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30.12.2021 |  Manuela Cibulka

Alegría- es war mir eine Freude! Eine Kurzkritik zur Premiere von "Frida - Viva la Vida"

Von der heutigen Premiere im Vorarlberger Landestheater (Box) beindruckt ob der Intensität, der Kreativität, dem Mut und der Kraft dreier junger Frauen, deren Vision es war, Frida Kahlos Seele auf die Bühne zu bringen, kann berichtet werden, dass es ihnen gelungen ist. Wer diese beeindruckende Künstlerpersönlichkeit besser kennenlernen möchte, dem sei der Besuch der Aufführung am Vorarlberger Landestheater dringend empfohlen.

Dass die Box ein ganz besonderes Theatererlebnis bietet, ist allen, die bereits Theater "hautnah" erlebt haben, bewusst. Nähe erzeugt Intensität und man muss gewappnet sein vor Positivem aber auch Befremdlichem oder Unangenehmem. Bei dieser Aufführung kann man aber nicht genug nah dran sein an allem, was passiert auf der Bühne, gehalten in weiß mit wenigen, gezielt eingesetzten und sehr stimmig abgestimmten Requisiten. Alles hat nicht nur eine Bedeutung. So steht eine aufgeplatzte Melone für den durchdrungenen Unterleib, für Fehlgeburten, für das fließende Blut oder das lockende Mädchenfleisch, ein Tisch ist nicht nur ein solcher, sondern auch eine Brücke zwischen den Häusern, eine Wand, die bemalt werden soll, umgedreht ein Bett voller Leiden oder an den Tischbeinen baumelnd ein Behelf, um Fridas Wirbelsäule gerade zu richten. Begleitet werden die Aktionen um und mit diesen Requisiten von sparsam eingesetzter Musik (sehr passend das zerbrechliche Glasspiel) und gut durchdachtem Licht- und Schattenspiel.

Alleine und doch nicht alleine auf der Bühne

Über allem schwebt ein fragiles Mobile, bestehend aus einem Sakko und einem weißen Kleid, das von innen zu leuchten scheint. Auf der einen Seite Diego Rivera, jener Mann, den Frida Kahlo zweimal heiratete und ohne den sie, trotz gegenseitiger Verletzungen und Untreue nicht sein konnte. Auf der anderen Seite die kleine Freundin, die Gespielin der Träume, jene Frida ohne Schmerzen, die tanzt und lacht. Eine gelungene Möglichkeit, Frida kommunizieren zu lassen und sie dem Publikum in den verschiedensten Facetten erlebbar zu machen. Und diese von Vivienne Causemann dargestellte Frida hat wirklich viele Gefühle zu bieten. Vom unglaublichen Schmerz - sowohl körperlich als auch seelisch - über ihre Hysterie und Entrüstung gegenüber dem überheblichen Kunstbetrieb bis hin zu ihrer politschen Vehemenz und Konsequenz. Vivienne Causemann lebt all diese Gefühle, sie scheint zu spüren, wo es schmerzt, zu empfinden, welche Verluste das Schicksal bereithalten kann und zu wissen, wie wichtig dabei das Arbeiten, das Malen und die damit verbundene Selbstdarstellung ist. Sie sprüht vor Kraft, schreit, wenn das Leben zum Schreien ist, wirft Tische um, wenn Knochen brechen, verhöhnt berühmte Künstlerpersönlichkeiten, wenn sie es verdienen und röhrt als Trotzki durch die Gießkanne. In all der Stärke gibt es aber auch Momente der Einsamkeit, der Schwäche, der Suche nach Schlaf und nach sich selbst. Und bei all diesen Empfindungen verwandelt sie sich, wird bemalt, befleckt, verschmiert, nass und zerzaust um sich wieder aufzurichten, die Lebensfarben mit Stolz zu tragen, ihre geflochtenen Haare hochzustecken und mit Blumen zu verzieren.

Frida bin nicht ich

In dieser guten Stunde verdichten sich sowohl der Text als auch das Spiel und besonders eindrücklich ist jener Moment, als Frida, auf der Bühne gespiegelt erkennt, dass jene von allen verehrte Frida eine Ikone mit Tränen, eine Maske und nicht sie selbst ist. Sie selbst ist jenes weiße Kleid, mit dem sie sich am Ende berockt und bekleidet und in dem sie tanzt und doch zerbricht.
Maria Lisa Huber, deren ganz besondere Nähe zu dem von ihrem Vater geschriebenen Monolog - der sich hervorragend für die Bühne eignet - offensichtlich ist, hinterlässt mit ihrer ersten Inszenierung Eindruck und gemeinsam mit Ramona Bereiter hat sie für die beeindruckende Schauspielerin Vivienne Causemann - oder sollen wir besser sagen für die beeindruckende Persönlichkeit Frida Kahlo - einen Rahmen voller Möglichkeiten geschaffen. Möglichkeiten zum Erfahren, zum Weiterdenken und Interpretieren - vor allem aber zum Mitfühlen. Und das ist es, was man sich vom Theater wünscht - dass es einen voll und ganz berührt.

weitere Aufführungen
7.1., 4.3., 5.3., 6.3., 8.3.,12.3.22, 19.30 Uhr
11.1.22, 18 Uhr
4.3., 8.3.22, 11.30 Uhr

Theater am Kornmarkt, Bregenz
www.landestheater.org

Im Licht der Nacht, im Moment der Suche - Frida Kahlo hat viele Gesichter (© Anja Köhler)

Im Licht der Nacht, im Moment der Suche - Frida Kahlo hat viele Gesichter (© Anja Köhler)

Vivienne Causemann - eine Frida, die man gesehen haben sollte (© Anja Köhler)

Vivienne Causemann - eine Frida, die man gesehen haben sollte (© Anja Köhler)

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  • Im Licht der Nacht, im Moment der Suche - Frida Kahlo hat viele Gesichter (© Anja Köhler) Im Licht der Nacht, im Moment der Suche - Frida Kahlo hat viele Gesichter (© Anja Köhler)
  • Vivienne Causemann - eine Frida, die man gesehen haben sollte (© Anja Köhler) Vivienne Causemann - eine Frida, die man gesehen haben sollte (© Anja Köhler)