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25.02.2014 |  Peter Füssl

Ja, Panik: LIBERTATIA

Es hat sich viel getan, seit der letzten Produktion „DMD KIU LIDT“ aus dem Jahr 2011, diesem unglaublich reifen und kompromisslos düsteren Geniestreich der seit fünf Jahren in Berlin lebenden, ursprünglich aus dem Burgenland stammenden Band Ja, Panik. Vom Quintett zum Trio geschrumpft, nähern sich Sänger und Mastermind Andreas Spechtl, Bassist Stefan Pabst und Drummer Sebastian Janata mit Hilfe des Hamburger Produzenten Tobias Levin auf „Libertatia“ noch stärker einem leichtfüßigen, eingängigen, eher 8oer-Jahre- und Synthie-orientierten Indie-Pop an.

Spechtls an Querverweisen und Zitaten reiche, Deutsch, Englisch und auch ein paar Brocken Französisch verquirlende Fabulierlust ist freilich dieselbe geblieben. Die sagenumwobene, nach allen Regeln gelebter Demokratie funktionierende und im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert auf Madagaskar verortete Seeräuber-Republik Libertatia liefert die konzeptionelle Klammer für die zehn Titel. Sie dient als utopische Traumwelt, im Vergleich zu der das reale Leben im Europa der Gegenwart mit seiner Regulierungslust, seinen Abschottungsversuchen nach außen und dem Wiederaufkeimen nationalistischen Dünkels weit weniger erstrebenswert erscheint. Diese Verwerfungen werden aber nicht mit dem Vorschlaghammer zertrümmert, sondern mit einem haarscharfen Skalpell aus feingeschliffener Ironie seziert. Denn dieser mit musikalischen Mitteln geführte Krieg ist nicht auf der Straße, sondern höchstens auf der Tanzfläche zu gewinnen. „Es geht um Wegbeschreibungen, nicht ums Ankommen. Interessant ist die Sehnsucht, nicht deren Einlösung. Persönliche Befreiungsmomente, das Schaffen von kurzfristigen Freiräumen, das ist es, was uns beschäftigt“, erklärt Spechtl in einem „Standard“-Interview. Die apokalyptische Düsternis ist einer fröhlichen Aufsässigkeit gewichen, die hoffnungslose Depression dem unbedingten Willen zum Weitermachen mit anderen Mitteln. Das politische Bewusstsein von Ja, Panik ist keineswegs sanft entschlafen, auch wenn sie mit „LIBERTATIA“ eine Anti-Songwriter-Platte machen wollten und beim Komponieren eher von Grooves und Melodien ausgingen als von Texten.
(Rough Trade)

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