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22.05.2015 |  Karlheinz Pichler

An der Schnittstelle von Bildraum und realem Raum - Christian Megert mit Zero- und aktuellen Arbeiten in der Vaduzer Galerie am Lindenplatz

In den 1960er-Jahren zählte der Schweizer Bildhauer Christian Megert (*1936, Bern) zur europäischen Avantgarde im Umfeld der Zero-Bewegung. Die Vaduzer Galerie am Lindenplatz zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung Werke aus dieser Phase Megerts sowie aktuelle Arbeiten.

Zero, 1958 von Heinz Mack und Otto Piene initiiert, war als Ideengemeinschaft gedacht, die, befreit von jeglichem Ballast der Vergangenheit, den Startschuss zu einem Neuanfang signalisieren sollte. Nachkriegsströmungen wie dem Informel oder dem Tachismus sollte sie eine Phase der Stille, eine Zwischenzone entgegenhalten, mit einer puren Ästhetik, die von Materialien wie Plexiglas, Aluminium, Spiegel, Gips oder Sand gespeist wird. Vor allem auf die Verwendung von genau kalkulierten und geschnittenen Spiegelstücken hat sich der ehemalige Documenta-Teilnehmer Christian Megert eingeschworen. Dieses Material ist ein ständig wiederkehrendes Kennzeichen in seinem Schaffen. Es ist ideal, um eine räumliche Unendlichkeit zu transportieren und eine Schnittstelle zu schaffen, in der sich Bildraum und realer Raum permanent überschneiden. Einzelne Splitter bemalt er auch und erzeugt damit Bildstrukturen. Oder er konstruiert Labyrinthe aus spiegelnden Splittern, die für den Betrachter ständig neue Perspektiven eröffnen.

Räume ohne Enden und Grenzen


Neben Werken aus der Zero-Zeit sowie neueren Arbeiten zeigt die Galerie am Lindenplatz mit „Turning Triangle“ auch ein Objekt aus dem Jahre 1973, in dem der seit Langem in Düsseldorf lebende und arbeitende Künstler Licht, Bewegung und Spiegelung derart miteinander kombiniert, dass sich ein Raum ohne „Ende und Grenzen, ein Raum mit unbeschränkten Möglichkeiten, ein neuer metaphysischer Raum“ ergibt, wie es der Künstler selber bereits in seinem Manifest von 1961 postuliert hat. Solche Räume hat der Schweizer des Öfteren entworfen, unter anderem auch im Rahmen der Documenta IV in Kassel, dessen Remake er 2013 in der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen in Düsseldorf  nochmals präsentierte. Auch die aktuelle Ausstellung im Martin Gropius Bau in Berlin zeigt eine großformatige Spiegelwand Megerts, die mit einer weiteren Spiegelarbeit und einem starken Scheinwerfer den Besucher unausweichlich mit sich selbst und dem ihn umgebenden Raum und dessen Brechungen konfrontiert.

 

Christian Megert: Zero und aktuelle Arbeiten
Galerie am Lindenplatz, Vaduz
Bis 18. Juni
Di–Fr 10-18, Sa 10-13, u.n. Vereinbarung
www.galerielindenplatz.li

Christian Megert: Farbiges Scherbenbild, 2011

Christian Megert: Farbiges Scherbenbild, 2011

Christian Megert: Turning Triangle, 1973

Christian Megert: Turning Triangle, 1973

Christian Megert (links) und Lucio Fonatana in den 1960er-Jahren

Christian Megert (links) und Lucio Fonatana in den 1960er-Jahren

Christian Megert: Spiegelobjekt

Christian Megert: Spiegelobjekt

Christian Megert: Spiegelobjekt (Fotos: Kapi)

Christian Megert: Spiegelobjekt (Fotos: Kapi)

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Bilder
  • Christian Megert: Farbiges Scherbenbild, 2011 Christian Megert: Farbiges Scherbenbild, 2011
  • Christian Megert: Turning Triangle, 1973 Christian Megert: Turning Triangle, 1973
  • Christian Megert (links) und Lucio Fonatana in den 1960er-Jahren Christian Megert (links) und Lucio Fonatana in den 1960er-Jahren
  • Christian Megert: Spiegelobjekt Christian Megert: Spiegelobjekt
  • Christian Megert: Spiegelobjekt (Fotos: Kapi) Christian Megert: Spiegelobjekt (Fotos: Kapi)