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26.10.2013 |  Karlheinz Pichler

„Kultur wird nur noch instrumentalisiert“ - Interview mit dem scheidenden Kunstraum-Dornbirn-Chef Hans Dünser

Im Rahmen der Finissage der Ausstellung „Dornröschen“ von Gabriela Gerber und Lukas Bardill werden am 3. November (11 Uhr) im Kunstraum Dornbirn auch die Kataloge zu den letzten drei Ausstellungen (Jonathon Monk, Martin Walde, Gerber/Bardill) präsentiert. Danach geht der Kunstraum in die Winterpause. Die Katalogpräsentation ist gleichzeitig auch die letzte offizielle Aktion von Kunstraum-Chef Hans Dünser, denn der „Mr. Kunstraum“, der dieser Institution seit 1987 vorstand und damit ein gutes Vierteljahrhundert die Vorarlberger Kunstszene mitgeprägt hat, verabschiedet sich in den Ruhestand. Sein Nachfolger Thomas Häusle wird ab 1. Jänner 2014 die Leitung des Kunstraums übernehmen. Der „Rückzug“ war für KULTUR Anlass zu nachfolgendem Gespräch mit Hans Dünser. Das Interview führte Karlheinz Pichler.

Herr Dünser, Sie haben den Kunstraum Dornbirn 1987 mitgegründet und bis heute fast durchgehend geleitet. Nun ziehen Sie sich in den Ruhestand zurück. Geschieht dieser Rückzug mit Wehmut, - immerhin haben Sie ja das Kunstgeschehen in der Region mit Ihrer Tätigkeit mitgeprägt, oder mit der Vorfreude darauf, künftig ohne äußere Zwänge das Kunstgeschehen zu betrachten?
Wehmut hat mich noch nicht befallen – vielleicht kommt sie noch. Ich möchte eher etwas Distanz zur Kunst bekommen. Hin und wieder wird es mir schon bewusst, dass es fast schade ist, aufzuhören - jetzt, wo ich zu wissen glaube, wie der Hase läuft, wie ich taktisch und strategisch vorgehen muss, wo ich mir ein Netzwerk an Künstlern, Kuratoren, Helfern und Handwerkern aufgebaut habe, jetzt, wo ich mir ein System erarbeitet habe, wie ich so ein Projekt zeitsparend und machbar umsetzen kann. Ich habe den Kontakt zu Institutionen und Behörden, habe die Anerkennung und das Vertrauen der städtischen Politik und weiß wie Lobbying funktioniert.
Andererseits musste ich in den letzten Jahren viel Persönliches fallenlassen, ich habe den Kunstraum ja neben meiner beruflichen Tätigkeit aufgebaut, da blieb nicht viel Zeit für zusätzliche private Interessen. Ich hatte auch hin und wieder schlaflose Nächte, denn ich war ja auf mich selbst gestellt. Ich freue mich jetzt schon, keine Verantwortung, keinen Zeitdruck und keinen Stress mehr zu haben, einfach nur dabei zu sein, Zeit um Kultur und Kunst zu konsumieren und zu genießen.
Ursprünglich verfolgte der Kunstraum auch den Zweck einer Art Kunstschule. Es wurden über einen längeren Zeitraum Kunstworkshops und Lehrgänge angeboten. Erst im Laufe der Jahre schärfte der Kunstraum sein Profil in Richtung Experimentierraum für zeitgenössische Kunst, vor allem internationale Kunst. Warum hat das Konzept, ausbildnerische Kunstvermittlung anzubieten, nicht gegriffen? Lag es am geringen Interesse oder war einfach der Aufwand dafür zu groß?
Nun, das ist vielleicht etwas zu kurz gegriffen, das muss man etwas differenzierter sehen. Die Kurse und Seminare waren ein Teilaspekt des Kunstraum–Starts und ein strategisch wichtiges Instrument. Die Seminare waren zum einen gedacht als „Vermittlungsinstrument“. Es gab dazu ja auch Theorie, Vortragsveranstaltungen und Diskussionen. Für viele war diese Ausbildungsmöglichkeit im Lande eine willkommene Möglichkeit einer eigenen künstlerischen  Betätigung. Ich war auch der Meinung, über das selbsttätige Tun zum Kunstinteresse hinführen zu können. (Was sich später als Fehleinschätzung herausstellen sollte, denn die Seminarbesucher waren an konzeptiver Kunst nicht interessiert und nicht die erhofften Ausstellungsbesucher).
Zum anderen war die „Kunstschule“ als quasi Pendant zur Musikschule ein willkommener Einstieg bei der Stadt. Die  Seminare haben sich ja bis auf die Raummieten finanziell selbst getragen. Anfänglich wurde in Schulen und Räumen verstreut über die ganze Stadt gearbeitet. Übrigens wurden diese Seminare bis zum Umzug vor 10 Jahren  in die Montagehalle durchgehend geplant und dann durchgeführt. Im Glöggelehaus auf dem Hämmerleareal in Steinebach hatten wir Seminarräumlichkeiten und offene Ateliers für die Teilnehmer angemietet.

