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17.11.2022 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (18.11. - 24.11. 2022)

Spielboden Dornbirn und Kinothek Lustenau zeigen diese Woche Ruben Östlunds Cannes-Siegerfilm „Triangle of Sadness". Im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz präsentiert das Skino dagegen mit Alain Resnais´ „Letztes Jahr in Marienbad" eines der großen, immer noch rätselhaften Meisterwerke der Filmgeschichte.

Triangle of Sadness: Nachdem Ruben Östlund schon 2017 mit der Kunstsatire „The Square" in Cannes die Goldene Palme gewinnen konnte, wiederholte er in diesem Jahr mit "Triangle of Sadness" diesen Erfolg.
An einer großen Erzählung ist Östlund dabei nicht interessiert. Er entwickelt vielmehr eine Versuchsanordnung mit markanten Szenen, in denen er die Gesellschaft seziert. So gliedert sich „Triangle of Sadness" in einen Prolog und drei Kapitel, die jeweils durch die klassischen Einheiten von Ort, Zeit und Handlung gekennzeichnet sind.
Kernstück des Films ist dabei die Kreuzfahrt eines Paares mit einer Luxusyacht, bei der Östlund lustvoll Klassengegensätze und Dekadenz der Oberschicht anprangert. Doch nach einer nur angedeuteten Katastrophe verschieben sich abrupt die Machtverhältnisse.
Witz und Biss entwickelt diese Satire, die in der glanzvollen visuellen Oberfläche (Kamera: Fredrik Wenzel) auch perfekt die glanzvolle Fassade der geschilderten Welt spiegelt, durch Östlunds Gespür für Überzeichnung von Szenen und markante Figurenzeichnung.
Trefflich besetzt sind so nicht nur die beiden Protagonist:innen mit den Newcomern Harris Dickinson und dem südafrikanischen Model Charlbi Dean, das völlig überraschend im August im Alter von 32 Jahren starb, sondern auch die Nebenfiguren. Herausragend ist vor allem Woody Harrelson als alkoholsüchtiger Kapitän, der jede Orientierung verloren hat, aber auch Iris Berben brilliert mit Zurückhaltung als praktisch sprachlose Deutsche, Sunnyi Melles als Oligarchengattin oder Zlatko Burić als russischer Oligarch.
So unterhaltsam „Triangle of Sadness" durch diese Figuren und die Fülle bissiger Szenen aber auch ist, so zeitgeistig ist er auch. Man blickt zwar in einen Abgrund, unterhält sich aber dennoch gut. Nicht zu Boden gedrückt wird man hier, denn man blickt aus einer sicheren Distanz auf diese Gesellschaft, durch die das Schicksal der Protagonist:innen nicht emotional bewegt, sondern darüber lachen lässt.
Spielboden Dornbirn Di 22.11., 19.30 Uhr
Kinothek Lustenau: Di 22.11., 20 Uhr; Mi 23.11., 18 Uhr; Di 29.11., 20 Uhr; Mi 30.11., 18 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 29.12., 20 Uhr

Letztes Jahr in Marienbad:  Alain Resnais´ zweiter Spielfilm ist schon 61 Jahre alt, aber immer noch so irritierend wie bei seiner Uraufführung. Die Kamera von Sacha Vierny gleitet durch endlose Gänge, über barocke Verzierungen und Statuen, während im Voice-over eine Männerstimme über die Leblosigkeit dieser Räume, über die Zeit und die Vergangenheit spricht. Abwesend sind in diesem Auftakt die Menschen, ganz von der kalten Architektur wird die Szene bestimmt.
Ein im Drehbuch als X (Giorgio Albertazzi) bezeichneter Mann trifft in diesem Schloss, das auch ein Hotel ist und auch eine psychiatrische Klinik sein könnte, auf die unnahbare und kühle junge A (Delphine Seyrig). Er erzählt ihr, dass sie sich schon letztes Jahr hier getroffen und für dieses Jahr wieder verabredet hätten. Er versucht sie zu überreden, mit ihm wegzugehen, doch sie, die mit ihrem Mann oder Geliebten M (Sacha Pitoeff) hier ist, behauptet ihn nicht zu kennen, bis sie seiner Aufforderung am Ende doch nachkommt und mit ihm das Schloss verlässt.
Im Grunde wird eine simple Dreiecksgeschichte erzählt, doch diese Handlung ist nur Vorwand für eine Reflexion über Wahrheit und Imagination und – ein zentrales Thema bei Resnais – die Zeit. Inhaltlich wird dabei alles offengelassen: Erfindet X nur eine Geschichte, um A für sich zu gewinnen, kann sich A wirklich nicht erinnern oder leugnet sie einfach ihre frühere Begegnung?
Alles andere als leicht macht die hochstilisierte Inszenierung und die hermetische Abgeschlossenheit den Zugang zu diesem Film, öffnet ihn aber gleichzeitig für vielfältigste Interpretationen. So wurde „Letztes Jahr in Marienbad" sowohl schon psychoanalytisch als ein im Traum sich vollziehender Kampf zwischen Lust- und Realitätsprinzip gedeutet als auch als mythologisch-allegorische Darstellung vom Tod, der sein Opfer holt, bis zur phänomenologischen Interpretation als Versinnbildlichung der Dialektik zwischen Drinnen und Draußen.
Skino im Kunstmuseum Vaduz: Do 24.11., 18 Uhr


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https://www.film-netz.com.

Triangle of Sadness

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Letztes Jahr in Marienbad

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