Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

09.06.2020 |  Peter Füssl

John Scofield / Bill Stewart / Steve Swallow: Swallow Tales

„Manchmal wenn wir spielen, klingen der Bass-Part und mein Part zusammen wie eine einzige große Gitarre“, schwärmt Saitenstar John Scofield über Steve Swallow, seinen Mentor als Student in Berklee Anfang der 70-er Jahre und seitherigen Langzeitpartner. „Und was Bill macht, ist weit mehr als Schlagzeuspielen. Er ist eine melodische Stimme, setzt Kontrapunkte und begleitet, und ist immer wirklich hart am Swingen“, so charakterisiert er Drummer Bill Stewart, der schon in den 1990-er Jahren Adam Nussbaum in diesem Trio ablöste und auch in vielen anderen Formationen des Gitarristen mitwirkte.

Man musiziert also längst im blinden Einverständnis miteinander und kennt die Vorlieben und Stärken der Partner aus unterschiedlichsten Konstellationen aus dem Effeff. Auch die neun Stücke aus Swallows Feder bedeuten nicht wirklich Neuland, einmal, weil manche davon („Hullo Bolinas“, „Eiderdown“, „Radio“, „Falling Grace“) schon in den 1960/70-ern als Paradestücke von Gary Burton oder Bill Evans bekannt waren, und zum anderen, weil Scofield mit der Kompositionsweise seines Freundes ohnehin bestens vertraut ist. Folglich konnte das ganze Album in einem Rutsch an einem Nachmittag im März 2019 in einem New Yorker Studio aufgenommen werden – „old school style“ nennt das Scofield scherzhaft, und verglichen mit manch anderen Projekten klingt es auch so, nämlich wie aus einem Guss und ohne ausufernden Nachproduktions-Schnickschnack. Das formidable Trio bewegt sich durchgängig in klar strukturierten Post-Bop-Gefilden. Trotz aller Vertrautheit macht sich nie auch nur ein Anflug von Routine breit, sie haben sich in all den Jahren des Zusammenspielens die musikalische Neugier aufeinander bewahrt. „Diese beiden Giganten bringen das Beste aus mir heraus“, zeigt sich Scofield begeistert. Er nutzt Swallows liedhaft wirkenden Kompositionen, die trotz interessanter Einfälle, wie eigenwilliger Akkordfolgen und Kadenzen, niemals überkonstruiert wirken, für seine typischen, melodisch perlenden, leicht verzerrten, laid-back groovenden Gitarrenlinien, die sich in perfekter Symbiose mit der einzigartig singenden Bassgitarre bewegen. Bill Stewart trommelt sich nur selten in den Vordergrund, erweist sich aber als wichtiger Impulsgeber und ist auf dezent wirkungsvolle Weise dauerpräsent. Ein wunderbares, etwas verfrühtes Geburtstagsgeschenk für den als Komponist bislang noch nicht ausreichend gewürdigten Steve Swallow, der im Herbst 80 wird – schön, dass Scofield-Fans jetzt schon feiern dürfen.    

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at/digital: www.universalmusic.at)

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Scofield - Stewart - Swallow.jpg