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03.11.2016 |  Peter Füssl

Wolfgang Muthspiel: Rising Grace

Für seine dritte ECM-Produktion hat Wolfgang Muthspiel ein echtes Allstar-Quintett zusammengestellt, eine Formation aus Bandleadern, die alle über einen Ruf höchster Könnerschaft verfügen und hier fern jeglicher Eitelkeit ein echtes Bandgefühl zelebrieren können. Sowohl mit Kontrabassist Larry Grenadier, als auch mit Drummer Brian Blade – eines der versiertesten Rhythmusgespanne des Gegenwartsjazz – verbindet Muthspiel schon eine jahrelange musikalische Zusammenarbeit, ihr Debut im Dreierpack feierten sie vor zwei Jahren auf ECM mit dem hervorragenden Album „Driftwood“.

Ein langjähriger musikalischer Partner von Blade und Grenadier ist wiederum der ob seines musikalischen Einfallsreichtums gerühmte, exzellente Top-Pianist Brad Mehldau, mit dem Muthspiel zwar noch nie gespielt hat, den er aber seit seinen New Yorker Jahren um die Jahrtausendwende ganz besonders schätzt. Das exquisite Quintett wird durch Ambrose Akinmusire komplettiert, den 34-jährigen Senkrechtstarter am Trompetenhimmel, dessen stilistische Bandbreite sich am besten anhand seiner wichtigsten Engagements festmachen lässt – von Steve Coleman, Jack DeJohnette und Vijay Iyer bis zu Aaron Parks und Kendrick Lamar. Der auch als Komponist äußerst versierte Wolfgang Muthspiel, dessen melodiöse, songorientierte Stücke leicht ins Ohr gehen und dennoch stets über eine Raffinesse verfügen, die auch anspruchsvollste Gemüter zufrieden stellt, weiß die hervorragenden Grundvoraussetzungen, die diese Bandkonstellation bietet, in seinen neun neuen Kompositionen hervorragend zu nutzen. Natürlich gibt es vom Bandleader auf der akustischen und auf der E-Gitarre, vom fingerfertigen Mehldau und vom mitunter durchaus auch unorthodox agierenden Akinmusire exzellente Soli zu hören, wirklich begeisternd sind aber die Sensibilität, der Einfallsreichtum und das musikalische Fingerspitzengefühl, mit dem die fünf Individualisten in einen ensembledienlichen Dauerdiskurs treten, sich wechselseitig inspirieren und befeuern und so zeitlos schöne Klangbilder erschaffen. Von besonderer Eindringlichkeit ist Muthspiels ergreifende Hommage an den 2014 verstorbenen Trompeter Kenny Wheeler, deren Titel „Den Wheeler, Den Kenny“ auch ein zarter Verweis auf den Witz in den Kompositionen des Gitarristen ist. Muthspiel wiederum wiederfuhr praktischerweise noch zu Lebzeiten die besondere Ehre, mit „Wolfgang’s Waltz“ ein Stück von Brad Mehldau auf den Leib geschrieben zu bekommen, das natürlich auch den Pianisten in exzellentem Licht präsentiert. Ein perfektes Album und ein weiterer Meilenstein im bemerkenswerten Oeuvre des österreichischen Gitarristen.

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at)

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