Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

08.09.2022 |  Peter Füssl

inEvitable: inEvitable

Was für eine witzige Mischung aus griechischer Folklore, im Fall des Openers „Perdika reloaded“ von der Insel Korfu, Ringelspiel-Musik und freier Improvisation! Manches davon würde sich auch ideal als Soundtrack zur Untermalung eines „Tom & Jerry“-Streifens eignen. Die 29-jährige, aus Griechenland stammende und seit gut zehn Jahren in Berlin lebende Vibraphonistin und Perkussionistin Evi Filippou ist in der Klassik und in der Neuen Musik ebenso zuhause wie im Jazz, in der freien Improvisation oder im Musiktheater. Es gelingt ihr mit beeindruckender Leichtigkeit, ihre vielseitigen Interessen in einen gleichermaßen mitreißenden wie stimmigen Mix zu integrieren, auf dem die Beschäftigung mit den musikalischen Wurzeln ihrer ursprünglichen Heimat sozusagen als außergewöhnliches Sahnehäubchen thront.

Filippou ist an Vibraphon und Perkussionsinstrumenten gleichermaßen wendig und einfallsreich wie beim Komponieren und Arrangieren, was natürlich kongeniale Partner erforderlich macht. Der russische Altsaxophonist und Klarinettist Eldar Tsalikov agiert höchst sensibel, kann aber auch förmlich explodieren, der finnische Gitarrist Arne Braun steuert unorthodoxen Saitenzauber bei, und das aus Bassist Felix Henkelhausen und Drummer Moritz Baumgärtner bestehende Rhyhtmus-Gespann versteht es, Filippous komplexe rhythmische Ideen mühelos zu verfeinern und umzusetzen. Die Gäste Julius Gawlik (Tenorsax, Klarinette) und Jone Bolibar (Klarinette, Bassklarinette) fetten bei Bedarf die Bläserstimmen auf. „Maria“ startet als stimmungsvolles impressionistisches Klanggemälde, das mit wundervoller Leichtigkeit nahezu tänzerische Qualitäten entwickelt. Das auf einem serbischen Folk-Song basierende „Spa of Niš“ lässt Balkan-Swing aufleuchten, rasch durchbrochen durch freie Einwürfe, bevor es gar zu idyllisch wird. Auch die rasante „Hymn to the Sun“ – von der 2021 verstorbenen, griechischen Sängerin und Komponistin Angélique Ionatos geschrieben und von Filippou arrangiert – ist mit den für die griechische Folklore typischen, ungeraden Rhythmen gespickt. Bei „In The Apple Tree“, einer Improvisation nach dem Stück „I Milia“ des zeitgenössischen, kretischen Musikers und Komponisten Loudovikos ton Anogeion, steuert Lara Alarcón Vokalartistisches bei. Das von Elias Stemeseder komponierte „Resolution Points“ stellt einen rasanten Ausflug in die Neue Musik dar, während das auf dem Gospelsong „Just a Closer Walk With Thee“ basiernde „Ode to A.L.B.B.“ einen stimmungsvoll swingenden Abgang aus diesem enorm abwechslungsreichen Debütalbum von inEvitable beschert. In den Bandnamen ihres Quintetts hat Filippou klarerweise ein Wortspiel mit ihrem Vornamen versteckt, und das englische Wort „inevitable“ hat eine ganze Menge an Bedeutungen – zwangsläufig notwendig, unumgänglich, unvermeidlich, naturgegeben –, sie alle passen irgendwie auf dieses bei Alfred Vogels Boomslang Records erschienene Album, das man auch als notwendiges Ventil für die außerordentliche Kreativität der Bandleaderin sehen kann. Die Band hat übrigens bei den diesjährigen Bezau Beatz auch ihre hervorragenden Live-Qualitäten unter Beweis gestellt, und Evi Filippous charmante Art und überbordende Spielfreude wirkte auf die Mitspieler gleichermaßen ansteckend wie auf das begeisterte Publikum.

(Boomslang Records)

 

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • inEvitable.jpeg