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10.12.2015 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (11.12. - 17.12. 2015)

Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche mit der österreichischen Oscar-Einreichung „Ich seh Ich seh“ einen subtilen Horrorfilm. Im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz steht dagegen mit Lotte Reinigers „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ der älteste erhaltene Animationsfilm der Filmgeschichte auf dem Programm.

Ich seh ich seh: Mit bandagiertem Gesicht kehrt eine Frau aus dem Krankenhaus ins idyllisch an einem See gelegene Einfamilienhaus zurück. Doch die beiden etwa 10-jährigen Zwillingssöhne Lukas und Elias bezweifeln, dass die Frau tatsächlich ihre Mutter ist.
Von Beginn an spielen Veronika Franz und Severin Fiala in ihrem Spielfilmdebüt, wenn die Kamera den beiden Kindern mal im Rücken, mal mit ihrer subjektiven Perspektive durch ein Maisfeld folgt, nicht nur mit Horrormotiven, sondern auch mit Blickrichtungen und dem Sehen. Aufgeworfen wird hier nicht nur die Frage, wer hier wen sieht, sondern auch was man sieht und ob man dem Sehen überhaupt trauen kann.
Je mehr die Zwillinge an der Identität der Mutter zu zweifeln beginnen, desto mehr zieht das Regieduo die Horrorschraube an, bis schließlich Blut fließt. Bestechend arbeiten Franz/Fiala, unterstützt von Kameramann Martin Gschlacht dabei mit Bildern, reduzieren die Dialoge aufs Nötige und verzichten außer den im Bild gesungenen bzw. gespielten Liedern „Guten Abend, gut Nacht“ und „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ auf Musik.
Die vielfach langen, ruhigen, sorgfältig kadrierten und aufgeräumten Einstellungen, das moderne Einfamilienhaus und die Sommerstimmung bilden dabei einen wirkungsvollen Kontrast zur Thrillerspannung, die aufgebaut werden soll. Bestens unterstützt wird dieses Gefühl der Verunsicherung und Bedrohung auch durch die hervorragende Tonspur und auch die Handlung wird schnörkellos entwickelt.
Doch so überzeugend das auch gemacht ist, so wirkt „Ich seh Ich seh“ doch wie eine Fingerübung und eine kühle Versuchsanordnung, bei der der Zuschauer in der Beobachterposition bleibt und emotional nicht in die Handlung hineingezogen wird.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio:
Sa 12.12. bis Do 17.12.


Die Abenteuer des Prinzen Achmed:
Lotte Reinigers 1926 entstandener Silhouetten-Animationsfilm gilt als der älteste erhaltene Animationsfilm der Filmgeschichte und gehört zu den großen Klassikern der Siebten Kunst. In dreijähriger Arbeit schuf die deutsche Scherenschneiderin mit ihrem Team, zu dem auch der Avantgardefilmer Walter Ruttmann gehörte, in Handarbeit rund 250.000 Einzelbilder, von denen etwa 96.000 schließlich für den 65-minütigen Film verwendet wurden. Die Bilder wurden dabei nicht gezeichnet, sondern flache Puppen aus einzelnen ausgeschnittenen Pappteilen wurden einzeln gefilmt und mittels Stop-Motion-Technik animiert.
Nach den Motiven aus der Märchensammlung „1001 Nacht“ erzählt der Film vom Prinzen Achmed, der von einem Zauberer ein Pferd bekommt, das fliegen kann. So reist der Prinz nach China, wo er Abenteuer bestehen muss, begegnet aber auch Aladin mit der Wunderlampe, bis der Film schließlich in einer turbulenten Schlacht der guten und der bösen Geister kulminiert.
Die Trickfilme des Computerzeitalters mögen perfekter und spektakulärer als „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ sein, dennoch hat dieses fantasievolle und liebvoll-verspielte Meisterwerk auch nach fast 90 Jahren nichts von seinem Reiz und seiner Faszination verloren.
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz:
Do 17.12., 20 Uhr

Ich seh Ich seh

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Die Abenteuer des Prinzen Achmed

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