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17.03.2016 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (18.3. - 24.3. 2016)

Das Takino Schaan zeigt diese Woche die sanft-melancholische französische Wohlfühlkomödie „Les souvenirs“. Am Spielboden Dornbirn geht die Denis-Villeneuve-Reihe mit „Enemy“ und „Polytechnique“ ins Finale.

Les souvenirs: Am Beispiel von drei Generationen einer Familie spürt Jean-Paul Rouve in seiner David Foenkinos-Verfilmung dem Leben nach.
Genau trifft Rouve den Ton, hält die Balance zwischen Komik und Rührung, kontrolliert sicher Tempo und Handlung. Meist nur die Franzosen beherrschen so sicher das Schwere mit dem Leichten zu verknüpfen, das auch diese sanft-melancholische Reflexion über das Leben auszeichnet.
Vorwerfen kann man „Les souvenirs“ freilich, dass alles weichgespült wird, der Blick allzu beschönigend ist, doch nicht zuletzt die wunderbar harmonierenden Schauspieler lassen darüber hinwegsehen. Speziell bei den Hauptdarstellern spürt man, dass sie sich in ihren Rollen wohl fühlen, gleichzeitig sorgen sie mit den drei unterschiedlichen Altern und Problemen auch für Abwechslung.
Ein Vergnügen ist es einfach der 87jährigen Annie Cordy bei der wehmütigen Recherche nach ihrer Kindheit zuzusehen. Hinreißend ist auch Michel Blanc, der den Vater als zurückhaltende Variante der cholerischen Louis de Funès-Figuren anlegt, während Mathieu Spinosi nicht nur mit seiner Empathie für die Grossmutter, sondern auch mit seiner unsicheren Suche nach Lebensweg und Liebe die Sympathien des Publikums gewinnt.
C
harme entwickelt die dritte Regiearbeit des Schauspielers Rouve aber auch durch ein Gespür für Details und originelle Nebenfiguren wie den vom Regisseur selbst gespielten Besitzer eines Hotels oder einen Tankwart, der wie ein griechisches Orakel Tipps fürs Leben gibt.
Schön spannt Rouve mit einer Begräbnisszene am Ende auch den Bogen zum Anfang. Trotz des traurigen Anlasses wird der Zuschauer aber nicht bedrückt entlassen, denn mit dem Tod auf der einen Seite wird auch ein Neubeginn auf der anderen verknüpft.
Takino Schaan: Fr 18.3., 14.30 Uhr

Enemy: Visuell brillant und komplex konstruiert erzählt der Frankokanadier Denis Villeneuve in seiner Verfilmung von José Saramagos Roman "Der Doppelgänger" von Identitätskrise und Doppelgängertum.
Im Mittelpunkt steht der Geschichtsprofessor Adam Bell (Jake Gyllenhaal), der in einem tristen, in fahles Licht und Farben getauchten Toronto ein monotones Leben führt. Zunehmend verschwimmen für ihn Realität und Traum und wie er über die Wiederholungen in der Geschichte lehrt, so stellen sich auch in seinem Leben Dopplungen und Wiederholungen ein. Vollends den Boden unter den Füßen zu verlieren droht er, als er in einem Spielfilm, den er an seinem Laptop anschaut, in einer Nebenrolle seinen Doppelgänger entdeckt und diesen bald auch kontaktiert.
Aber sind dies wirklich zwei Figuren oder existiert der eine nur in der Vorstellung des schizophrenen anderen? Und wenn letzteres der Fall ist, stellt sich die Frage, welcher von beiden real ist?
Zur Irritation – und zur nachhaltigen Wirkung – von „Enemy“ trägt aber auch eine Vogelspinne bei, die - ohne in einen Kontext eingebunden zu werden – riesig über Toronto hängt, und auch am Ende dafür sorgt, dass dieser Film im Kopf des Zuschauers haften bleibt.
Auflösung bietet Villeneuve bei diesem kafkaesken Alptraum, der nicht zuletzt durch die Musik, die an Bernard Herrmanns Soundtracks für die Filme Hitchcocks erinnert, Sogwirkung entwickelt, keine, sondern überlässt es dem Zuschauer das Gesehene zu interpretieren.
Spielboden Dornbirn: Mi 23.3., 19.30 Uhr

Les souvenirs

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Enemy

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