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17.07.2011 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (18.7. - 24.7. 2011)

Auf dem Rankweiler Marktplatz läuft diese Woche Stephen Frears Comic-Verfilmung „Immer Drama um Tamara“, während das Filmforum Bregenz mit Christian Kraus´ „Poll“ deutsches Kino bietet, das über die Qualitäten eines großen Hollywoodfilms verfügt.

Immer Drama um Tamara: Einst hat Tamara Drewe als hässliches Entlein das englische Provinznest, in dem sie aufwuchs, verlassen, nach Jahren kehrt sie nach einer Nasenkorrektur als erfolgreich Journalistin und aufregende junge Frau zurück. Durch ihre bloße Präsenz bringt sie Unruhe in die ländliche Idylle, denn einerseits erregt sie die Männer, andererseits weckt sie bei deren Frauen dadurch Unmut. Und die Teenager Jody und Casey sind stille Beobachter des turbulenten Karussells der Gefühle und Beziehungen, bis sie doch noch entscheidend eingreifen.
Der Brite Stephen Frears lässt sich in keine Ecke drängen, sondern begibt sich mit jedem Film auf neues Terrain. Mit Posy Simmonds Graphic Novel hat er nicht nur erstmals einen Comic verfilmt, sondern situiert mit der britischen Provinz die Handlung auch in einem Milieu, mit dem er bislang kaum etwas zu tun hatte. Zumindest der deutsche Titel spielt dabei auch auf Alfred Hitchcocks schwarze Komödie „Immer Ärger mit Harry“ an – und das durchaus zurecht, denn wie bei Hitchcock die Leiche, ist bei Frears Tamara (Gemma Arterton) im Grunde nur ein Katalysator, der das Beziehungsgefüge in Gang bringt und sichtbar macht, dass das Idyllische nur Oberfläche ist, hinter der es ganz schön böse zu- und hergehen kann.
Leichtfüßig inszeniert, den Stil von Comics mit Splitscreen und Einblendungen von Erinnerungen immer wieder geschickt kopierend, vor allem aber auf den Punkt genau besetzt, unterhält „Immer Drama um Tamara“ bestens, auch wenn der Film etwas unentschlossen zwischen bissiger Satire und romantischer Komödie pendelt.
„Filme unter Sternen“ – Marktplatz, Rankweil (bei Schlechtwetter: Altes Kino, Rankweil): Fr 22.7., 21.30 Uhr


Poll: Ein Herrenhof an der baltischen Ostseeküste gibt Christian Kraus´ dritten Spielfilm den Titel. In und um das prächtige, auf Stelzen ins Meer gebaute Haus im Palladio-Stil, das gewissermaßen der Star des Films ist, entwickelt Kraus sein Drama. Sehr frei nach dem Schicksal seiner Großtante Oda Schäfer erzählt er von einer jungen Frau, die sich am Vorabend des Ersten Weltkriegs heimlich um einen verwundeten baltischen Anarchisten kümmert, von ihrem gefühlskalten Vater, der sich der Gehirnforschung widmet, und den Spannungen zwischen deutschen Herren und baltischem Volk.
Wie Michael Haneke in „Das weiße Band“ entwirft Kraus so das Bild einer Gesellschaft und einer zu Ende gehenden Epoche, bleibt aber im Gegensatz zum Österreicher nicht kühl, sondern will großes emotionales Kino bieten. Historisch erlaubt sich der Deutsche viele Freiheiten, evoziert aber mit aufwändiger und detailreicher Ausstattung atmosphärisch dicht die Stimmung der Zeit, zeigt ein Gespür für große Kinobilder und markante Figurenzeichnung, kann auf ein ebenso homogenes wie starkes Schauspieler-Ensembles vertrauen und erzählt mit einer Leidenschaft und Verve, die sein persönliches Engagement bei diesem Projekt stets spüren lassen.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 20.7., 20 Uhr; Fr 22.7., 22 Uhr

Immer Drama um Tamara

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