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10.07.2009 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (13. - 19.7.2009)

Tage oder Stunden: Im Leben des 42-jährigen Familienvaters Antoine ist scheinbar alles in Ordnung. Doch eines Tages rastet er aus und er beginnt konsequent berufliches und privates Glück zu zerstören. – Wie zuletzt mit der altersweisen Tragikomödie „Dialog mit meinem Gärtner“ legt der 71-jährige Jean Becker, der Sohn des großen, 1960 verstorbenen französischen Filmregisseurs Jacques Becker, auch mit „Tage oder Stunden“ großartiges Schauspielerkino vor. In der Hauptrolle brilliert dabei Albert Dupontel. Allzu viel über die Handlung verraten sollte man allerdings nicht, denn Becker zieht den Zuschauer geschickt und mitreißend in die Krise des Protagonisten hinein und klärt ihn erst am Ende über die Motive Antoines für sein Verhalten auf, mit dem er innerhalb von zwei Tagen sein gesamtes Leben zerstört. (Quelle: Arsenal-Filmverleih)
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 15.7., 20 Uhr; Fr, 17.7., 22 Uhr


Die Klavierspielerin: “Ich habe keine Gefühle und, sollte ich welche haben, werden sie nie über meine Intelligenz siegen“, stellt die Klavierlehrerin Erika Kohout (Isabelle Huppert) an einer zentralen Stelle von Michael Hanekes Verfilmung von Elfriede Jelineks Roman fest. Glück scheint es im Leben der 40jährigen, die mit der von ihr gleichermaßen geliebten wie gehassten dominanten Mutter zusammenlebt, nicht zu geben. Ihr ganzes Leben besteht aus dem Klavierunterricht, bei dem ihr einzig das Schikanieren von Schülern Freude zu bereiten scheint. Wie sich die Protagonistin keine Gefühle erlaubt oder vielmehr unfähig zu Gefühlen ist, so erlaubt sich auch Haneke keine Gefühle. Eisige Kälte strahlen die Bilder von Kameramann Christian Berger aus, entsprechend den Tasten eines Klaviers sind Weiß und Schwarz die dominierenden Farben. Durch einen harten Schnitt, den sezierenden Blick des Regisseurs, der in quälend langen Plansequenzen zum Ausdruck kommt, wird die beklemmende Atmosphäre noch gesteigert. So entwickelt sich durch die inhaltliche Geschlossenheit und die formale Rigorosität das unerbittliche Psychogramm einer Frau, in deren Leben es nur Macht und Unterdrückung gibt, nicht Agieren, sondern einzig Beobachten und Schmerz Lust bereiten.
FKC Dornbirn in den Weltlichtspielen Dornbirn: Do, 16.7., 19.30 Uhr; Fr, 17.7., 21.30 Uhr


Easy Virtue: Eine junge Amerikanerin aus der Autostadt Detroit heiratet in den 1920er Jahren überstürzt einen jungen englischen Adeligen. Seine Mutter ist darüber aber gar nicht erfreut, und beim Antrittsbesuch bei der Familie ist ein Culture Clash vorprogrammiert. – Alfred Hitchcock hat die Gesellschaftskomödie von Noel Coward schon 1928 verfilmt, Stephen Elliott hat sie entstaubt und bietet dank blendend aufgelegter Schauspieler, spritziger Dialogen und mit einem prächtigen englischen Landsitz als fotogener Kulisse hinreißende Unterhaltung. Überragend ist dabei Kristin Scott Thomas als stocksteife Mutter, die sich mit der blonden Jessica Biel als deren verachtete Schwiegertochter ein großartiges Schauspielerduell liefert. Und die inhaltliche Stoßrichtung gibt Cole Porters „Let's Misbehave“ vor, denn lustvoll anarchistisch wird hier zu Liederlichkeit („Easy Virtue“) aufgerufen, Standesdünkel, Konventionen und innerlicher Erstarrung eine Absage erteilt und für einen Blick nach Vorne plädiert.
Filmfest Vaduz – Rathausplatz Vaduz: Do, 16.7., 21.30 Uhr

Tage oder Stunden

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Die Klavierspielerin © Wega Film

Die Klavierspielerin © Wega Film

Easy Virtue

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