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23.09.2020 |  Peter Füssl

Solveig Slettahjell: Come In From The Rain

Wer die norwegische Sängerin nur aus ihrer Zeit als Langsamkeits-Weltmeisterin mit dem – nomen est omen – Slow Motion Quintet kennt, das durch eine extreme Verlangsamung des Songmaterials und eine ausgesprochen karge Instrumentierung ein neues Kapitel im Jazzgesang aufgeschlagen hatte, wird sich wundern.

Denn mittlerweile hat die 49-Jährige durchaus an Fahrt aufgenommen, etwa bei Loewe/Lerners bereits von unzähligen InterpretInnen auf Vinyl gebannten „On The Street Where You Live“, oder dem beschwingt und elegant swingenden Walter Donaldson-Standard „You’re Driving Me Crazy“ aus den 1930-ern. Auf letzterem überrascht sie – ebenso wie auf Billie Holidays „Now or Never“ – mit einer mitreißenden Scat-Einlage. Solveig Slettahjells ganz besondere Stärke liegt aber, wenig verwunderlich, in der ungemein stimmungsvollen Ausgestaltung langsamer Stücke: vom Melissa Manchester-Opener „Come In From The Rain“, über Buddy Johnsons „Since I Fell For You“ und Berlins „How Deep Is The Ocean“, dem bluesigen „I Lost My Sugar In Salt Lake City“, bis zum unsterblichen „Round Midnight“. In dieses Schema passen auch ihre übliche Hommage an Tom Waits (dieses Mal „Johnsburg, Illionis“ aus seinem legendären 1983-er-Album „Swordfishtrombones“) und ihre einzige Eigenkomposition „So I Borrow Your Smile“, die aus „Slow Motion“-Zeiten stammen könnte und die unter die Haut gehenden Qualitäten ihrer Stimme voll zur Geltung bringt. Der fingerfertige Pianist Andreas Ulvo, Bassist Trygve Waldemar Fiske und Drummer Pål Hausken stehen der ausdrucksstarken Sängerin sehr einfühlsam zur Seite – herausgekommen ist ein nicht großartig innovatives, aber atmosphärisch dichtes und stimmungsvolles Album für ruhige Stunden.

(ACT)

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