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16.06.2020 |  Peter Füssl

Jazz at Berlin Philharmonic X: East West

Das Münchner ACT-Label genießt in Sachen Jazz meets Worldmusic einen exzellenten Ruf, dasselbe gilt für die von Label-Chef Siggi Loch kuratierte Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“, deren zehnte Auflage letzten November live aufgenommen wurde. Hervorragende Voraussetzungen also, zumal sich auf der Bühne erstklassige MusikerInnen mit den unterschiedlichsten Wurzeln und Backgrounds trafen, die sich alle zusammen wenig um Genregrenzen scheren.

Zwei Altmeister bestreiten den Auftakt: der marokkanische Guembri-Spieler und Vokalist Majid Bekkas und der vietnamesisch-stämmige, französische Gitarrist Nguyên Lê kombinieren im gnadenlos vorwärtstreibenden Traditional „Aicha“ archaisches Gnawa-Feeling mit asiatisch angehauchtem E-Gitarren-Rock. NES nennt sich das im Melting-Pot Valencia beheimatete, algerisch-französisch-spanische Trio mit der Sängerin/Cellistin Nesrine Belmokh, dem Cellisten Matthieu Saglio und dem Perkussionisten David Gadea. Sie präsentieren drei um stimmungsvolle Improvisationen angereicherte Titel ihres famosen 2018-er ACT-Debuts „Ahlam“ und das arabisch gesungene „Rimitti“, wohl eine Hommage an die legendäre Cheikha. Orientalische Melismen und jazzige Töne treffen hier aufs Wunderbarste zusammen, Belmokhs ausdrucksstarker Alt verzaubert ebenso wie die unaufdringlich-wirkungsvolle Rhythmus-Arbeit, das einfallsreiche Zusammenspiel der Celli und Nguyên Lês farbenreiche Gitarren-Einwürfe. Aus einer ganz anderen Ecke der Welt, nämlich aus Südkorea, kommt das Black String Quartett, das auf traditionellen und exotisch wie ihre Namen klingenden Instrumenten wie Geomungo, Daegeum oder Yanggeum und der durchaus rockigen, perfekt mit Gastsolist Nguyên Lê harmonierenden E-Gitarre Jean Ohs einen enormen Drive entfacht. Mit „Hanging Gardens of Babylon“ und „Elevation of Light“ interpretieren sie zwei zentrale Stücke ihres letztjährigen Albums „Karma“, ehe sich für die Zugabe „Bania“ nochmals alle Beteiligten zum schweißtreibenden „East West“-Finale auf der Bühne einfinden, um sich wechselseitig zu hörenswerten Soli zu inspirieren. Wer die Kombination aus Ethno, Jazz und Rock liebt, darf sich auf ein wortwörtlich gemeintes philharmonisches Feuerwerk freuen.

(ACT)

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