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13.02.2014 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (14.2. - 20.2. 2014)

Der FKC Dornbirn zeigt diese Woche Arnaud des Pallières Verfilmung von Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas". Auf dem Programm des Takino Schaan steht Monte Hellmans Kultfilm "Two-Lane Blacktop".

Michael Kohlhaas: Schon mehrfach wurde Heinrich von Kleists berühmte Novelle verfilmt, zweimal im Zuge der 68er Bewegung – 1967 von Wolf Vollmar und 1969 von Volker Schlöndorff. Der amerikanische Schriftsteller E. L. Doctorov verlegte den Plot in seinem Roman „Ragtime“, den Milos Forman 1981 verfilmte, in die USA.
Der Franzose Arnaud des Pallières verzichtet in seiner Verfilmung auf Aktualisierungen, verlegt die Geschichte um einen Pferdehändler, der in einem Kampf um Gerechtigkeit zur Selbstjustiz greift, aber von Brandenburg in die weite und karge Landschaft der Cevennen. Open-Air und weitgehend ohne künstliches Licht und mit Originalton inszeniert des Pallières die Novelle als minimalistischen Western, der vom charismatischen Mads Mikkelsen in der Titelrolle getragen wird. Kein opulenter Kostümfilm ist das, sondern ein aufs Wesentliche reduziertes Werk, nicht die Dramatik forcierend, sondern kühl erzählend. Die Strenge von Kohlhaas gegenüber anderen aber auch gegenüber sich selbst korrespondiert dabei kongenial mit der Strenge des Films.
In dieser Reduktion mit dem Verzicht auf opulente Stadtszenen und der Beschränkung auf die weite, unberührte Natur wird keine vergangene Zeit zum Leben erweckt, sondern werden vielmehr zeitlose Themen verhandelt. Durchaus auch auf die Gegenwart übertragen kann man diese Auseinandersetzung mit Recht und Gerechtigkeit, mit dem Aufstand gegen Unterdrücker, aber auch die Frage nach dem Überschreiten der Grenzen, nach dem Abgleiten des Gerechtigkeitswahns in Fanatismus. Jeder für sich kann und muss hier die Frage beantworten, wann Kohlhaas hier die Grenze überschritten hat.  
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 19.2., 21.30 Uhr, Do 20.2., 19.30 Uhr

Two-Lane Blacktop: Gewissermaßen ein Gegenstück zum Motorradfilm "Easy Rider" ist Monte Hellmans 1971 entstandenes Werk über zwei junge Männer, die auf den amerikanischen Highways mit ihrem 1955er Chevrolet gegen andere Autorennen fahren.
Wie "Easy Rider" ist auch "Two-Lane Blacktop" ein prototypischer Film des New Hollywood. Nachdem Hellman schon zuvor mit den existentialistischen und dementsprechend handlungsarmen "Ride in the Whirlwind" (1965) und "The Shooting" (1967) den Western dekonstruierte, arbeitete er in "Two- Lane Blacktop" dem Roadmovie entgegen. In der lakonischen Erzählweise und der Reduktion begeisterten die Filme Hellmans die Kritiker und längst genießen sie Kultstatus, ein großes Publikum erreichten sie aber nie, sodass sich Hellman nach dem Flop von "Two-Lane Blacktop" mit Gelegenheitsjobs durchschlagen musste und bislang nur noch zweimal - 1977 bei der Muhammad Ali Biographie "The Greatest" und 2009 bei "Road to Nowhere" - Regie führen konnte.
Takino Schaan: Do 20.2., 18.30 Uhr

Michael Kohlhaas

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Two-Lane Blacktop

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