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15.10.2020 |  Peter Füssl

Michel Benita: Looking At Sounds

Kontrabassist Michel Benita, seit vierzig Jahren eine der zentralen und vielbeschäftigten Figuren der umtriebigen französischen Jazzszene, hat ein exzellentes Händchen für schöne, eingängige Melodien und ein Faible für spezielle Soundideen. Ersterem wird er mit einem knappen Dutzend neuer Eigenkompositionen für dieses Nachfolge-Album zu seinem 2016 erschienenen ECM-Debüt „River Silver“ gerecht, Letzteres betreffend integriert er dieses Mal anstelle der japanischen Koto-Virtuosin Mieko Miyazaki und des norwegischen Gitarristen Eivind Aarset den Belgier Jozef Dumoulin auf der Fender Rhodes.

Dieser entpuppt sich auf dem wegweisend mit „Looking At Sounds“ betitelten Album als höchst eigenständiger Klangfarbenspezialist und erfindungsreicher Soundmagier, der unter unaufdringlichem Einsatz zusätzlicher Effektgeräte unterschiedlichste Atmosphären schafft und rasch die diesem Instrument üblicherweise anhaftenden Jazzrock- und Funk-Klischees vergessen lässt. Zwei Musiker des vom Quintett zum Quartett geschrumpften „Ethics“-Projekts waren schon vor vier Jahren dabei. Der wendige, farbenreich agierende Drummer Philippe „Pipon“ Garcia bildet mit Benita schon seit der Jahrtausendwende dank der gemeinsamen Zeit im „Ladyland“-Quartett des experimentierfreudigen Trompeters Erik Truffaz ein exzellentes Rhythmus-Gespann. Dementsprechend mühelos und abwechslungsreich gelingt auch hier die perfekte rhythmische Grundierung, wobei beide auch auf dezente Electronics setzen. Wenngleich bei „Ethics“ vom musikalischen Grundkonzept her die kollektive Kreativität ein zentrales Anliegen ist, steht doch der Schweizer Flügelhornist Matthieu Michel, der ebenfalls wieder mit von der Partie ist, mit seinen wundervoll lyrisch-seelenvoll geblasenen Linien, die manchmal auf faszinierende Weise an Schärfe zulegen können, naturgemäß etwas im Vordergrund. Je eine Komposition der bretonischen Harfenistin/Sängerin Kristen Noguès und Antônio Carlos Jobims fügen sich mit Benita-Stücken kombiniert nahtlos ins musikalische Geschehen. Eine fünfminütige Solo-Bass-Exkursion über die Melodie von „Never Never Land“, das Jule Styne in den 1950-er Jahren für das Broadway-Musical „Peter Pan“ geschrieben hatte, stellt zum Finale nochmals Michel Benitas melodische Ausdruckskraft und Könnerschaft auf dem Bass eindrucksvoll ins Rampenlicht.  

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at / digital: www.universalmusic.at)

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