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31.07.2011 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (1.8. - 7.8. 2011)

Deutsches Kino bieten die Filmclubs und Open-Air-Veranstaltungen diese Woche. Während die Samdereli-Schwestern in „Almanya – Willkommen in Deutschland“ doch allzu leichtgewichtig und klamaukig von der türkischen Arbeitsmigration erzählen, träumt Tom Tykwer in seinem unglaublich einfallsreich inszenierten „Drei“ von einer glücklichen Dreierbeziehung.

Almanya – Willkommen in Deutschland: In den 1960er Jahren ist Hüseyin Yilmaz als 1.000.001. Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Wirklich heimisch ist er in seinem Arbeitsland nie geworden, zwischen den Kulturen sind seine Kinder aufgewachsen und auch sein sechsjähriger Enkel Cenk, weiß nicht wirklich, ob er nun Deutscher oder Türke ist. Ausgehend von dieser Irritation Cenks wird einerseits dem Jungen von seiner 22-jährigen Cousine Canan die Geschichte der Migration des Großvaters und der Erfahrung des fremden Landes Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren erzählt, andererseits kommt es auf der Gegenwartsebene auf Wunsch des Opas zu einer Reise der ganzen Familie in eine Türkei, die der in Deutschland aufgewachsenen Generation längst fremd geworden ist.
Lustvoll spielen die Geschwister Yasemin (Regie) und Nesrin (Drehbuch) Samdereli mit türkischen Klischeevorstellungen von Deutschland und deutschen von der Türkei. Vieles ist da sichtlich aus eigener Erfahrung gespeist, allerdings fehlt auch Klamauk nicht. – Und für das brennende Thema scheint die Herangehensweise auch zu leicht und zu wenig tiefschürfend. Schnelle Lacher sind hier wichtiger als differenzierte Schilderung, aber immerhin vermag dieses flotte Feelgood-Movie anzuregen über die Geschichte der Arbeitsmigranten sowie über gegenseitige Klischeebilder nachzudenken.
TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos: bis Do 4.8.
„Filme unter Sternen“ – Marktplatz, Rankweil (bei Schlechtwetter: Altes Kino, Rankweil): Fr 5.8., 21.30 Uhr


Drei: Zufall oder Schicksal – das ist das große Thema von Tom Tykwer, nicht nur sein erster großer internationaler Erfolg „Lola rennt“ kreiste um diese Frage. Nach den zwei englischsprachigen Großproduktionen „Das Parfüm“ und „ The International“ ist Tykwer nach Deutschland zurückgekehrt, hat einen kleinen Film um eine Dreiecksgeschichte gedreht und träumt von einer neuen Form der Beziehung.
Locker, verspielt und unglaublich einfallsreich ist das inszeniert, manchmal allerdings auch selbstverliebt den Einfallsreichtum und die inszenatorische Finesse ausstellend, aber dennoch folgt man der Geschichte um die Kulturjournalistin Hanna (Sophie Rois), ihren Lebenspartner Simon (Sebastian Schipper) und den Stammzellenforscher Adam (Devid Stresov), mit dem bald beide eine Affäre beginnen, interessiert und mit großem Vergnügen. Denn souverän wechselt Tykwer die Perspektiven, verankert seinen Film wunderbar im Ambiente von Berlin und lotet trotz der inhaltlichen Überfülle locker entspannt die vielfältigen Möglichkeiten der Liebe und menschlicher Beziehungen aus.
Hochartifiziell ist zwar die Versuchsanordnung, dennoch wird „Drei“ nie zum kalten Konzeptkino, sondern erreicht den Zuschauer dank der mit Sophie Rois, Sebastian Schipper und Devid Stresov wunderbar besetzten Hauptrollen auch emotional.
„Filme unter Sternen“ – Marktplatz, Rankweil (bei Schlechtwetter: Altes Kino, Rankweil): Do 4.8., 21.30 Uhr

Almanya - Willkommen in Deutschland

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Drei

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