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20.10.2016 |  Karlheinz Pichler

Aktuelle Brisanz und Erinnerung – KUB-Chef Thomas D. Trummer präsentiert das Jahresprogramm 2017

Thomas D. Trummer amtet seit Mai 2015 als Direktor des Kunsthauses Bregenz (KUB). Nun präsentiert er sein zweites Jahresprogramm. Ausstellungen, die zeitaktuelle Fragen aufgreifen, wie es in diesem Jahr etwa bei den Werkschauen von Susan Philipsz, Theaster Gates oder Wael Shawky der Fall war, sollen 2017 mit Rachel Rose und Adrian Villar Rojas fortgesetzt werden. Aber auch eine Einzelausstellung über Peter Zumthor ist angesagt, wird das KUB im nächsten Jahr doch 20 Jahre alt.

Schon bei seinem Amtsantritt hat KUB-Chef Thomas D. Trummer angekündigt, in Bregenz vor allem Kunst zu präsentieren, die aus dem spezifischen Ort heraus entsteht. Diese Vorgabe soll prolongiert werden. „Hier muss etwas Einmaliges entstehen, es reicht nicht, bereits Fertiges anzuliefern”, postuliert der Direktor. Evident werden soll dies bei der zweiten Ausstellung des kommenden Jahres, die der erst 36 Jahre alte Adrian Villar Rojas bestreiten wird (6. Mai bis 25. Juni 2017). Der Argentinier ist mit überdimensional großen Betonskulpturen bekannt geworden, wie zum Beispiel mit einem Wal in einem Wald in Patagonien, mit Dinosauriern, die Gebäudebalken tragen, oder anderen vorzeitlichen Tieren, die mit Lasten und Seetang beschwert aus dem Marmarameer auftauchen.

Kunst aus dem Ort heraus entwickeln

Die Walskulptur etwa, die Villar Rojas im Frühjahr 2009 für die Biennale im südargentinischen Ushuaia schuf, trägt den Titel „Meine tote Familie“ und stellt einen 28 Meter langen Koloss dar. Ein enigmatischer, beunruhigender Anblick. Seine Oberfläche ist von pockigen, narbenhaften Kratern bedeckt. Die Skulptur aus Holz, Ton und anderen Materialien wurde von Villar Rojas und einem fünfköpfigen Team in wochenlanger Arbeit erstellt. Kaum ein Tier steht so für die Imposanz und gleichzeitige Fragilität der Fauna der Ozeane wie der Wal, das größte lebende Säugetier der Welt: In Herman Melvilles Roman „Moby Dick“ kommt er als archetypischer Antagonist des Menschen daher, der sich zum Bezwinger der Natur aufschwingen will. In jüngster Zeit dagegen avanciert der Meeresgigant in Kampagnen von Umweltschützern zum Symbol für die bedrohte Natur.

Im Kunsthaus Bregenz wird sich Villar Rojas laut dem KUB-Chef mit dem KUB Gebäude beschäftigen, mit dem Beton des Hauses, aber auch mit dessen Geschichte. Aufgrund der Größe der Räume und ihrer Beschaffenheit, nämlich eben Gussbeton, seien sie prädestiniert für das Schaffen des Argentiniers.

Die jüngste Künstlerin

Das erste Ausstellungsprojekt ist jedoch der 1986 geborenen US-Künstlerin Rachel Rose gewidmet. Bislang hat noch nie eine derart junge Kunstschaffende das ganze Haus zur Verfügung gestellt bekommen. Rose gilt als DER Shootingstar der gegenwärtigen amerikanischen Kunstszene. Auch sie nimmt für ihre präzisen Videos einen konkreten räumlichen Bezug als Ausgangspunkt, gleichsam als Reverenz an modernes oder zeitgenössisches Bauen. Bekanntestes Beispiel ist ihr Video zu dem 1949 von Philipp Johnson in New Canaan, Connecticut, gebauten “Glass House”. Johnson, der Altmeister der modernistischen Architektur, taucht darin als weißlicher Schatten auf, als Ahnherr, der seine eigene Erfindung, ein völlig aus Glas bestehendes Gebäude, durchwandert.

“In ihren Werken erkennt man noch immer die einstige Malerin. Es sind Filme in Schichten, durchsichtig und milchig aufgebaut”, beschreibt der KUB-Chef die Arbeit der Künstlerin. In ihrer Arbeit für das Kunsthaus Bregenz soll Peter Zumthor einen Ausgangspunkt darstellen, aber auch die Wahrnehmung und die Erinnerungsfähigkeit im Zeitalter medialer Aufzeichnung und digitaler Distribution, lässt Trummer wissen.

Zumthor und seine "Orte”

Die Herbstausstellung dann gehört ganz dem Architekten des KUB, Peter Zumthor. Entstanden sei die Idee nach einem Besuch in Zumthors Atelier in Haldenstein in der Schweiz, erklärte Trummer. Der Künstler umgebe sich dort mit Dingen, die ihn inspirieren: mit Teppichen, Büchern, Bildern, Pflanzen und exotischen Gegenständen. “Raum ist für Zumthor eine Art sich in etwas einzufinden, was nicht greifbar aber erfahrbar ist”, betonte Trummer. Genau das sei bei dem Besuch ganz deutlich wahrnehmbar gewesen. Im KUB wird Zumthor über seine “Orte” sprechen, im obersten Stock werde ein Garten entstehen. In Anlehnung an den Bestseller von Jostein Gaarder zur Philosophiegeschichte (“Sophies Welt”) wird die Ausstellung “Zumthors Welt” heißen.

Die vierte Ausstellung ist noch offen

Das KUB präsentiert jedes Jahr vier Einzelausstellungen. Da sich die ursprünglich für den Spätherbst/Winter 2017 angesetzte Schau kurzfristig aber auf das Jahr 2018 verschoben habe, konnte KUB-Direktor Trummer bei der Präsentation des Programms 2017 am Donnerstag noch mit keinem Ersatznamen aufwarten. Sorgen, einen passenden Ersatz zu finden, habe er allerdings keine. “Ich war am vergangenen Wochenende in New York. Das hat mein Selbstbewusstsein enorm gestärkt”, konstatierte der KUB-Direktor. Das KUB gehöre definitiv “zu den Besten der Welt”, es werde deshalb eine “großartige vierte Ausstellung geben”, verspricht er.

KUB-Direktor Thomas D. Trummer setzt auf ortsspezifisches Kunstschaffen (Foto: Marcel Hagen, Studio 22)

KUB-Direktor Thomas D. Trummer setzt auf ortsspezifisches Kunstschaffen (Foto: Marcel Hagen, Studio 22)

Die jüngste Künstlerin, die je im KUB ausgestellt hat: Rachel Rose (Foto: Benjamin Barron)

Die jüngste Künstlerin, die je im KUB ausgestellt hat: Rachel Rose (Foto: Benjamin Barron)

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  • KUB-Direktor Thomas D. Trummer setzt auf ortsspezifisches Kunstschaffen (Foto: Marcel Hagen, Studio 22) KUB-Direktor Thomas D. Trummer setzt auf ortsspezifisches Kunstschaffen (Foto: Marcel Hagen, Studio 22)
  • Die jüngste Künstlerin, die je im KUB ausgestellt hat: Rachel Rose (Foto: Benjamin Barron) Die jüngste Künstlerin, die je im KUB ausgestellt hat: Rachel Rose (Foto: Benjamin Barron)