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09.12.2021 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (10.12. - 16.12. 2021)

Ein volles Programm bietet das Skino in Schaan: Ridley Scott blickt in "House of Gucci" mit satirischem Biss auf die durch das Modeunternehmen bekannte Familie und auch in Bent Hamers Episodenfilm "Home for Christmas" kommt dunkler Humor nicht zu kurz.

Home for Christmas

Der Norweger Bent Hamer spannt in seinem Episodenfilm den Bogen von einem Arzt, der jedes Gefühl für Weihnachten, für seine Frau und wohl auch für sich selbst verloren hat, über ein migrantisches Paar, das in einer von Kaminfeuer erhellten Blockhütte, ein Kind zur Welt bringt, und einem Jugendlichen, der einer jungen dunkelhäutigen Muslimin näherkommt, bis zu einem greisen Paar, das auf die Rückkehr seines Sohnes wartet. Dazu kommen ein arbeitsloser Vater, dessen Frau den Weihnachtsabend mit den gemeinsamen Kindern mit einem anderen Mann verbringen will, eine Frau, die dagegen aufbegehrt, dass ihr verheirateter Geliebter sie nur für leidenschaftlichen Sex benützt, und ein Obdachloser, der seiner Jugendliebe begegnet.
Von Geburt und auch von Tod, von Liebe und Trennung, Einsamkeit und - zumindest im Blick durch ein Fernrohr – einem Familienfest erzählt so Hamer sehr gefühlvoll, aber auch mit genauem Blick für den Alltag und Momenten bissigen Humors. Nie macht „Home for Christmas“ dem Zuschauer dabei vor, dass an Weihnachten die Probleme gelöst werden und danach alles heil ist, sondern lässt die Sorgen vielmehr vor diesem Hintergrund noch deutlicher zu Tage treten.
Diese Pole des Lebens, die Sehnsucht nach Wärme und die gleichzeitige Kälte, werden dabei wunderbar über die Bildsprache transportiert. Immer wieder finden sich in der kalten Schneelandschaft Lichtpunkte, die Wärme versprechen. Das Heimelige ist so immer gebrochen durch das Dunkle, das Glück scheint möglich, ist aber eher die Ausnahme in einer ziemlich bitteren und kalten Welt. Auch mit der Hektik der Weihnachtszeit bricht Hamer, wenn er ruhig und in langen statischen Einstellungen erzählt, Melancholie allein schon durch den Erzählrhythmus und die überlegte Wahl von Licht und Farben aufkommen lässt.

Skino Schaan: Do 16.12., 18 Uhr


House of Gucci

Ausgehend von der Ehe von Maurizio (Adam Driver) und Patricia Gucci (Lady Gaga) erzählt Ridley Scott von Intrigen im renommierten Familienunternehmen und dessen Niedergang bis zur Trennung des Paares und der Ermordung Maurizios am 27. März 1995.
Mit satirischem Biss blickt Scott auf die Familie, deren reale Angehöriger sehr kritisch auf den Film reagierten. An differenzierter Zeichnung der Figuren und einzelner Szenen ist der 83-jährige Brite kaum interessiert, spult vielmehr im Schnelldurchlauf rund 17 Jahre ab.
Sichtlich mit großem Vergnügen spielt das Starensemble, das offensichtlich zum hemmungslosen Chargieren aufgefordert wurde und in der Originalfassung seltsamerweise auf Englisch mit starkem italienischem Akzent spricht. Herrlich fies und durchtrieben ist so Lady Gagas Patrizia, Al Pacino spielt Onkel Paolo, der im Gegensatz zu seinem Bruder auch in Shopping-Center expandieren möchte, im Stil des "Paten"-Erben, den er einst in Coppolas "The Godfather 3" spielte. Übertreibt Jared Leto hemmungslos bei seiner Verkörperung des künstlerisch interessierten, aber unbegabten Cousins Aldo, so brilliert Adam Driver wieder einmal als Maurizio mit stoischer Zurückhaltung.
Besonders deutlich wird die Steigerung ins Groteske, wenn Patrizia zunächst immer wieder eine Wahrsagerin (Salma Hayek) über ihre Zukunft befragt, dann mit einem Schadensfluch erreichen will, dass Maurizio zu ihr zurückkehrt. Als auch dies nichts fruchtet, greift sie zu einem profaneren Mittel. Wie sie und die Wahrsagerin sich mit zwei Berufskillern in einem Gastgarten treffen, wirkt nur noch wie die Karikatur solcher Szenen, doch Scott scheint es auf diesen Ton angelegt zu haben und unterstreicht den satirischen Charakter auch durch den Soundtrack, bei dem Popsongs mit Opernarien gemischt werden.

Skino Schaan: Fr 10.12. bis Mi 15.12. – jeweils 20.30 Uhr


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https://www.film-netz.com.

House of Gucci

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