Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

18.07.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (19.7. - 25.7. 2010)

Die Schachspielerin: Nach dem gleichnamigen Roman von Bertina Heinrichs erzählt Caroline Bottaro in ihrem ersten Spielfilm von einer Frau, die zuverlässig ihre Pflicht als Ehefrau, Mutter und Zimmermädchen verrichtet, bis sie durch Zufall das Schachspiel entdeckt und sich über diese Leidenschaft emanzipiert.
Wie beim Schachspiel die Dame die zentrale Figur ist, so ist es hier die Hauptdarstellerin Sandrine Bonnaire. Dass dies auch die Regisseurin erkannt hat, sie ihrem Star den Film förmlich überlassen hat, ist zweifellos als weise zu bezeichnen. Denn mühelos trägt die Bonnaire praktisch im Alleingang diesen Frauenfilm und Bottaro muss sie nur noch vor der malerischen Kulisse Korsikas richtig in Szene setzen.
Bei kritischem Blick wird man sich freilich fragen, ob die Befreiung aus dem proletarischen Milieu, der Weg vom brav dienenden Objekt zum selbstständig denkenden, Träume definierenden und an deren Realisierung arbeitenden Subjekt wirklich so problemlos und rund vonstatten gehen kann. Sieht man darüber aber hinweg, so kann man den in seiner Leichtigkeit und mit seinen exzellenten Dialogen typisch französischen Film als schöne Utopie oder Märchen genießen, das einen auch selbst daran erinnern kann, verschüttete Träume wieder auszugraben, wieder mal an seine eigene Selbstverwirklichung zu denken und diese wieder ins Auge zu fassen.
TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos: Freitag, 23.7. bis Donnerstag, 29.7.


Precious: In seiner Verfilmung von Sapphires Roman „Push“ erzählt Lee Daniels von einem schwer übergewichtigen afroamerikanischen Teenager, der im sozialen Elend zu versinken zu droht: Zum zweiten Mal von ihrem Vater schwanger fliegt die 16-Jährige von der Schule. Zuhause wird sie von ihrer Mutter nur schikaniert und geprügelt, einzig die Flucht in eine Traumwelt voll Glamour, Ruhm und Schönheit scheint ihr zu bleiben. Doch dank einer engagierten Lehrerin findet sich für Precious eine Alternative – und ein Ausweg aus der Tristesse scheint möglich.
Eine geballte Ladung soziales Elend von Kindesmissbrauch über häusliche Gewalt bis zu AIDS fährt Lee Daniels in seinem mit zwei Oscars (Mo´Nique als Beste Nebendarstellerin, Geoffrey Fletcher für das Beste adaptierte Drehbuch) ausgezeichneten Drama auf, gleitet aber dank der frischen Erzählweise und unverbrauchter Darsteller nicht in Sozialkitsch ab. Ganz im Gegensatz zur Hollywood-Hochglanzästhetik wirken die Bilder ungeschminkt und roh. Aber im Elend suhlt sich der Film nie, denn die Vergewaltigung durch den Vater wird nur stilisiert angedeutet und auch die Auseinandersetzungen mit der Mutter werden nicht breit ausgewalzt. In diesem quasidokumentarischen Gestus werden die Figuren zu Menschen aus Fleisch und Blut, deren Schicksal einem nahe geht.
Poolbar, Feldkirch: So, 25.7, 20.30 Uhr
 

Die Schachspielerin  © Filmladen Filmverleih (Foto - Patrick Glaise)

Die Schachspielerin © Filmladen Filmverleih (Foto - Patrick Glaise)

Precious - Das Leben ist kostbar

Precious - Das Leben ist kostbar

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Die Schachspielerin  © Filmladen Filmverleih (Foto - Patrick Glaise) Die Schachspielerin © Filmladen Filmverleih (Foto - Patrick Glaise)
  • Precious - Das Leben ist kostbar Precious - Das Leben ist kostbar