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06.04.2020 |  Manuela Schwaerzler

Auswirkungen der COVID-19-Maßnahmen auf Vorarlbergs Kultureinrichtungen und Kulturakteur*innen

Wenige Tage bevor verkündet wurde, dass die COVID-19-Maßnahmen verlängert werden und damit Veranstaltungen bis Ende Juni untersagt sind, veröffentlichte die IG Kultur die Ergebnisse ihrer bundesweiten Umfrage zu den Auswirkungen auf unabhängige Kulturvereine und -einrichtungen. Bis Ostern sind über 4.000 Veranstaltungen betroffen, schon jetzt wird der Schaden mit mindestens 4,5 Mio. Euro beziffert, in Vorarlberg beläuft er sich auf mindestens 184.000 Euro. Mit der nun geltenden Verlängerung werden diese Zahlen stark ansteigen.

In den letzten zwei Märzwochen sammelte die IG Kultur Österreich Daten im Rahmen einer freiwilligen Umfrage. Bundesweit nahmen 368 unabhängigen Kulturvereinen und -einrichtungen teil, 7 % davon aus Vorarlberg. Als Referenz für die Angaben galt die damalige Rechtslage, also die vorläufig bis 13. April geltenden COVID-19-Einschränkungen.
Die Situation und demensprechend auch die Rückmeldungen von Vorarlberger Kultureinrichtungen waren divers. Abhängig von den geplanten Programmen oder Projekten und je nach Zeitpunkt der Durchführung, Anzahl und Herkunft/Anreise der beteiligten Personen, Anstellungsverhältnis und Finanzierungsplan variieren die Auswirkungen.

Unterstützungsmöglichkeiten fehlen (noch)

Folgende Aussagen gab es in Vorarlberg in Bezug auf mögliche Unterstützungen:
·  55 % würden von einem Erlass der Mietkosten profitieren
·  27% können oder wollen das Corona-Kurzarbeitsmodell nutzen
·  23% würden von einer Herabsetzung oder Stundung der Sozialversicherungsbeiträge profitieren
·  27% erhoffen sich Erleichterungen durch eine Herabsetzung der AKM-Gebühren
·  14% würden von einer Herabsetzung oder Stundung der Steuervorauszahlungen profitieren
Finanzielle Unterstützung in Form von Soforthilfe von Seiten des Bundes gibt es für autonome Kultureinrichtungen bislang noch nicht. Große Unsicherheiten entstehen vor allem für jene, die noch keine Förderzusagen auf eingereichte Anträge erhielten. Die IG Kultur Vorarlberg hat in Zusammenarbeit mit der IG Freie Theater/Vorarlberg und der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs einen Fragenkatalog erarbeitet und ihn Landesrätin Barbara Schöbi-Fink mit der Bitte um Beantwortung vorgelegt. Besonders wichtig ist dabei auch die Frage, welche Hilfe es für Kulturakteur*innen und Einrichtungen geben wird, die nicht im Förderwesen berücksichtigt sind oder den aktuellen Bedingungen für Unterstützung aus den COVID-19-Fonds nicht entsprechen. Die Interessensvertretungen fordern dringend niederschwellig angelegte und unmittelbare Unterstützungsmaßnahmen wie sie in anderen Bundesländern bereits angeboten werden, so zum Beispiel das Arbeitsstipendium der Stadt Wien oder der Soforthilfe für Kulturakteur*innen in Salzburg und Steiermark.

„Kunst- und Kulturarbeit passt nicht ins Raster“

„Es wird wieder klar, dass Kunst- und Kulturschaffende in so vielen verschiedenen Strukturen ihr Geld verdienen, mal angestellt, mal freiberuflich, mal als Unternehmer*in, und dass sie deshalb unendlich große Mühe haben, zu einem der inzwischen etablierten Unterstützungstöpfe zugelassen werden zu werden. Kunst- und Kulturarbeit passt nicht ins Raster“, konstatiert Barbara Herold, Bundeslandsprecherin der IG Freie Theater.
Ob abgesagt, verschoben oder neu konzipiert, das Veranstaltungsverbot bedeutet nicht, dass damit weniger Arbeit anfällt, sicher jedoch weniger Geld zu den Akteur*innen kommt.

Wie geht es weiter?

Bundesweit geht die IG Kultur von ca. 10% der Kultureinrichtungen aus, für die bislang kein finanzieller Schaden entstand, da sie entweder ausschließlich ehrenamtlich arbeiten und/oder keine Veranstaltungen bis Mitte April geplant hatten. Mit der Verlängerung des Veranstaltungsverbots wird dieser Prozentsatz sehr stark sinken. Die Interessensvertretung rechnet damit, dass bis Ende Juni ca. 9.300 Veranstaltungen betroffen sind, und schätzt den finanziellen Schaden auf ca. 8,5 Mio. Euro.
Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, appelliert an die Landesregierung, die faktenbasierte Erhebung ernst zu nehmen, die „gesamte Kunst- und Kulturszene Vorarlbergs inklusive der gemeinnützigen und oft ehrenamtlich tätigen Vereine und der Kunst- und Kulturschaffenden, die noch nicht gefördert oder berücksichtigt wurden, sollte doch mit dem zusätzlichen Unterstützungspaket des Landes von über 100 Millionen Euro ebenfalls aufgefangen und am Leben erhalten werden können.“
Bleibt zu hoffen, dass es bald eine (erfreuliche) Antwort von Landesrätin Barbara Schöbi-Fink gibt.

Detaillierte Ergebnisse zur Datenerhebung der IG Kultur Österreich finden Sie hier: https://igkultur.at/artikel/zahlen-daten-fakten-auswirkungen-von-covid-19-auf-unabhaengige-kulturvereine

Den Bericht der IG Kultur Vorarlberg gibt's hier: https://igkultur.at/artikel/covid-19-und-seine-auswirkungen-auf-vorarlbergs-kultureinrichtungen-und-kulturakteurinnen?bundesland=vorarlberg

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