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25.02.2022 |  Karlheinz Pichler

Textilkünstlerin Maria Baumschlager-Dünser †

Bekleidungsstücke, die mit getrockneten Pflanzen oder Samen wie etwa Bärenklau oder Brennesseln gefüllt sind und entsprechende Gerüche verbreiten oder in bester handwerklicher Qualität geknüpfte Teppiche, mit denen sie der Natur nachspürte, sind das Markenzeichen von Maria Baumschlager-Dünser gewesen. Nun ist die 1954 in Lustenau geborene Textikünstlerin, die in Mäder gelebt und gearbeitet hatte, am Donnerstag (24.2.) nach langer, schwerer Krankheit verstorben.

Baumschlager-Dünser, die in den 1970er Jahren an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei der österreichischen Malerin, Designerin und Textilkünstlerin Grete Rader-Soulek, die damals die Meisterklasse für dekorative Gestaltung und Textil (später Meisterklasse für Tapesserie) leitete, studierte hatte, verwendete für ihre Werke vor allem Naturmaterialien. Albert Ruetz, der frühere Leiter des städtischen Kulturamtes Feldkirch, hielt in seiner Eröffnungsrede, als die Mäder Künstlerin 2015 im Kunstraum Pettneu ausstellte, fest: „Pflanzen, die stark energetisch wirken, spielen eine wichtige Rolle. Heilung, Stärke, Schönheit, Vergänglichkeit spiegeln sich in den Kunstwerken wider (…) Alles, was uns umhüllt, sei es Kleidung, Düfte oder Haut, ist fühlbar und bringt Lebensenergie.“ Aber auch auf andere Materialien mit Symbolcharakter, wie zum Beispiel Federn oder Haare, die sinnbildlich für das Leben und die Vergänglichkeit stehen, griff sie immer wieder zurück. Wobei sich ihre Werke grundsätzlich an der Schnittlinie zwischen Tragbarem (Mode) und nichttragbarem Raumbezogenen bewegen.
Baumschlager-Dünser, die bereits 1980 mit dem Preis der Stadt Wien ausgezeichnet wurde, sorgte unter anderem für großes Aufsehen, als sie in den Jahren 1992 bis 1995 insgesamt 150 Entwürfe für Tagesdecken in Patchworktechnik für das Dornbirner Hotel Martinspark schuf.

Die Künstlerin, die im Juli 68 Jahre alt geworden wäre, war austellungsmässig zuletzt beim Walserherbst 2021 präsent. Unter dem Titel „Geschnitten & Geknüpft“ zeigte sie dort unter anderem einen akribisch geknüpften Teppich in Blattform, der neben dem dekorativen und künstlerischen Aspekt auch auf das Gesamtheitliche der uns umgebenden Pflanzenwelt hinweisen sollte. Auch andere Teppichobjekte wie „Kaktus“ oder „Flamingo“ fielen in diese Kategorie. Die Wolle, die für diese „geheimen Gärten, die betreten und belebt werden wollen“ (Baumschlager-Dünser), verarbeitet wurde, holte sie sich aus Brockenhäusern. Die Künstlerin recycelte folglich Wolle und färbte diese mit leuchtenden Farben neu ein.

Maria Baumschlager-Dünser, Kaktus; aus recycelter Wolle handknüpfter Teppich (© Karlheinz Pichler)

Maria Baumschlager-Dünser, Kaktus; aus recycelter Wolle handknüpfter Teppich (© Karlheinz Pichler)

Künstlerin Maria Baumschlager-Dünser (© Nikolaus Walter)

Künstlerin Maria Baumschlager-Dünser (© Nikolaus Walter)

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  • Maria Baumschlager-Dünser, Kaktus; aus recycelter Wolle handknüpfter Teppich (© Karlheinz Pichler) Maria Baumschlager-Dünser, Kaktus; aus recycelter Wolle handknüpfter Teppich (© Karlheinz Pichler)
  • Künstlerin Maria Baumschlager-Dünser (© Nikolaus Walter) Künstlerin Maria Baumschlager-Dünser (© Nikolaus Walter)