Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

12.12.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (13.12. - 19.12. 2019)

Am Spielboden Dornbirn ist diese Woche der albanische Spielfilm „Ein Licht zwischen den Wolken“ zu sehen, der im engen Raum eines Bergdorfs Fragen des Zusammenlebens der Religionen verhandelt. Das Skino in Schaan zeigt im Rahmen der Reihe „Gutenberg im Kino“, „Merry Christmas - Waffenstillstand zu Weihnachten“, in dem Christian Carion von einem kurzen Weihnachtsfrieden mitten im Ersten Weltkrieg erzählt.

Ein Licht zwischen den Wolken: In die abgeschiedene Welt eines albanischen Bergdorfs entführt Robert Budina den Zuschauer in seinem Spielfilm. Ruhig verläuft hier das Leben, doch als der Ziegenhirte Besnik (stark: Arben Bajraktarai) hinter dem abbröckelnden Putz der Moschee ein älteres katholisches Fresko entdeckt, werden bald Risse innerhalb der Gesellschaft sichtbar. Bewusst macht dieses Fresko nämlich, dass Christen und Moslems früher die Moschee gemeinsam nutzten. Als Besnik aber eine Rückkehr zu dieser Tradition vorschlägt, stößt er auf Widerstand und auch in seiner multikonfessionellen Familie treten die religiösen Spannungen immer stärker zu Tage.
Frieden und innere Ruhe findet Besnik in der weiten Natur, die Marius Pandura großartig mit der Kamera einfängt. In scharfem Kontrast zu diesen Landschaftstotalen stehen die beengenden und dunklen Innenräume. Gespiegelt wird in diesem Gegensatz auch die Spannung zwischen der Offenheit Besniks und dem engen Denken seiner Mitbewohner.
Budina erzählt diese Geschichte in langen und ruhigen Einstellungen. Er lässt den Protagonisten viel Zeit, dramatisiert nicht, sondern beschränkt sich darauf zu beobachten, schildert genau und geduldig alltägliche Verrichtungen und verzichtet auf alles Spektakuläre. Leise, aber eindrücklich arbeitet der Albaner so im geschlossenen Raum dieses Bergdorfs heraus, wie Gemeinschaften aufgrund unterschiedlicher Religionen zerbrechen können, und plädiert leise, aber mit Nachdruck für ein offenes Miteinander anstelle eines Gegeneinanders.
Spielboden Dornbirn: Fr 13.12. + Sa 21.12. – jeweils 19.30 Uhr

 

Merry Christmas - Waffenstillstand zu Weihnachten: Voll Stolz auf ihre Nation ziehen im Sommer 1914 Franzosen, Deutsche und Briten in den Ersten Weltkrieg. Doch schon wenige Monate später liegen die feindlichen Soldaten nur ein paar Meter voneinander getrennt zermürbt und kriegsmüde in den Schützengräben der Westfront. In der Weihnachtsnacht kommt es zur Versöhnung der einfachen Soldaten, die sich im Niemandsland zur Mette treffen. Die Heeresleitung aber verurteilt diese „Verbrüderung mit dem Feind“ als Hochverrat und reagiert mit Sanktionen.
Ganz auf der emotionalen Ebene versucht Christian Carion in diesem auf wahren Ereignissen beruhenden Drama den Zuschauer zu erreichen. Auch vor Kitsch schreckt der Franzose dabei nicht zurück und lässt sogar eine Sopranistin in rotem Samtmantel ihren Geliebten an der Front besuchen und mit ihm das „Ave Maria“ singen. Um zu bewegen ist dieses Plädoyer für Versöhnung aber zu einfach gestrickt und zu plakativ. Weder wird den Schauspielern Zeit und Raum eingeräumt, um ihren Figuren Konturen zu verleihen, noch wird die Atmosphäre in und um die Schützengräben vermittelt. Vor aseptischer Kulisse spielt sich die Handlung ab und dieses Fehlen jeglicher Raumdramaturgie sowie die Dominanz von Großaufnahmen berauben „Merry Christmas“ jeder Dringlichkeit und Schärfe und machen ihn mehr zu einem biederen TV- als zu einem großen Kinofilm.
Skino Schaan in der Reihe „Gutenberg im Kino": Do  19.12., 18 Uhr

Ein Licht zwischen den Wolken

Ein Licht zwischen den Wolken

Merry Christmas - Waffenstillstand zu Weihnachten

Merry Christmas - Waffenstillstand zu Weihnachten

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Ein Licht zwischen den Wolken Ein Licht zwischen den Wolken
  • Merry Christmas - Waffenstillstand zu Weihnachten Merry Christmas - Waffenstillstand zu Weihnachten