Der Aufwand war, da haben Sie Recht,  natürlich immens groß. Es wurde ein Frühjahrs- und Herbstprogramm angeboten, an dem bis zu 500 Personen pro Semester teilnahmen. Die „Kunstraum-Seminare“ haben auch Schule gemacht: Für viele  Vorarlberger Künstler waren die Seminarhonorare Teil ihres Einkommens und konnten sich damit zumindest die Miete für das Atelier zahlen. Landauf und landab wurden plötzlich Seminare und Kurse angeboten.  Auch die Liechtensteiner Kunstschule hat sich unser System sehr genau angeschaut. Da sahen wir unsere Aufgabe erfüllt und zogen uns von dieser Aufgabe zurück, um uns in der Montagehalle auf den Bereich Ausstellung konzentrieren zu können. Am Interesse ist es nicht gelegen.

Location mit Ausstrahlung


Der Kunstraum ist vor gut 10 Jahren in die Montagehalle der ehemaligen Rüschwerke übersiedelt. Damit konnte eine Location gewonnen werden, die über eine immense Ausstrahlung verfügt und nicht nur seitens der Künstlerschaft, sondern auch beim Publikum hoch geschätzt wird. Wie ist es dem Kunstraum damals gelungen, diese riesige, roh belassene Industriehalle für sich zu erobern?
Nun, der Kunstraum Dornbirn war mit dem VAI und der FH in der Alten Textilschule untergebracht. Es gab die Idee einer Brückenfunktion von Kunst und Kultur zwischen Studenten und der Stadt. Das schnelle Wachsen der Schule und entsprechender Raumbedarf machten unseren Auszug notwendig. Die Naturschau hatte sich gerade zu diesere Zeit zur „Inatura“ gewandelt und in den Rüschwerken angesiedelt. Die ehemalige Montagehalle hatte in dieser neuen Situation noch keine Funktion. Wir waren auf Standortsuche und mit Unterstützung durch ein international besetztes Beiratstrio (Tobias Bezzola, Marion Piffer-Damiani und Gerald Matt) und dem neuen Dornbirner Kulturamtsleiter Roland Jörg konnte der Bürgermeister überzeugt werden, dem KRD diese Halle für den Ausstellungsbereich zur Verfügung zu stellen.
Was schätzen Sie selber besonders an diesem Ort der Kunst?
Da ist zum einen die topografische Lage in der Stadt, die Wertigkeit in der Stadt aufzeigt, die Lage neben einem anderen Museumsbetrieb, eben der Inatura. Ich liebe dieses unscheinbare Äußere, ein einfacher Quader mit einem deckelartigen Satteldach, ein Äußeres, das nicht im Geringsten das Innere andeutet. Und dann natürlich der Innenraum, der dem Eintretenden ein „Wow“ herauslockt.
Der Raum erzählt ein Stück Industriegeschichte, trotzdem hat er durch Symmetrie und die obere Fensterreihe, ähnlich den Lichtgaden einer Basilika, fast sakralen Charakter. Bemerkenswert ist auch der Lichteinfall von allen vier Seiten und vor allem die Proportion von 30 : 15 : 11. Ideal ist auch die Möglichkeit, die Halle mit allem denkbaren Gerät für den Aufbau zu befahren. Alle Kunst kann hier nicht ausgestellt werden, der Raum erfordert besondere Behandlung.

