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05.05.2022 |  Peter Füssl

BartolomeyBittmann: zehn

Zwischen BartolomeyBittmann passt nun also schon seit zehn Jahren kein Leerzeichen mehr hinein, wie auch dieses grandiose Jubiläumsalbum einmal mehr beweist. Seit 2012 basteln der Cellist Matthias Bartolomey und der Violinist und Mandolaspieler Klemens Bittmann unter dem programmatischen Subtitel „progressive strings vienna“ mit ungeheurem Elan und höchst erfolgreich an einer völlig eigenständigen, zeitgemäßen Sprache für ihre eigentlich als typisch klassisch konnotierten Instrumente. Dabei mag das verwendete Vokabular vielleicht aus Jazz, Rock, Barock, Minimal Music, Noise oder traditioneller Folklore stammen, aber die Zusammenschau dieser Stile zu absolut organisch wirkenden neuen Ausdrucksformen ist atemberaubend.

Natürlich schreiben sich BartolomeyBittmann die Musik auch passgenau auf den Leib, zumal es ihnen ohnehin weniger ums Theoretisieren geht, als um hochmusikalische und kreative Bühnentauglichkeit. Und die Bühnen könnten mittlerweile wohl (fast) überall stehen, denn ein Stück wie der seinem Namen „Turbohecht“ alle Ehre machende Opener würde vielleicht auch den intelligenteren Teil des Publikums auf dem Wacken Open Air begeistern. Ihrer kraftvollen Vehemenz, ihrer ausgeklügelten Dynamik, ihrem dramaturgisch geschickten Aufbau kann man sich nicht entziehen, das wirkt wie ein ungeheurer musikalischer Sog, in den man sich lustvoll hineinziehen lässt. Schöne Melodien sind effektvoll in rhythmische Sperrfeuer implementiert, gestrichene, gezupfte und geklampfte Grooves entwickeln hypnotisierende Kräfte, die durch verblüffende musikalische Ecken und Kanten durchbrochen und letztlich intensiviert werden. Selbst bei Höchstgeschwindigkeitsnummern geht es nie um verselbständigtes Virtuosentum, vielmehr interessieren etwa ausgefallene Klangkombinationen, wobei BartolomeyBittmann Wert darauf legen, dass alles ohne elektronische Effekte generiert wird. In den grandios dahinfegenden Saitensturm sind auch durchaus reizvolle Ruheinseln eingebettet, etwa das möglicherweise von mediterranen Gefilden inspirierte, jedenfalls sonnendurchflutete „Süden“, oder die im CD-Cover mit „OK Brahms“ kommentierte „Rhapsodie“. Manche Titel wie „Schickeria“ oder „Intellektomat“ legen nahe, dass den Herren mitunter auch der Schalk im Nacken sitzen dürfte. Kein Wunder also, dass das titelgebende „Zehn“ schon als neuntes Stück auf dem Album steht und mit seinen vielgestaltigen, zwischen lieblich und dramatisch changierenden Stimmungswechseln anlassgemäß so etwas wie eine musikalische Zwischenbilanz darstellen dürfte. Da freuen wir uns doch jetzt schon auf „Zwanzig“!

(Preiser Records)

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