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05.08.2021 |  Gunnar Landsgesell

Abseits des Lebens

Robin Wright erzählt die Geschichte einer Frau, die sich in die Wildnis zurückzieht. Über ihre Motive weiß man nicht so viel. Ein Film über gesuchte Einsamkeit und Rückzug mit offenem Ende, der eigentlich wenig mit Walden und Survival-Erfahrungsfilmen zu tun hat. Durchaus interessant von Wright inszeniert und gespielt.

Ein Problem steht zu Beginn dieses Films: Wir begegnen einer Frau namens Edee (Robin Wright) in Psychotherapie, die offenbar leidet. Niemand könne fühlen, wie es ihr ginge. Mit dem Schmerz sei sie letztlich allein. Edee fährt mit dem Auto in die Berge an der Grenze Kanadas. Endlose Wälder, Täler, Flüsse. Der vollbärtige Mann, bei dem sie eine recht verwahrloste Hütte kauft, fährt voraus. Er erklärt Edee noch, wo das Gebiet der Schoschonen beginnt, doch bevor er wieder abfährt, sagt sie, er solle jemand organisieren, der auch ihr Auto abholt. Das hält der Verkäufer für keine gute Idee. Kurz darauf ist ihr Auto weg und Edee ziemlich allein auf weiter Flur. "Abseits des Lebens" (Originaltitel: "Land") ist nur bedingt eine weitere Variation der Naturerfahrung, von Walden-Fans und Survivalcamps. Man hat vielmehr das Gefühl, die Bedingungen für diese Frau können nicht schlecht genug sein, um sich hier niederzulassen. Ihr Problem zu Beginn des Films wird nicht näher erklärt. Dass eine Städterin mit ein paar Dosen in der Tasche hier schon bald hungrig werden wird, wird offensichtlich. Selbst das Holz, das sie hacken will, lässt sich ohne jede Erfahrung nicht spalten. So entfaltet sich "Abseits des Lebens" als Erzählung, in der alles abgestorben scheint. Die Landschaft ist schön, weit, aber wird von der Kamera wesentlich weniger schwelgerisch eingefangen als etwa in "Into the Wild", wo Robin Wrights Ex-Ehemann Sean Penn noch die eigenen Grenzen und die der Natur ausgelotet hatte. Auch mit Formaten wie "Der Mann aus den Bergen" hat dieser Film wenig gemein. Hier geht es um einen Rückzug, eigentlich aus dem Leben. Das macht es interessant.

Keine kommerzielle Version von Kelly Reichardt

Robin Wright, bekannt aus "House of Cards" oder Shyamalans "Unbreakable", hat neben der Hauptrolle auch die Regie übernommen. In einem Interview meinte sie vor einigen Jahren, in Hollywood ginge es vor allem um Eskapismus, das öde sie an. Insofern darf ihr Regiedebüt auch als Statement gesehen werden. Die Kamera von Bobby Bukowski (der sich zwischen dem Unheimlichen wie "Arlington Road" und Independent wie Ramin Bahrani's "99 Homes" bewegt) findet jedenfalls eine visuelle Form der Vermittlung, in der einige Düsterheit im Gegenlicht die pralle Waldkulisse - bald im Schnee - konterkariert. Wright selbst inszeniert sich aber nicht als theatralisch siechende Protagonistin; tapfer und mit einem Gleichmut erledigt sie die Dinge, die es zu tun gibt, womit man sich als Zuschauer recht frei fühlt. In der Mitte des Films stoßen vorübergehend zwei Menschen (Demian Bichir, Sarah Dawn Pledge) dazu, die, sagen wir mal, ihr zum richtigen Zeitpunkt helfen. Die Dialoge bleiben karg und prägnant: Es gibt schönere Arten zu sterben, als zu verhungern, heißt es da. Die Einsamkeit und einige sehr schmale Rückblicke auf ihre Vergangenheit bleiben das tragende Motiv. Daran kann auch ein Bärenbesuch nichts ändern. Zeitweise wünscht man sich deutlichere Einblicke in das Innere dieser Frau, andererseits schätzt man, dass Wright ihre Figur so unprätentiös entwirft und damit sogar einen gewissen Realismus produziert. (Und zeitweise auch interessante Ideen einbringt wie jene, die Springsteen-Nummer "I'm On Fire" von The Staves in einer interessanten Neuinterpretation einzusetzen.) Auch wenn "Abseits des Lebens" keine kommerzielle Version eines Kelly Reichardt Films ist, wie Peter Debruge in "Variety" schreibt, weil Reichardt ihre Figuren auf das Engste in Beziehung zu ihrer Umwelt setzt, während es Wright um eine Abnabelung geht, hat der Film eine Großzügigkeit und Weite, die man tatsächlich nicht so oft aus Hollywood erlebt. Definitiv ein Film für das Kino.

Robin Wright inszeniert bei ihrem Debüt eine minimalistische Geschichte, auch gegen den Eskapismus Hollywoods.

Robin Wright inszeniert bei ihrem Debüt eine minimalistische Geschichte, auch gegen den Eskapismus Hollywoods.

Eine Städterin in der Stadt, ein Motiv, das sich durch den Film zieht. Aber nicht unbedingt aus zu vermutenden Gründen.

Eine Städterin in der Stadt, ein Motiv, das sich durch den Film zieht. Aber nicht unbedingt aus zu vermutenden Gründen.

Kurze Besuche, für die Story durchwegs bedeutsam.

Kurze Besuche, für die Story durchwegs bedeutsam.

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  • Robin Wright inszeniert bei ihrem Debüt eine minimalistische Geschichte, auch gegen den Eskapismus Hollywoods. Robin Wright inszeniert bei ihrem Debüt eine minimalistische Geschichte, auch gegen den Eskapismus Hollywoods.
  • Eine Städterin in der Stadt, ein Motiv, das sich durch den Film zieht. Aber nicht unbedingt aus zu vermutenden Gründen. Eine Städterin in der Stadt, ein Motiv, das sich durch den Film zieht. Aber nicht unbedingt aus zu vermutenden Gründen.
  • Kurze Besuche, für die Story durchwegs bedeutsam. Kurze Besuche, für die Story durchwegs bedeutsam.