Understatement


Wenn man die Ausstellungshistorie des Kunstraums Revue passieren lässt, so stößt man auf Kaliber, die jeder internationalen Kunsthalle zur Ehre gereichen würden. Verwiesen sei etwa auf die Ausstellungen von  Peter Buggenhout („Caterpillar logic“), Erwin Wurm („Narrow House“), Not Vital („Lasst 100 Blumen blühen“), Tue Greenfort („Eine Berggeschichte“) oder Roman Signers Installation „Unfall als Skulptur“, um nur einige zu nennen. Nach welchen Kriterien haben Sie die Kunstschaffenden ausgewählt und welche Ausstellung stand Ihnen persönlich von allen am nächsten?
Ja, „Kunsthalle“ klingt gut – eine Namensänderung würde dem Kunstraum mit dieser Ausstellungshalle ja zustehen, aber Understatement ist mir hin und wieder zu Hilfe gekommen, wenn die Künstler eine Museumsinstitution mit 30 Mitarbeitern erwarteten, wir aber nur 2 Halbtagskräfte waren. Es gibt einen inhaltlichen Fokus, eine thematische Ausrichtung der Ausstellungen – eben vor allem im Hinblick auf die Nachbarschaft der „Inatura“- das Thema Kunst und Natur. Die von mir ausgewählten Künstler beschäftigen sich ausschließlich mit dem Themenkreis  und haben dazu eine  entsprechende Umsetzungsart. Manche Künstler habe ich jahrelang beobachtet und dann erst für eine Ausstellung angefragt. Kriterium war auch, dass die Arbeit für diesen Ort und vor Ort entstehen musste, der Künstler auch anwesend sein musste.

Meist sind aus dieser Zusammenarbeit persönliche Freundschaften entstanden, wenn man sich irgendwo wieder trifft, ist das immer eine große Freude. Ich beobachte auch deren Weiterentwicklung und besuche deren Ausstellungen wo´s geht.
Von den Ausstellungen liegen einem die problematischsten und chaotischsten meist am Herzen, ich denke aber gerne an Jan Kopps „Endloses Spiel“, einer ruhigen, leicht verständlichen aber trotzdem äußerst spannenden Arbeit mit Foucaultschen Pendeln und Glaskugeln auf einem ovalen, weißen Podest zurück.

Die Ausstellungen im Kunstraum Dornbirn scheinen immer wieder einen enormen logistischen Aufwand mit sich gebracht zu haben. Welche Ausstellung hat Sie diesbezüglich am meisten gefordert? Haben Sie immer über ein entsprechend eingespieltes und motiviertes Team verfügt, um solche Großprojekte durchziehen zu können?
Es war jedes Mal ein neues, jedes Mal ein anderes Abenteuer. Der logistische Aufwand war ja noch in den Griff zu bekommen. Oft kam der Zeitaspekt in den Vordergrund, denn manchmal wusste ich drei Monate vor Eröffnung noch nicht, was da kommen wird. Oft waren die Vorstellungen der Künstler problematisch und nicht realisierbar, vielfach auch nicht finanzierbar. Mit Zeichnungen, Skizzen, Plänen und mit Modellen für Lösungsvorschläge habe ich mit ihnen kommuniziert und Lösungen gesucht.

Ich habe heute noch keine wiederkehrende Aufbau-Mannschaft, ohne Mithilfe des Bauhofes wäre es allerdings in den wenigsten Fällen gegangen. Hier hat sich ein kleines Team  herausgebildet, das mitdenkt und Lösungsvorschläge bei der Umsetzung macht. Immer musste ich natürlich selbst auch Hand anlegen und wenn sich niemand auf die schwankende Hebebühne für Arbeiten in zehn Meter Höhe an die Decke traute, dann musste ich dies halt selbst erledigen. Ich habe das aber auch gerne gemacht.

