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12.09.2019 |  Peter Füssl

Jacob Karlzon: Open Waters

Der aus dem schwedischen Jonköping stammende Pianist Jacob Karlzon wird gerne in einem Atemzug mit seinem 2008 auf tragische Weise ums Leben gekommenen Landsmann Esbjörn Svensson genannt, der in Sachen nordischer Pianokunst wohl zu einer Art untrüglicher Messlatte geworden ist. Was den unbefangenen Umgang mit stilistischen Genregrenzen im Spannungsfeld von Jazz, Pop, Klassik und Electronics betrifft, sind Vergleiche jedenfalls sehr wohl gestattet. Und wie Svensson besitzt Karlzon aber auch die Gabe, Lyrisches mit einer geheimnisvollen, unterschwelligen Spannung aufzuladen und zu einer fast hypnotisch wirkenden Intensität zu verdichten.

Aber nicht erst mit seinem 11. Album beweist der auch als musikalischer Leiter der Band Viktoria Tolstoys international bekannt gewordene Pianist, dass er längst seine ganz persönlichen Soundtracks für die imaginären Filme im Kopf-Kino entstehen lassen kann. Mit dem Opener und Titeltrack „Open Waters“ will Karlzon die geneigte Zuhörerschaft sozusagen packen und ins offene Meer hineinziehen, hinaus aus der Komfortzone, gleichermaßen faszinierenden wie gefährlichen Urgewalten ausgeliefert. Tatsächlich kann man sich in den anschließenden acht sehr unterschiedlichen Stimmungsbildern wunderschön verlieren, denn Karlzon versteht es mit subtilem Fingerspitzengefühl, aber auch mit hochenergetischem Powerspiel verschiedenste Emotionen zu wecken. Manchen ist vielleicht noch das Album „More“ aus dem Jahr 2012 in Erinnerung, in dem er sich mit seiner Metal-Rock-Sozialisation auseinandersetzte – so heftig geht es hier zwar nicht ab, aber Stücke wie „Slave To Grace“ oder „Look What You Made Me Do“ gehen schon ganz ordentlich zur Sache. Bassist Morten Ramsbøl und Drummer Rasmus Kihlberg erweisen sich als einfühlsame Trio-Partner, die den Intuitionen des Pianisten jederzeit zu folgen wissen, denn Jacob Karlzon ist ein großer Freund spontaner Eingebungen, wie er – nicht nur – in Bezug auf das finale Stück „Note To Self“ erklärt: „Eine Notiz, in zwanzig Minuten geschrieben, ein Blick ins eigene Unterbewusstsein, auf die Melodie, die gerade jetzt in diesem Moment am Steinway die Gedanken und Gefühle antreibt. Wenn du über Jahre professionell Musik machst, denkst du manchmal eher technisch und vergisst vielleicht auch mal eine Weile, wie sehr dich diese Momente kicken können, die sich anfühlen, als würde irgendetwas Höheres oder etwas Unterbewusstes durch dich hindurch spielen, eine ‚Note To Self‘, die du aber nicht allein entschlüsseln musst, sondern mit den Menschen, die dir zuhören oder mit dir diese Musik spielen.“ Von dieser „verrückten Energie“ schwärmt Jacob Karlzon - da sind wir gerne mit dabei!    

(Warner Music)

Konzert-Tipp: Das Jacob Karlzon Trio ist am 17.9 in Jazzclub Unterfahrt in München zu hören.

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