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21.03.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (22.3. - 28.3. 2010)

Schreie ohne Namen – Ein Film zur NS-„Euthanasie“: Über 200.000 Menschen fielen der NS-„Euthanasie“ zum Opfer. Tone Bechter zeichnet in seinem Dokumentarfilm mit Stellungnahmen von Experten, wenigen Zeitzeugenaussagen und einem durchgängigen Off-Kommentar die Geschichte dieses Verbrechens insgesamt nach, beleuchtet gleichzeitig einige Einzelschicksale aus dem Bregenzerwald genauer.
Aber nicht nur auf die Verbrechen blickt der Film, sondern auch auf die Verdrängung in der Nachkriegszeit, in der kaum ein Täter strafrechtlich belangt wurde. Als Gegenpol dazu fordert der Film Erinnerungsarbeit, blickt abschließend auf die Errichtung von Gedenkstätten in verschiedenen Bregenzerwälder Gemeinden, durch die die Opfer dem Vergessen wieder entrissen werden.
Sichtlich zu groß ist das Thema für einen 60-minütigen Film. Einen Überblick über die Geschichte der NS-„Euthanasie“ vermag „Schreie ohne Namen“ zwar zu vermitteln, erschlägt den Zuschauer aber auch förmlich mit Fakten, Namen und Daten. Statt einzelne Punkte oder Schicksale differenzierter und intensiver zu beleuchten, wird kurzatmig viel zu viel gestreift. Wie man (Zeit)Geschichte filmisch aufarbeitet, ist immer eine zentrale Frage. Die Lösung kann aber kaum ein Off-Erzähler sein, durch den die visuelle Ebene zur Nebensache wird. Nur illustrierenden Charakter haben hier Archivfotos oder nachinszenierte Szenen, allein über diesen Kommentar funktioniert dieser Film, bietet nur über ihn, aber nie über die Bildebene Informationen und Einblicke und auch den wenigen Zeitzeugen wird kaum Raum und Zeit zugestanden, so zu formulieren, dass man wirklich in ihre Erinnerung, ihr Empfinden und Erleben eintauchen könnte.
Im Anschluss an alle drei Vorführungen stehen der Filmemacher Tone Bechter, Dr. Hubert Schneider vom LKH Rankweil und der Historiker Univ.-Doz. Mag. Dr. Wolfgang Weber für Fragen zur Verfügung.
Spielboden Dornbirn: Di, 23.3.; Di, 30.3.; Mi, 31.3. – jeweils 20.30 Uhr


Laurel und Hardy-Abend mit „Die Wüstensöhne“ + „Die Klotzköpfe“: Nur als Paar sind Stan Laurel und Oliver Hardy denkbar, aus ihrer Gegensätzlichkeit entsteht die Komik: der dicke Autoritäre und der dünne Naive. Ihre Welt ist das Kleinbürgertum, sie wollen sich anpassen und fallen doch immer wieder aus dem System. Das Widersinnige wird so deutlich, hinter harmlosem Slapstick entwickeln ihre Filme anarchische Kraft.
In „Die Wüstensöhne“ wollen Laurel und Hardy von Kalifornien zu einem Treffen ihres Männerclubs nach Chicago reisen. Da sie aber unter der Fuchtel ihrer Frauen stehen, kommen sie nur unter dem Vorwand eines Kuraufenthalts auf Honolulu von zuhause weg. Der Schwindel fliegt aber auf…
„Die Klotzköpfe“ beginnt dagegen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Laurel wird dort vergessen und erst 20 Jahre später gefunden und als Kriegsheld gefeiert. Als der inzwischen verheiratete Hardy vom Schicksal seines Kriegskameraden liest, nimmt er ihn bei sich auf. Dies führt bei den Hardys nicht nur zu massiven Eheproblemen, sondern auch zu Konflikten mit einem cholerischen Nachbarn.
Wie bei Chaplin entwickelt sich auch bei Laurel und Hardy Komik nicht durch die Montage, sondern in langen distanzierten Einstellungen vor der Kamera. Männerfreundschaften und die Schwäche des „starken Geschlechts“ werden ebenso scharf kritisiert wie die als dominante „Hausdrachen“ vorgestellten Ehefrauen. – Nur an der Oberfläche sind Laurel-und-Hardy-Filme harmlos, in Wirklichkeit bieten sie einen bösen Blick auf die US-Gesellschaft, indem sie schonungslos mit dem Kleinbürgertum abrechnen.
KULTKINO-Dienstag im Kino Bludenz: Di, 23.3., 20.00 Uhr


Die Frauenkarawane: Nathalie Borgers begleitet in ihrem Dokumentarfilm eine Karawane von Frauen, die drei Wochen durch die Sahara ziehen, um mit ihrem Handel in der Oase Bilma das Überleben des Heimatdorfes für das kommende Jahr zu sichern.
Borgers bleibt ruhige und distanzierte Beobachterin, verzichtet auf jeden Off-Kommentar und wechselt in ruhiger Montage zwischen den majestätischen Wüstenbildern und Gesprächen der Frauen. Nicht überrumpelnd dringt Borgers in die Frauengruppe ein, sondern bleibt außen, wenn sie die Karawane immer wieder in der Ferne isoliert. Näher kommt die Regisseurin den Frauen bei ihren Gesprächen, in denen sie ungestört von ihrer Situation, von Zwangsverheiratung, prügelnden Ehemännern und Zukunftswünschen sprechen können.
Bildschön ist dieser Film und öffnet gleichzeitig den Blick nicht nur auf eine patriarchale Gesellschaft, sondern in den portärtierten Domagali, Amina und Magali auch auf moderne, selbstbewusste und sich emanzipierende Frauen. Beim Handel in der Oase lassen sie sich nicht so schnell übers Ohr hauen, sondern treten als gleichwertige Geschäftsfrauen den Männern entgegen. Auch wollen sie nicht zurück zur Männerherrschaft, sondern träumen vom Leben in der Stadt oder dem Abschluss der Schulbildung. So archaisch, der Zeit enthoben auch dieses Treiben wirkt, so sieht man doch in Digitaluhren an den Armen, an einem Gespräch mit dem Handy oder, wenn die Frauen in der Oase eine französische Fernsehserie anschauen, dass dieser Stamm nicht ganz von der modernen Welt abgeschlossen ist.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 26.3., 20 Uhr; Fr, 28.3., 22 Uhr

Schreie ohne Namen - Ein Film zur NS-"Euthanasie"

Schreie ohne Namen - Ein Film zur NS-"Euthanasie"

Die Wüstensöhne

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Die Frauenkarawane © Poool Film Verleih

Die Frauenkarawane © Poool Film Verleih

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  • Schreie ohne Namen - Ein Film zur NS-"Euthanasie" Schreie ohne Namen - Ein Film zur NS-"Euthanasie"
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