Vermittlungskonzept


Wie war die Resonanz seitens der Öffentlichkeit auf die Ausstellungen? Haben die Besucherzahlen konstant zugenommen und standen Sie im Laufe der Jahre nie unter „Quotendruck“ seitens der Stadtväter von Dornbirn?
Die Resonanz war natürlich anfänglich abwartend, alle waren neugierig, was da kommen wird. Es braucht halt alles seine Zeit. Heuer haben wir mit unserem Halbjahresprogramm (die Halle ist im Winter ja nicht bespielbar) über 10.000 tatsächliche Besucher. Das ist für Ausstellungen im zeitgenössischen Bereich eine äußerst hohe Anzahl. Ich habe immer auch Wert darauf gelegt, dass die Ausstellungen verständlich gemacht werden und wir haben dies, jederzeit abrufbar, mit Videos vor Ort getan. Seit zwei Jahren gibt es von mir ein Vermittlungskonzept und wir bemühen uns besonders um den Schulbereich. Dr. Oswald von der pädagogischen Hochschule in Weingarten macht für jede Ausstellung ein altersgerechtes Werkheft für den Unterrichtsgebrauch vom Kindergarten bis zur Matura.
Diese Arbeit ist den „Stadtvätern“ auch bewusst. Von politischer Seite der Stadt gab es nie Druck oder einen Versuch von Einflussnahme. Ganz im Gegenteil – ich versuche Sinnhaftigkeit und „Nutzen und Folgen von Kunst“ verständlich zu machen. Dass für manche politischen Parteien das Programm zu elitär und der Kunstraum finanziell zu bevorzugt erscheint,  ist ja politisch auch verständlich.

Bis auf wenige Ausnahmen sind Sie ein internationales Programm gefahren. Gibt es im Lande zu wenig gute KünstlerInnen, um öfters auf heimische Kunstschaffende zurückzugreifen?
Auswahlkriterium bei den Künstlern ist, wie gesagt, nicht die Frage, ob er/sie zum Thema schon mal was gemacht hat, sondern ob der Ansatz Natur es sein/ihr zentrales Thema der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Welt ist. Es gibt natürlich auch das Kriterium der Region, allerdings über nationale Abgrenzungen hinaus gesehen. Ich habe auch mit Künstlern  der Region gearbeitet. Ich möchte hier an den verstorbenen Franz Huemer, Mathias Kessler oder Alfred Graf hinweisen, aber auch an Roman Signer und Gerber & Bardill.
Grundsatz für mich war auch immer, keiner Galerie oder anderen Ausstellungshäusern im Lande eine Konkurrenz aufbauen.

Sie haben das Kunstgeschehen im Land über 25 Jahre mitgeprägt. Wie schätzen Sie die Qualität der heimischen Künstler ein, von denen eigentlich nur wenigen wirklich der Sprung in den internationalen Kunstmarkt gelingt?
Die Qualitätsfrage ist ja nicht neu. Dazu möchte ich als Bild den Fußballsport mit regionaler Liga, nationaler, Europaleague und der Championsleague bemühen. Da liegen halt zwischen diesen Ebenen auch Welten – und wir stecken einiges Geld in den Sport und haben nicht einmal auf nationaler Ebene eine Mannschaft.
Wir leben hier auf dem Lande, in der Provinz - so ist meist auch das Denken. Große Zeitthemen werden hier nicht besprochen. Einen Denkzentrum wie eine Universität haben unsere Politiker in den Sechziger/Siebzigerjahren verabsäumt zu installieren und aufzubauen.
Künstler brauchen auch Reibungsflächen. Bei uns ist alles glatt. Große Künstler werden aber auch gemacht. Dazu braucht es Museen, Ausstellungsräume, Kuratoren, Kunstkritiker, Kunsttheoretiker, Zeitschriften, eine Szene. Das gibt es alles hier nicht. Da bleibt, um Erfolg zu haben, nur das Weggehen. Gute Leute werden von den Zentren sozusagen abgesaugt. Hochachtung vor denen, die es von hier aus schaffen.

"Höchste Bestimmung des Geistes"


Auffallend ist, dass im Land nur wenige Kunstschaffende tatsächlich von der Kunst leben können. Vorarlberg ist offenbar kein Käuferland. Das wird auch von den Galeristen bestätigt. Warum ist das Kaufinteresse im Land so gering?
Da möchte ich zwei Aspekte anführen. Ich glaube, dass es hier nicht viel anders ist, als in anderen Gegenden.  Es gibt eine Menge an Sammlern bei uns, nur kaufen diese zum einen wenig einheimische Künstler, zum anderen auch nicht in einheimischen Galerien. Das mag an den Sammlungszielen liegen, es kann aber auch ein Mangel an Wissen und Urteilskraft sein. Bei internationalen und erfolgreichen Galerien glaubt man eine Garantie für gute Kunst zu haben.
Es gibt auch keine Vorbildwirkung von öffentlicher Hand. Es bräuchte ein Kunstmuseum um den „Kunstacker“ zu bestellen, das die Wertigkeit der künstlerischen Tätigkeit im Lande nicht nur aufzeigt, sondern als öffentliches Gut managt und gezielt sammelt.
Solange unsere Kunst im Gang eines historischen Museums das Vorbeigehen unterhält, wird es dafür auch keine Anerkennung in der Bevölkerung geben, und solange das Kunstankaufsbudget nur für Ankäufe im Gießkannenprinzip reicht, wird bei der Bevölkerung auch keine Sammelwut ausbrechen.
Kunst neben Philosophie und Literatur als „höchste Bestimmung des Geistes“, wie es Kant sagte, ist bei unserer politischen Führung nicht als anzustrebendes Ziel bewusst geworden. Vielleicht wird es noch. Es  muss noch viel Vorarbeit gemacht werden.

