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06.06.2013 |  Karlheinz Pichler

Landschaft im 360-Grad-Rundumblick, scheibchenweise

Derzeit läuft im Bregenzer Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis noch die große Ausstellung zum Schaffen von Heinz Greissing. Anlass ist dessen 80. Geburtstag. Greissing selbst will die Werkschau nicht als Retrospektive gewertet wissen, dennoch gibt sie einen tiefen Einblick in 40 Jahre intensive Produktion des „Streifenmalers“.

Mit seinen teils monumentalen Gemälden, Zeichnungen, Skizzen, drei „Kistenmenschen“ und dem Dokumentarfilm „Streifenweise“, den Robert Neumüller und Wolfgang Stickler über den Künstler gedreht haben und der in der „Blockbox“ im 1. Obergeschoß gezeigt wird, besetzt Heinz Greissing das gesamte Künstlerhaus, von den Kellerräumen bis zum Dachgeschoß. Diese Ehre wurde bislang nicht vielen Vorarlberger Kunstschaffenden zuteil. Greissing nutzt sie, indem er die Entwicklung seiner Streifenmalerei von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart in breiten Zügen vor Augen führt.

Mehrdimensionales auf die Fläche bringen


Greissing überzieht die Leinwand mit einem vertikalen Streifenraster, etwa nach dem Schema A:B:C. Jede erste Spalte wäre etwa der Morgenstimmung einer Landschaft zugeordnet, jede zweite Spalte der Mittagszeit und jede dritte Spalte dem Abend. So kann der Künstler den Tagesverlauf über einen ganzen Tag auf einem einzigen Bild fixieren. Analog die Vorgangsweise etwa bei einem 360-Grad-Panoramabild. Norden und Süden, Osten und Westen können, scheibchenweise, nebeneinander ausgebreitet werden. Dies auf einem zweidimensionalen Träger, eben der Leinwand. Mit dieser Streifenskala gelingt es ihm, segmentiert auf der Leinwand festzuhalten, „was im Zeitfluss eines Tages, in der Gleichzeitigkeit räumlicher Dimensionen und im Ortswechsel von Bewegung rund um ihn sich ereignet,“ formulierte es einst Werner Wolf, Direktor des Museum der Wahrnehmung (MUWA) in Graz, anlässlich der dortigen Ausstellung von Greissing 2002.

Das „Ich“ in der Landschaft


Heinz Greissing malt, wann immer es geht, en plein air, also unter freiem Himmel. Warum er so gern in der Landschaft steht und malt: „Ein Dreschplatz ist mein Atelier. Diese mich dort umgebenden Farben und Formen sind mein Thema. Ich sehe sie auf mich bezogen (‚Ich in der Landschaft’). Je nach Standpunktverschiedenheit komme ich in ein jeweils anderes malerisches Kräfteverhältnis in der Landschaft zu stehen. Deshalb genügt mir eine relativ kurze ‚Atelierstrecke’ für viele Jahre“. Die Freilichtmalerei bevorzuge er nicht nur, weil es in freier Natur schöner sei als in jedem Stadtatelier, sondern weil beim so erarbeiteten Bild die Intensität des Erlebnisses - als Gesamt-Sinnerlebnis - automatisch in das Resultat einfließe. Die klimatischen Bedingungen würden sozusagen mitmalen, so der Künstler.

Eine dieser Lieblingsfreiluftateliers fand der Maler auf der Virgen de la cabeza, seinem Malplatz außerhalb von Ronda mit Blick auf die Stadt und ihr davorliegendes Tal. Immer wenn er nach Ronda kommt, malt er als erstes eine Stadtansicht und kommt dadurch unmittelbar wieder ins Malen hinein. Dies sei mittlerweile zu einer Grundhaltung geworden, so der Künstler.

Konstante Malplätze


Neben Ronda und Weinsteig nahe Wien hält sich Greissing bevorzugt in seinem Atelier am Pfänder auf. Hier malt er die Berge und Landschaften des Dreiländerecks. Auch im Salzkammergut oder am Kap Trafalgar malt der Meister mit Vorarlberger Wurzeln gerne. Aber im Prinzip sind es wenige Malplätze, die er immer wieder heimsucht. Die Motive Berg und Baum, Meer und See sind allgegenwärtig, doch auch wenn er sich zum x-ten Male am selben Malplatz befindet, kommt er doch immer wieder zu ganz neuen Bildfindungen.

Monografie


Heinz Greissing kam 1933 in Wien zur Welt und verbrachte seine Kindheit in Ungarn. 1943 bis 1953 ging er im Kloster Mehrerau und am Landesgymnasium Bregenz zur Schule. Danach inskribierte er zunächst Medizin in Innsbruck, studierte dann aber an der Salzburger Sommerakademie bei Oskar Kokoschka und später in Wien an der Akademie bei Robin Christian Andersen und Herbert Boeckl Malerei.

Anlässlich seiner Ausstellung in Bregenz ist eine umfassende Monografie im Bucher Verlag erschienen. Neben zahlreichen Abbildungen enthält der aufwändig gestaltete Band informative Textbeiträge unter anderem von Susanne Berchtold, Oscar Sandner, Otto Breicha oder des Künstlers Tochter Anna Greissing.

 

Heinz Greissing
Künstlerhaus Bregenz
Bis 23. Juni 2013
Di-Sa 14-18
So u. Fe 11-17

Heinz Greissing - 91. Ronda von Ost nach West, 160 x 280,1991

Heinz Greissing - 91. Ronda von Ost nach West, 160 x 280,1991

Heinz Greissing: Homage a Manolo Prieto Benitez, Öl auf Vinyl, 2012

Heinz Greissing: Homage a Manolo Prieto Benitez, Öl auf Vinyl, 2012

Heinz Greissing: Die Bucht entlang, Öl auf Leinwand, 2010

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Heinz Greissing: Aquarellskizze zu Ölbild Et in Arcadia ego

Heinz Greissing: Aquarellskizze zu Ölbild Et in Arcadia ego

Heinz Greissing: "Ich in der Landschaft"

Heinz Greissing: "Ich in der Landschaft"

Künstler Heinz Greissing beim Signieren seiner druckfrischen Monografie im Künstlerhaus Bregenz

Künstler Heinz Greissing beim Signieren seiner druckfrischen Monografie im Künstlerhaus Bregenz

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  • Heinz Greissing - 91. Ronda von Ost nach West, 160 x 280,1991 Heinz Greissing - 91. Ronda von Ost nach West, 160 x 280,1991
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