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17.10.2019 |  Peter Füssl

Iiro Rantala: my finnish calendar

Das Jahr in Iiro Rantalas „Finnischem Kalender“ dauert nur 49 Minuten und 4o Sekunden, vielleicht ist es darum so kurzweilig! Jedem Monat ist eine Komposition und ein launiger Kommentar gewidmet.

So erfahren wir zu einem quicklebendigen, boogieartigen Rumpelstück, dass die Finnen im schneereichen Februar ihre sportlichen Höhepunkte erleben und alle Arten von Highlife genießen, während sie im März vom Winter schon die Nase voll haben und zu einer charmant-beswingten Melodie vom Frühling in Paris träumen. Obwohl es im April wärmer und heller wird, steigen unerklärlicherweise auch die Suizidzahlen, lässt uns Rantala zu einem dramatischen, düster hallenden Pianogewitter wissen. Auch die Sommermonate haben es wider Erwarten in sich – von „fake happiness“ ist da die Rede und von totalem Rückzug in die Blockhaus-Romantik („Its easier to get sex from a Finn than an invitation to the cabin, the holy place.“). Verblüffend wie die musikalischen Phantasien mit den Texten korrespondieren, aber – seien wir uns ehrlich – dem gleichermaßen witzigen wie virtuosen und einfallsreichen finnischen Piano-Großmeister war eh schon immer alles zuzutrauen. Die Herbstmonate überzeugen mit zauberhafter Romantik und dramatischen Stürmen. Bis im November – dem vielleicht die schönste Ballade des Albums gewidmet ist – die einen schier in den Wonnen der Dunkelheit versinken, die anderen in der dazu passenden Depression. Mit brutalen Clustern wird der von ausufernden Weihnachtsvorbereitungen und Jahresabschlussarbeiten dominierte Stressmonat Dezember eingeläutet, nein: eingehämmert, um dann in absolut nicht spannungsfreier Betulichkeit auszuklingen. Iiro Rantalas unorthodoxes Konzeptalbum ist so prall gefüllt mit kreativ und technisch brillant umgesetzten Stimmungen und Eindrücken wie das echte Leben – nur hat er die besseren Melodien! Da bekommt man Heimweh, selbst wenn man gar kein Finne ist.

(ACT)  

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