Touristische Anziehungskraft


Bei uns waren ja grad erst Nationalratswahlen. Es war frappant offenkundig, dass im Wahlkampf österreichweit wie auch in Vorarlberg nicht ein einziges Mal das Wörtchen „Kultur“ gefallen ist. Warum ist seitens der Politik absolut kein Interesse an der Kultur spürbar? Warum wird sie nur als Anhängsel gesehen?
Kultur wird nur mehr instrumentalisiert – als touristische Anziehungskraft, als gesellschaftliche Attitüde, als Wirtschaftsfaktor. Kultur hat nur mehr „Produktwert“. Es fehlt der Kulturnachwuchs, denn Bildung hat keinen Stellenwert mehr, Ausbildung ist das Rezept (der Wirtschaft). Kultur ist kein öffentliches Gut mehr und nur mehr von Minderheiten gefordert, daher politisch uninteressant.
Wären Sie dafür, dass es wieder ein eigenes Ministerium für Kunst und Kultur gäbe? Die Kulturschaffenden fühlen sich politisch ja längst nicht mehr adäquat vertreten.
Was nützt ein Ministerium ohne entsprechende Führung? So lange dieses als „Proberaum“ für politische Aufsteiger verwendet wird, hat das keinen Sinn. Kultur muss man gelebt haben, um sie als Bedürfnis zu empfinden. Wie will so ein quereinsteigender Minister das Vertrauen der Kunstszene erhalten? Sagen Sie mir den letzten „Kulturminister“, der aus der Kulturecke kam, der diese Qualifizierung hatte? Diese Person sollte gestalten können und nicht Kulturbetriebe und Budgets verwalten.

Üblicherweise tritt man in den Ruhestand, um endlich diejenigen persönlichen Ziele zu verwirklichen, die auf der langen Bank geschlummert haben. Sie haben sich im Zuge Ihrer Kunstraum-Leitung sicher ein gewaltiges Netzwerk in der Kunstszene erarbeitet. Es ist nicht anzunehmen, dass Sie dieses Netzwerk von heute auf morgen den Bach runter laufen lassen werden. Welche Ziele wollen Sie also in diesem Bereich weiter verfolgen? Ist damit zu rechnen, dass Hans Dünser auch in Zukunft künstlerische Projeke realisiert, etwa als freier Kurator, oder wollen Sie sich künftig tatsächlich auf die Betrachterrolle beschränken?
Es gibt viel im privaten Bereich nachzuholen. Ich kann mir eine Zeit ohne Verantwortung, ohne Risiko ohne Termine gut vorstellen. Der Genuss ist in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen. Es gibt auch private Projekte, die mir sicherlich genauso Spaß machen – nur werde ich diese nicht mehr so obsessiv betreiben.
Ich glaube, dass wir auch jungen Kunsthistorikern zum Beispiel die Chance geben sollten, im Land eine Existenz aufbauen zu können. Sie machen es wahrscheinlich anders, aber sicherlich auch genauso gut. Ich könnte mir vorstellen im Hintergrund mit meinen Erfahrungen behilflich zu sein. Nur möchte ich nicht als alter Besserwisser erscheinen, aber auch nicht als Herr „Künscht mir net“.

Hans Dünser beim Einrichten einer Ausstellung

Hans Dünser beim Einrichten einer Ausstellung

Hans Dünser in seinem Home-Office

Hans Dünser in seinem Home-Office

Blick in die von Hans Dünser organisierte Peter-Buggenhout-Ausstellung "Caterpillar"

Blick in die von Hans Dünser organisierte Peter-Buggenhout-Ausstellung "Caterpillar"

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