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27.05.2022 |  Anita Grüneis

Ausstellung „durchforsten“ im Küefer-Martis-Huus Ruggell: Der Wald zwischen Götterwohnsitz und bedrohtem Wohlfühlort

Wälder haben für uns Menschen etwas Geheimnisvolles, denn wir sind dort zwar mitten in der Natur, aber immer nur als Gast. Wer einmal in einem Wald baden möchte, ohne dafür in den Wald zu gehen, dem ist das Küefer-Martis-Huus in Ruggell zu empfehlen. Denn die Ausstellung «durchforsten» bietet nicht nur jede Menge Informationen zum Thema Wald, sie lädt auch real in die Welt der Bäume, Pflanzen und Tiere ein. Und weil es im Wald keine Zeit zu geben scheint, war auch die Ausstellungseröffnung «zeitlos». Zwischen 16 und 20 Uhr durchforsteten etliche Gäste die Räume des Hauses, lauschten den Klängen des «Klanglabors» oder labten sich an den Köstlichkeiten des Waldes.

Schon beim Eintritt ist der Wald zu riechen, dafür sorgt eine Duftinstallation von Paul Divjak aus Wien. Der erdige Duft des Waldbodens begleitet die Gäste weiterhin, ein paar Treppen höher lässt er das Gehen über den weichen Blätterteppich noch angenehmer werden. Doch nicht nur Blätter und Rindenstücke empfangen die Besucher:innen, auch Pilze, leere Schneckenhäuser, ein Waldkauz, ein Fuchs, eine Kohlmeise, ein Grünspecht und ein junger Dachs sind zu entdecken. Die Räume selbst teilen sich in die Bereiche "Geschichte des Waldes und der Waldnutzung", "Ideen vom Wald in den Köpfen der Menschen" und die aktuellen Thematiken rund um den Wald auf. Informationstafeln weisen auf das Wesentliche hin, ab und zu vertiefen Videos die Berichte oder ergänzen sie, wie das Video von Victorine Müller aus Zürich. 

Ein Urwald in Graubünden

Die ersten Wälder der Erde entstanden vor etwa 370 Millionen Jahre und bestanden ausschliesslich aus palmenartigen Pflanzen. 120 Millionen Jahre später entwickelten sich die Vorläufer der heutigen Nadelbäume. Heute gehören in Liechtenstein über 41 Prozent der Landesfläche dem Wald, in Vorarlberg ist ein Drittel mit Wald bedeckt. All das ist den Informationstafeln zu entnehmen. Und wer weiß schon, dass der letzte Fichtenurwald der Alpen in Scatlè, Brigels in Graubünden zu finden ist. Er entstand nach einem Bergsturz, ist nur etwa 12 Fußballfelder groß und steht seit 1910 unter Schutz. Das sind nur einige der wissenswerten Bereicherungen in dieser Ausstellung. Interessant auch, dass der Mensch den Wald schon immer als seine natürliche Ressource sah. Der Wald war für alle da, jeder konnte jagen, sein Holz schlagen, seine Tier im Wald weiden lassen  – doch das wurde mit der Zeit zum Problem, da der Holzbedarf immer mehr zunahm. So wurden die Waldflächen der Forsthoheit des jeweiligen Grundherrn unterworfen. Die Nutzungskonflikte haben sich seitdem verändert, dauern aber weiter an. «Wälder sind Paradiese für die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten», heißt es auf einer Tafel und dass die größte Bedrohung für den Wald der Mensch ist – nicht nur durch den Klimawandel. 

Der wilde finstere Wald

Neben den vielen Informationen wird auch der Mythos «Wald» in ein paar Räumen thematisiert. So laden unter dem Dach des Küefer-Martis-Huus zwei Hängematten zum Entspannen ein, auf einem Video kann die Darstellung des Waldes von Albrecht Dürer und Leonardo da Vinci bis hin zu Joseph Beuys verfolgt werden. Es gibt Informationen zum «Deutschen Wald», der als Sehnsuchtslandschaft und Gegenbild zu Fortschritt und Großstadt diente. Und natürlich hat der Wald eine wilde Geschichte, er ist der Ort, wo die Dämonen wohnen, wo böse Geister ihr Unwesen treiben – so behauptet Walter Moers: «Hexen stehen immer zwischen Birken». In Grimms Märchen spielt der Wald eine bedeutende Rolle - ob bei «Hänsel und Gretel», «Rotkäppchen» oder Schneewittchen» und in der Jetztzeit maßgebend beim Film «Blair Witch» . 

Ein essayistischer Beitrag

Die Ausstellung «Durchforsten» entstand eigentlich durch einen Zufall. Eine geplante Ausstellung musste verschoben werden und so konnte das Thema «Wald», das schon lange auf der Wunschliste des Küefer-Martis-Huus’ stand, vorgezogen werden. «Aus einer geplanten kleinen Ausstellung zum Thema «Wald und Mensch» entstand nun dieses Projekt. Es hat zwar immer noch den Fokus auf den Umgang von uns Menschen mit dem Wald, hat sich aber ausgeweitet. Es wurde quasi ein essayistischer Beitrag zu der Fülle von Themen, die es dazu gibt», meinte der Leiter des Hauses, Johannes Inama, der die Ausstellung konzipierte und die Informationen aufbereitete. Zur Gestaltung der Räume sagte er: «Ich dachte mir, es wäre schön, wenn wir die Atmosphäre des Waldes ins Haus holen könnten und das Atelier «Buntspecht» hat das dann umgesetzt.»

Stilecht gab es bei der Ausstellungseröffnung «Waldrauschen» vom Klanglabor mit Arno Oehri und Denise Kronabitter sowie den «essbaren» Wald – dafür brachte der Künstler Roland Adlassnig künstlerisch-sinnliche Gaumenfreuden auf den Tisch. Die Ausstellung dauert bis 18. Dezember und hat reichhaltiges Beiprogramm.

„durchforsten - auf der Suche nach dem idealen Wald"
bis 18.12.22
Fr/Sa/So 14 - 17 Uhr
Küfer-Martis-Huus, Ruggell

www.kuefermartishuus.li

 

Blick in die Ausstellung: Allein in den Liechtensteiner Wäldern sind mehr als 20.000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten zu Hause

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Der Rhein bei Vaduz, Gouache aus dem Jahr 1824 von Johann Jakob Schmidt

Der Rhein bei Vaduz, Gouache aus dem Jahr 1824 von Johann Jakob Schmidt

Roland Adlassnig (links) sorgte bei der Eröffnung für Essbares aus dem Wald - hier mit Johannes Inama, dem Leiter des Küefer-Martis-Huus

Roland Adlassnig (links) sorgte bei der Eröffnung für Essbares aus dem Wald - hier mit Johannes Inama, dem Leiter des Küefer-Martis-Huus

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  • Der Rhein bei Vaduz, Gouache aus dem Jahr 1824 von Johann Jakob Schmidt Der Rhein bei Vaduz, Gouache aus dem Jahr 1824 von Johann Jakob Schmidt
  • Roland Adlassnig (links) sorgte bei der Eröffnung für Essbares aus dem Wald - hier mit Johannes Inama, dem Leiter des Küefer-Martis-Huus Roland Adlassnig (links) sorgte bei der Eröffnung für Essbares aus dem Wald - hier mit Johannes Inama, dem Leiter des Küefer-Martis-Huus