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02.09.2021 |  Peter Füssl

Torres: Thirstier

„The more of you I drink, the thirstier I get“ singt Mackenzie Scott, die sich nach ihrem Großvater Torres nennt, im Titelsong ihres fünften Albums. Dieses – mitunter euphorisch wirkende – Gefühl von Begierde, Liebe und Leidenschaft zieht sich als Grundstimmung durch die zehn neuen Songs der mittlerweile Dreißigjährigen und ist der glücklichen und in der künstlerischen Wechselwirkung fruchtbaren Beziehung zu ihrer Frau, der Malerin Jenna Gribbon, zu verdanken.

Während die in Macon/Georgia bei Zieheltern in einem frommen baptistischen Umfeld aufgewachsene Singersongwriterin in exzellenten Alben wie „Silver Tongue“, „Three Futures“ oder „Sprinter” kampfbereit und widerständig gegen einen Strudel aus Unsicherheiten, Frustrationen, Ängsten, Identitätsproblemen und Liebesleid ansang, schlägt sie nun durchwegs optimistische Töne an. An der unter die Haut gehenden Direktheit und Unverblümtheit ihrer qualitätsvollen Lyrics hat sich durch das neue Selbstbewusstsein und die erlösende Selbstfindung in Sachen Körperlichkeit und Sexualität allerdings absolut nichts geändert. Und natürlich verhindern immer noch Verlustängste und Zweifel an der Idylle jegliches Abgleiten ins Kitschige: „I know promisin forever’s not your thing / But now if you don’t want me to go dreamin / Don’t spend your mornings and evenings in my bed / If you don’t want me believin that you’re never gonna leave me darlin / Don’t go puttin wishes in my head.“ Solche Passagen klingen ganz nach der alten Torres. Auch musikalisch erfindet sie sich nicht völlig neu, verwendet die bereits bekannten Ingredienzen, gewichtet sie aber anders – lauter, offener, größer, manche behaupten gar stadion-tauglicher. Electronics und Synthesizer treten im Vergleich zu den Vorgängeralben wieder in den Hintergrund und überlassen der Gitarre das gleißende Scheinwerferlicht. Der Opener „Are You Sleepwalking?“ kippt nach einem kurzen Störgeräusch in ein druckvolles Grunge-Monster um. In dieselbe Kerbe schlagen „Hug From A Dinosaur“ und „Drive Me“. Das oben zitierte „Don’t Go Puttin Wishes In My Head“ ist ein synthie-unterlegter Country-Rock, „Kiss The Corners“ ein kleiner Ausflug in House-Gefilde – das unterkühlte Computer-Tuckern harmoniert wunderbar mit Torres schmachtendem Gesang. „Constant Tomorrowland” kommt – im Vergleich zum Rest der Songs – als eine Art ziemlich schräge Hippie-Hymne daher. Die reduzierte Folk-Ballade „Big Leap” ist einem verunfallten Freund gewidmet und zeigt Torres stimmlich von ihrer stärksten Seite. Mit dem Album-Closer „Keep The Devil Out“ geht’s schließlich noise-mäßig an die Schmerzgrenze – passend zum denkwürdigen Refrain „Everybody wants to go to heaven / But nobody wants to die to get there”. Starke finale Worte, für ein starkes Album, für dessen Artwork übrigens Jenna Gribbon einige ihrer unzähligen Torres-Porträts spendiert hat.

(Merge Records)

 

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