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20.01.2022 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (21.1. - 27.1. 2022)

In mehreren Filmclubs läuft in dieser beziehungsweise den kommenden Wochen Paolo Sorrentinos autobiographisch geprägte Coming-of-Age-Geschichte "È stata la mano de Dio – Die Hand Gottes". Im TaSKino Feldkirch steht dagegen der feinfühlige und wunderbar gespielte Spielfilm "Supernova" auf dem Programm, in dem Harry Macqueen ein langjähriges homosexuelles Paar auf eine letzte Reise durchs herbstliche England schickt.

È stata la mano de Dio – Die Hand Gottes: Von persönlichen Erfahrungen beeinflusst erzählt Paolo Sorrentino vom Coming-of-Age des jungen Fabietto im Neapel der 1980er Jahre, das im Maradona-Fieber liegt.
Mit praller Typenzeichnung von einer schwer übergewichtigen und stets fluchenden Großtante, die auch im Sommer einen Pelzmantel trägt, über eine skurrile Baronin bis zu einem alten Mann, der aufgrund eines Halsleidens nur mittels einer Maschine reden kann, will Sorrentino sichtlich seinen Ruf als Nachfolger Fellinis festigen. Problematisch ist dabei zweifellos, wie auf Kosten dieses kranken Mannes oder auch einer psychisch labilen Tante Witze gemacht werden, doch andererseits entwickelt "Die Hand Gottes" in diesem ersten Teil mit den zahlreichen Mitgliedern der Sippe Fabiettos und schnellen Dialogen mitreißenden Schwung.
Abrupt wechselt der Film mit einem tragischen Ereignis aber die Tonlage, wird ruhig und nachdenklich. Auf mehreren Ebenen setzt damit auch eine Wandlung oder ein Coming-of-Age Fabiettos ein, denn nicht nur sein Interesse an Mädchen wächst, sondern er entdeckt auch in der Filmregie seinen großen Berufswunsch.
In jeder Szene spürt man die Leidenschaft und das persönliche Engagement Sorrentinos, der erstmals seit seinem Langfilmdebüt "L´uomo in più" (2001) in seiner Heimatstadt drehte. Er lebt mit diesem Fabietto sichtlich nochmals seine Jugend, den realen schmerzlichen Verlust, aber auch die Maradona-Begeisterung dieser Zeit durch.
Nicht um einen stringenten Handlungsaufbau geht es Sorrentino dabei, sondern die wirkungsvolle einzelne Szene ist ihm wichtiger. Leidenschaftlich und bewegend evoziert er die jugendliche Stimmung mit ihrer Unsicherheit und langsamen Identitätsfindung – und feiert nicht nur Neapel und sein Idol Maradona, sondern schließlich auch das Kino, dessen Kraft diese Netflix-Produktion großartig beschwört.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 26.1., 18 Uhr + Do 27.1., 19.30 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 26.1., 19.45 Uhr
LeinwandLounge in der Remise Bludenz:  16.3., 19 Uhr

Supernova: Ein langjähriges homosexuelles Paar begibt sich mit einem Wohnmobil auf eine letzte Reise durch England, denn der eine der beiden Männer ist an früh einsetzender Demenz erkrankt.
In langen, ruhigen Einstellungen erhalten Stanley Tucci und Colin Firth viel Zeit und Raum, um die immer noch bestehende Innigkeit der Beziehung, die Vertrautheit und die gegenseitige Liebe, aber auch die Belastung durch die Krankheit zu vermitteln. Man spürt in jeder Szene, dass Tucci und Firth auch privat seit langem befreundet sind, denn hier stimmt jede Geste und jeder Blick und trägt dazu bei, lebensechte und bewegende Charaktere zu schaffen.
Leicht hätte das eine rührselige Angelegenheit werden können, doch Harry Macqueen vermeidet in seinem zweiten Spielfilm durch die zurückhaltende Inszenierung jeden Anflug von Sentimentalität. Statt mit Großaufnahmen und schnellen Schnittfolgen Emotionen aufzubauschen, drosselt er sie eher mit distanzierenden halbnahen und halbtotalen Einstellungen. Von bewundernswerter inszenatorischer Einfachheit ist dieser Film, gewinnt seine Kraft allein durch den einfühlsamen und mitfühlenden Blick auf seine beiden Protagonisten.
Unterbrochen wird dieser Blick immer wieder durch die farbenprächtige herbstliche Landschaft, denn nicht durch Städte führt die Reise, sondern in den von Wiesen, Seen und Bergen bestimmten Lake District im Nordwesten Englands. Wie der Herbst hier mit dem nahen Tod korrespondiert, so beschwört die in warme Farben getauchte Landschaft (Kamera: Dick Pope) einerseits die Schönheit dieses irdischen Lebens, andererseits verstärkt sie die Trauer über das nahe Sterben.
So wird hinter der scheinbaren Einfachheit rasch ein ungemeines Feingefühl, eine Empathie und eine Behutsamkeit spürbar, die "Supernova" zu einem zutiefst bewegenden und zutiefst menschlichen Drama machen, das lange nachhallt und auch über das eigene Leben reflektieren lässt.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Mo 24.1. + Di 25.1., 17.45 Uhr; Do 27.1., 19.45 Uhr


Weitere Filmkritiken, Streamingtipps, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website 
https://www.film-netz.com.

È stata la mano de Dio – Die Hand Gottes

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