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29.09.2016 |  Peter Füssl

Nels Cline: Lovers

Ein völlig klischeefreies Album mit 18 Love-Songs von Rodgers/Hart über Gabor Szabo und Jimmy Giuffre bis Sonic Youth, von Kern/Hammerstein über Henry Mancini bis Arto Lindsay und Annette Peacock – solch ein unkonventionelles Konzept kann nur einem musikalischen Querdenker und Freigeist wie Nels Cline entspringen. Und selbst er, den die breite Masse als Gitarristen der Indie-Rocker Wilco kennt und die Spezialisten als unorthodoxen, aber vielbeschäftigten Avantgarde-Jazzer, behauptet, schon mehr als 25 Jahre mit dieser Idee schwanger zu gehen.

Gut Ding braucht eben Weile, und dieses Ding ist sogar sehr gut, denn Cline hat sich mit Michael Leonhart genau den richtigen Arrangeur geholt, um seinem 23-köpfigen Ensemble ein extravagantes und trotzdem eingängiges, ein melodienseliges und soundfarbenreiches Klangkostüm zu schneidern. Musikalische Haute Couture realisiert von Alleskönnern, die man auch von Avantgarde-Projekten her kennt – etwa Trompeter Steven Bernstein, die Klarinettisten Ben Goldberg und Doug Wieselman, Perkussionist Kenny Wollesen, Harfenistin Zeena Parkins oder Cellist Erik Friedlander, um nur einige zu nennen. Und Nels Cline selber ist omnipräsent und verpasst dem musikalischen Geschehen stets banddienlich seine individuelle Handschrift, ohne sich eitel in den Vordergrund zu spielen. Das hat Witz und Charme, das schwelgt in Gefühlen und kratzt an Konventionen, überspringt lustvoll Genregrenzen, ist ambitioniert und lässig zugleich. Nels Clines brillantes Blue Note-Debut dürfte ein gemeinsame Nenner sein, auf den sich fortgeschrittene Jazz-Fans und ihre Seelenverwandten auf dem Pop/Rock-Lager einigen können.

(Blue Note/Universal)

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