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17.12.2015 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (18.12. - 24.12. 2015)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche Gianni di Gregorios Silver Ager-Komödie „Buoni a nulla“. Am Spielboden Dornbirn steht nochmals Sebastian Schippers spektakuläres Filmexperiment „Victoria“ auf dem Programm.

Buoni a nulla: Nach „Pranzo di Ferragosto – Das Festmahl im August“ und „Gianni e le donne“ legt Gianni di Gregorio eine weitere Seniorenkomödie vor. Der Regisseur selbst spielt den Duckmäuser Gianni, der nicht nur der Eigentümerversammlung in seinem Wohnblock aus dem Weg geht, sondern ohne Widerstand auch hinnimmt, dass er statt pensioniert zu werden noch drei Jahre arbeiten muss und zudem von seinem heimeligen Büro im Stadtzentrum in ein modernes Glas-Beton-Hochhaus am Stadtrand versetzt wird.
Erst als der Freund seiner Ex-Frau ihn auffordert, nicht alles in sich hineinzufressen, sondern auch mal Nein zu sagen, beginnt sich sein Leben zu ändern. Zaghaft beginnt er Widerstand zu leisten und je mehr er rebelliert, desto mehr blüht er auf, lernt lustvoll das Leben zu genießen statt im monotonen Alltagstrott die Lebenszeit verstreichen zu lassen.
Hinreißend ist, wie bei dieser Entwicklung spätere Szenen mit früheren korrespondieren, wie Gianni nun entschlossen zwischen die Autos auf der Via dei Fori Imperiale tritt, wie er dem Vorgesetzten in der Kantine nicht mehr erlaubt das letzte Schnitzel wegzunehmen, wie er in einem Nudelrestaurant das verbrannte Stück Lasagne, das man ihm verkaufen will, zurückweist.
Ein kleiner, aber charmanter Film ist dies, der wieder einmal von di Gregorios herrlichen Figuren – ihrer genauen Zeichnung, ebenso wie dem trefflichen Spiel der Schauspieler -, seinem warmherzigen Blick, der Verankerung der Handlung im römischen Ambiente – entsprechende Italianità fehlt somit nicht – und natürlich von dem den Zuschauer immer erfreuenden Erfolg des Underdogs gegen das Establishment lebt.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz:
Sa 19.12., 22 Uhr


Victoria:
Mitreißende Intensität entwickelt Sebastian Schipper durch seine ziemlich einzigartige Inszenierungsmethode: In einer einzigen Nacht zwischen halb fünf Uhr und sieben Uhr morgens hat er seinen 140-minütigen Film in Echtzeit und in einer Einstellung gedreht.
Hautnah an den Figuren und mittendrin im Geschehen ist man so, wenn die junge Spanierin Victoria beim Verlassen einer Berliner Disco auf vier Typen trifft, mit ihnen ein Gespräch beginnt und durch die Straßen zieht. Was als ausgelassenes nächtliches Treiben beginnt, wandelt sich aber schließlich in bitteren Ernst. Denn als das Quartett Victoria bittet, für sie einen Wagen zu lenken, ist sie bald in einen Banküberfall verwickelt.
Unglaubwürdig mag da im Handlungsablauf vieles sein, doch die Schauspieler verkörpern so lebensecht und intensiv diese Figuren, die ein Spektrum unterschiedlichster Gefühle von Ausgelassenheit bis zu extremer Anspannung, von leidenschaftlicher Liebe bis zu tiefster Verzweiflung durchlaufen, und die furiose Kameraarbeit von Sturla Brandth Grøvlen entwickelt einen solchen Sog und eine atmosphärische Dichte, dass man über diese Schwächen hinwegsieht.
Spielboden Dornbirn:
Sa 19.12., 20 Uhr

Buoni a nulla

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Victoria

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