norwegischen Molde Jazz Festival vor zwei Jahren live eingespielt wurde.
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Da hat aber die Chopin-Gesellschaft Vorarlberg ihrem „genius loci“ einen ordentlichen Bärendienst erwiesen. Und die spärlichen Zuhörer ihres Klavierabends am Freitag im Feldkircher Pförtnerhaus zudem in ein Wechselbad der Gefühle gesteckt. Mit dem Polen Marek Tomaszewski wurde ein Pianist engagiert, der vieles spielen kann – nur nicht Chopin. Bei seinem Versuch, das auf Wunsch des Veranstalters trotzdem zu tun, kam er über das Niveau eines mittelmäßig begabten Barpianisten nicht hinaus.
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Mit Gerhard Klocker und David Murray zeigt die Dornbirner Galerie C.Art derzeit zwei fotografische Positionen, die konzeptionell und formal sehr unterschiedlich angelegt sind. Die Ausstellungen „Souvenirs“ (Klocker) und „All you want“ (Murray) sind daher auch eher als zwei Einzelausstellungen zu lesen, denn als eine Gemeinschaftsschau. Das wird auch durch die räumliche respektive stockwerkliche Trennung der beiden Statements demonstriert, auch wenn sich die beiden Fotografen für einmal einem ähnlichen Thema widmen, nämlich der Behauptung des Klischees in Alltag, Werbung und Freizeit.
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Mia Wasakowski wird als Mädchen vom Land erwachsen. Der Besuch ihres seltsamen Onkels, mit dem sie eine Vorliebe zur Gewalt verbindet, ist dabei nicht unwesentlich. Coming-of-Age als blutiges Abenteuer, in dem Tod, Erotik und Mut zum Kitsch die Energiequellen bilden.
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So frug einst der längst verblichene Heinz Conrads in einer Radiosendung und meinte damit keineswegs originäre Musikströmungen abseits des Mainstreams. Die sechste Auflage des Soundsnoise Festivals geht im Spielboden glücklicherweise genau dieser Frage nach und füllt damit eine Lücke im regulären Festival-Betrieb. Vorneweg: Das Festival dauert noch bis Samstag, ein Besuch ist dem geneigten Leser dringend anempfohlen!
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Im Heerbrugger Kino Madlen läuft diese Woche das Dokudrama „Verliebte Feinde“, in dem Werner Schweizer die Beziehung und die gesellschaftspolitischen Aktivitäten der Schweizer Feministin Iris von Roten und ihres Ehemanns Peter von Roten nachzeichnet. Der FKC Dornbirn zeigt dagegen Margarethe von Trottas „Hannah Arendt“, der auf dem Eichmann-Prozess und den daraus resultierenden Gedanken der deutschen Philosophin fokussiert.