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29.04.2021 |  Peter Füssl

Sinikka Langeland: Wolf Rune

Die norwegische Sängerin und Kantele-Virtuosin Sinikka Langeland erforschte über viele Jahre hinweg die an der südöstlichen Grenze zu Schweden liegende norwegische Region Finnskogen, die ab dem 16. Jahrhundert von Finnen besiedelt wurde. Als Musikwissenschafterin tauchte sie tief in die Welt uralter Mythen ein und studierte Runenlieder, Zaubersprüche und urtümliche Musikformen, was ihr als Musikerin zahlreiche Preise im Bereich traditioneller Folklore einbrachte.

Langelands Interessen scheinen also zeitlich und geographisch klar umrissen zu sein, aber diese magische Waldregion gehört auch zu einer sich über Finnland, Russland und Sibirien bis nach Japan erstreckenden schamanistisch-spirituellen Zone – vielleicht liegt es ja daran, dass sich ihre Musik auf wundervolle Weise jeglicher Grenzen von Zeit und Raum entzieht, zwar typisch nordisch, aber irgendwie eben auch universal klingt. Diese ganz spezielle Qualität kommt auf ihrem ersten Solo-Album, auf dem sie völlig auf sich zurückgeworfen noch konzentrierter in ihre einzigartige Welt einzutauchen vermag, vielleicht noch deutlicher zum Vorschein als auf den fünf exzellenten, ebenfalls bei ECM erschienenen Vorgänger-Alben mit Jazzern wie Trygve Seim, Arve Henriksen oder Anders Jormin. Auf ihrer 39-saitigen, sich über fünfeinhalb Oktaven erstreckenden Konzert-Kantele lässt sie farbenreiche, raumfüllende Klangbilder entstehen, während sie sich auf der fünfsaitigen Kantele mit zwei kurzen „Kantele Prayers“ im äußerst reduzierten Musizieren übt. Dazwischen liegt eine fünzehnsaitige Variante dieser sehr ursprünglich klingenden finnischen Kastenzither – in einzelnen Stücken kombiniert sie auch die unterschiedlichen Instrumente miteinander. In die üblichen stilistischen Schubladen passen Sinikka Langelands zwischen Archaischem, Folklore, Jazz und Experimentellem liegenden Klangwelten 0hnehin längst nicht mehr hinein. Auf „When I Was The Forest“ erweitert sie mit einem E-Bogen zusätzlich das Farbspektrum zur Untermalung eines von Meister Eckhart inspirierten Textes. Der musikalische Output korrespondiert auf perfekte Weise mit ihren lyrischen Vorlieben, die sich auf diesem Album vom Spätmittelalter bis zu den zeitgenössischen norwegischen Dichtern Olav H. Hauge und Jon Fosse erstrecken. Gesanglich ist sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme tief in der nordischen Tradition verwurzelt, der Titelsong geht auf ein altes Runenlied zurück. Sinikka Langeland pur – ein faszinierendes Erlebnis!

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at / digital: www.universalmusic.at)  

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