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17.06.2021 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (18.6. - 24.6. 2021)

Im Kunstmuseum Vaduz wird mit "Countdown – Start zum Mond" Robert Altmans 1967 entstandenes Kinodebüt gezeigt, in dem der Amerikaner kritisch auf das NASA-Projekt eines Mondflugs blickt. Beim Filmforum Bregenz steht dagegen der Dokumentarfilm "Oeconomia" auf dem Programm, in dem Carmen Losmann den Mechanismen der Geldwirtschaft und den Spielregeln des Kapitalismus nachspürt.

Countdown – Start zum Mond: Mit "Mash" und seinen folgenden Filmen wie "McCabe and Mrs. Miller" und "Thieves Like Us" zählte Robert Altman in den frühen 1970er Jahren zu den zentralen Regisseuren des New Hollywood. Nicht nur mit seinen Meisterwerken "Nashville" und "Short Cuts" demonstrierte er meisterhaft die Kunst des polyphonen Erzählens.
Schon lange war der 1925 geborene Amerikaner zu diesem Zeitpunkt aber schon im Filmgeschäft, hatte Anfang der 1950er Jahre beim Fernsehen begonnen, unter anderem Folgen der legendären Western-Serie "Bonanza" gedreht, und feierte erst 1967 – also mit 42 Jahren – mit "Countdown – Start zum Mond" sein Kinodebüt.
Zwei Jahre vor der US-Mondlandung am 21. Juli 1969 erzählte Altman – veröffentlicht wurde der Film 1968 – darin von einem übereilten amerikanischen Mondflug, mit dem die westliche Großmacht den Sowjets zuvorkommen will. Doch die Technik erweist sich als fehleranfällig.
Schon hier hinterfragt der große Gesellschaftskritiker und Satiriker das amerikanische Leistungsdenken und Technologiegläubigkeit. Altman blickt auf den wahnwitzigen Wettlauf ebenso kritisch wie auf die mörderischen Vorbereitungen, die das Privatleben des Astronauten zu zerrütten beginnen. Dass es dann doch noch zu einem Happy- End – dem einzigen im Werk Altmans – kommt, wirkt märchenhaft und Studiozwängen ebenso geschuldet wie wohl dem Druck der NASA, die über einen pessimistischen Blick auf die Pläne eines Mondflugs nicht erfreut gewesen wäre.
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz: Do 24.6., 18 Uhr

Oeconomia: Nachdem Carmen Losmann mit "Work Hard - Play Hard" 2011 einen ebenso kühlen wie klaren Dokumentarfilm über die Veränderungen der modernen Arbeitswelt vorlegte, widmet sie sich in "Oeconomia" der Geldwirtschaft und den Spielregeln des Kapitalismus.
Kernstück des Films sind Interviews mit Bankern und Finanzchefs. Beginnend mit dem simulierten Gespräch zur Vergabe eines Privatkredits zeigt Losmann, wie Geld durch Vergabe eines Kredits – und damit durch Schulden – geschaffen wird. Vom privaten Beispiel weitet sie den Blick zu Finanzvorständen und Vermögensverwaltern und macht sichtbar, wie Wachstum das einzige Ziel des Wirtschaftens ist.
Immer wieder kommt "Oeconomia" dabei zum paradoxen Kreislauf von Wachstum und Verschuldung zurück und bringt schließlich auch die Staaten ins Spiel, die sich durch Anleihen verschulden, um Arbeitsplätze zu sichern und Sozialleistungen zu finanzieren. Gleichzeitig begeben sie sich aber durch die Anleihen in Abhängigkeit von privaten Kreditgebern, die wiederum nur an Profit orientiert sind und deshalb Investitionen in Bildung, Soziales oder Ökologisierung der Wirtschaft blockieren.
Losmann polemisiert nicht, sondern bleibt nüchtern und sachlich. Durch die konzentrierte Inszenierung, den bestechend stringenten Aufbau, die punktgenauen Interviews und nicht zuletzt die illustrierenden und zusammenfassenden Grafiken fesselt "Oeconomia" dabei nicht nur, sondern bietet auch einen sehr anschaulichen Einblick in die Funktionsweise des Kapitalismus und der Geldwirtschaft, deren Widersprüchlichkeit auch dadurch sichtbar wird, dass selbst die von der Regisseurin befragten Fachleute schließlich teilweise nicht mehr zu antworten wissen.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 24.6., 20 Uhr


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Countdown: Start zum Mond

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