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25.05.2021 |  Peter Füssl

Sons of Kemet: Black To The Future

Shabaka Hutchings steht mit seinen drei Bands Sons of Kemet, The Comet is Coming und Shabaka And The Ancestors, einer Formation mit südafrikanischen Musikern, im Rampenlicht der seit einiger Zeit enorm boomenden britischen Jazz-Szene. Der 37-jährige Tenorsaxophonist und Klarinettist, der jüngst auch die Welt der Flöten für sich entdeckt hat, liebt allumfassende Konzepte mit philosophischem und gesellschaftspolitischem Tiefgang, legt den Finger in die aus dem Kolonialismus resultierenden Wunden ebenso wie in jene der traumatischen rassistischen Vorfälle der Gegenwart, verbindet die Welt uralter Mythen mit den Ängsten, Sehnsüchten und Hoffnungen der Gegenwart und wirft einen optimistischen Blick in die Zukunft.

„‘Black To The Future ist ein klangliches Poem zur Beschwörung von Kraft, Erinnerung und Heilung“, erklärt Hutchings, der die Songtitel auf dem vierten Album der Band so angeordnet hat, dass sie ein den Inhalt dieses Albums symbolhaft erläuterndes Gedicht ergeben: „Field Negus / Pick Up Your Burning / Think of Home / Hustle / To Never Forget The Source / In Remembrance of Those Fallen / Let The Circle Be Unbroken /Envision Yourself Levitating / Throughout The Madness, Stay Strong / Black.“ Der Londoner Poet Joshua Idehen – den man vom hervorragenden Sons of Kemet-Album „Your Queen Is A Reptile“ her bestens in Erinnerung hat – setzt mit zornigen und aufbegehrenden Statements am Anfang und am Ende des Albums dessen inhaltliche Klammer, die sich von der Sklaverei bis zur Ermordung George Floyds und der Black Lives Matter-Bewegung erstreckt. All das lähmt nicht, sondern geht in die Beine, entlädt sich in einem kraftvollen musikalischen Konglomerat aus Spiritual Jazz à la Sun Ra oder Pharoah Sanders, Post-Bop, Dub, Grime, Karibischem, Latin, Highlife und Afrobeat. Einem oftmals brodelnden rhythmischen Hexenkessel – von den beiden Drummern Tom Skinner und Edward Wakili-Hick angerührt, vom wendigen Tubaspieler Theon Cross geerdet, von Hutchings und Gästen wie den Tenorsaxophonisten Steven Williamson und Kebbi Williams oder Trompeter Ife Ogunjobi mit melodischer Würze und geschmackvollen Toppings versehen. Vokalist*innen, Rapper*innen und Poet*innen von beiden Seiten des Atlantiks wie Angel Bat Dawid, Moor Mother, Kojey Radical oder D Double E liefern Wortgewaltiges ab, das den Kopf und via Musik auch Bauch und Beine anspricht. Ein intensives Erlebnis, das auf Shabaka Hutchings eigenwilliger Vorstellung einer holistischen Einheit von Komposition, Improvisation und inhaltlicher Message basiert. „Black To The Future“ ist bislang sein Meisterwerk, das nicht nur in Jazz-Magazinen, sondern auch in Pop- und Rock-Zeitschriften rezensiert wird.

(Impulse/Universal) 

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