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17.09.2019 |  Peter Füssl

Nérija: Blume

Die Londoner Jazz-Szene erfreut sich seit einigen Jahren eines ganz besonderen Hypes – nicht immer, aber sehr oft zu Recht. Derzeit erregt die aus sechs Frauen und einem Mann bestehende Band Nérija mit dem Debütalbum „Blume“ international großes Aufsehen. Sie ist ein Produkt des vom Musiker Gary Crosby und der Musikmanagerin Janine Irons vor bald zwanzig Jahren gegründeten Jazz-Ausbildungsprogramms „Tomorrow’s Warriors“, das sich vor allem weiblicher Talente und solcher mit migrantischem Background annimmt.

Nérija ist stilistisch irgendwo im Spannungsfeld zwischen dem straight-ahead Hard-Bop und dem afrikanischen Jazz der späten 60-er und frühen 70-er Jahre und einer Menge unterschiedlichster Afro-Beat- und karibischer Einflüsse bis hin zu Postrock-Einsprengseln zu verorten. Frau/man verstehen sich mehr als Kollektiv, denn als Basis für egozentrische Solo-Trips – was nicht heißen soll, dass nicht eine Menge exzellenter Soli zu hören wären. Hier sind alle Bläserinnen – Tenorsaxophonistin Nubya Garcia, Altsaxophonistin Cassie Kinoshi, Trompeterin Sheila Maurice-Grey, Posaunistin Rosie Turton – zu nennen und Gitarristin Shirley Tette. Letzterer kommt aber auch eine zentrale und auf auffallend originelle Art erfüllte Rolle in der Rhythm-Section zu, wo sie mit dem erdigen Bassisten Rio Kai und der einfallsreich-umtriebigen Drummerin Lizy Exell exzellente Team-Arbeit leistet. Zwei Songs sind Band-Kompositionen und jedes Bandmitglied steuert eine Eigenkomposition bei – klingt irgendwie basisdemokratisch, funktioniert aber. Zündende, oft auch in die Beine gehende Rhythmen und satte Bläsersätze sind neben den expressiven Soli die Hauptingredienzien dieses komplexen und dennoch lässig daherkommenden Londoner Schmelztiegel-Musikmixes, der vom vielbeschäftigten (Solange, Bobby Womack, Damon Albarn) Produzenten Kwes live und fast ohne Overdubs aufgenommen wurde. „Blume“ ist ein sehr starkes Debütalbum, aber dieses originelle Septett aus IndividualistInnen in ihren Mittzwanzigern dürfte noch für so manche Überraschung gut sein.

(Domino Records)

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